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Beihilfe leistet und es durch Mittheilungen und Artikel hebt und bereichert und vielseitiger und anziehender macht. —
Hat nun aber die öffentliche Meinung eine dieser ihr von der Freiheit auferlegten Pflichten erfüllt? Leider! müssen wir mit dem entschiedensten Nein darauf antworten. Nachdem man die Alles bevormundende Bureaukratie gestürzt, hat man weder Hand noch Fuß angeregt. Man findet überall an öffentlichen Orten radikale Hetzblätter, eines schlechter als das andere. Wird auch einmal ein gutes angeschafft, so wird von der Minorität der rothen Schreier so lang geschrien, geflucht und geschimpft, bis man es, um Ruhe zu haben und Streitigkeiten zu vermeiden, wieder abschafft. — So üben die Rothen — die Feinde der wahren Freiheit — die Censur aus. — Was aber thun die Wohlgesinnten? Sie lesen die schlechten Blätter mit Zorn und Aerger schweigend in sich hinein und es wagt nicht leicht einer, den Mund über all die schamlosen Frechheiten und die empörenden Lügen aufzuthun, die er mit seinem Bier in sich hineinschluckt, oder er macht nur eine leise Bemerkung zu seinem Nachbar, dessen Gesinnung ihm bekannt ist. Zu verlangen, daß man sie mit dem Abschaume der Gassenliteratur verschone, das fällt ihnen nicht ein. Das möchte wohl Aufsehen machen! — Sie könnten dafür als Parteileute, als Reaktionäre verschrien , in dem einen oder andern Schmutzblättchen, der Volksjustiz des Gesindels denunciirt und wohl gar durch eine Katzenmusik in ihrer Nachtruhe gestört, oder in einem illustrirten Mistblatt abkonterfeit werden! Alles Dinge, welche die Klugheit zu vermeiden gebietet. —
So ein Wohlgesinnter meint schon Wunders, wie sehr er sich um sein Vaterland verdient gemacht, und welches Opfer er der guten Sache bringt, wenn er sich auf ein einigermaßen konservatives Blatt abonnirt.*)
Um nicht einseitig zu erscheinen, so abonnirt er sich auch auf ein schlechtes Hetzblatt.. Vielleicht abonnirt er sich auch auf das letztere allein und liest das gute, was eigentlich seine Ansicht vertritt, nur leih-
*) Und auch das thun nur die Wenigsten; sie haben zu Allem eher Geld, als zum Zeitungshalten. Sie finden „das Blatt" ja auch auf dem Kasino, in der Ressource, im Lescmuseum re. Kommt eS hoch, so schlagen sich Vier, von denen jeder Einzelne in jeder Woche Mehr verthut, als ein vierteljähriges Abonnement beträgt, zusammen und halten ein Exemplar. Die armen, sparsamen Leute! mit zusammen fünftausend Thaler jährlichem Einkommen !
weise bei seinem Gevattersmann. — Und um hierin seine ganze Unparteilichkeit zu zeigen, findet das konservative Blatt keinen strengeren Kritiker, als gerade ihn. Armer Redakteur! Du magst es machen, wie du willst, du wirst es dem Wohlgesinnten nicht recht machen. Ist das Blatt in einem ruhigen leidenschaftslosen versöhnlichen Ton gehalten, der alle Persönlichkeiten, alle Bitterkeit, allen Spott ferne hält, der jede Aufregung und Aufreizung vermeidet, der sich immer streng an die Sache hält und diese in unüberwindlicher Geduld mit Gründen der Vernunft, mit Thatsachen und Ziffern verficht: dann findet der Wohlgesinnte das Blatt der grenzenlosen Frechheit und Unverschämtheit der Wühler und Hetzer gegenüber, nicht entschieden, nicht scharf, nicht kräftig, nicht muthig, nicht einschneidend genug; es ist ihm zu zahm, zu farblos, zu matt, zu trocken, zu doktrinär, ermüdend und langweilig, er legt es geringschätzig bei Seite und spricht: Aendert es sich nicht, so schaffe ich es ab, denn solch ein Zuckerwasser kann kein gesunde- Magen vertragen. Er selbst jedoch, der Wohlgesinnte, rührt keine Feder an, um den geringsten Mängeln seiner Seits abzuhelfen. Hat er sich ausraisonnirt und auch Andern das Blatt verleitet, dann hat er für die gute Sache, wie er meint, genug gethan. Ist aber der Redakteur ein ftischer, kräftiger, muthiger Geist, geht er den Wühlern mit scharfen Waffen unverzagt zu Leibe, hält er ihnen ohne Schonung jede Schändlichkeit und Niederträchtigkeit vor, deckt er die Schmach, die daS Dunkle ihres Lebens und Treibens und ihrer Vergangenheit umhüllt, furchtlos auf, zeigt er den Abgrund, dem sie die Gesellschaft entgegentreiben, in seiner ganzen schauerlichen Tiefe, ruft er im Angesichte der ungeheuren Gefabr alle edleren Gefühle im Volke und seine ganze sittliche Entrüstung zur Rettung auf, brandmarkt er jede Halbheit als Verrath, entreißt er erbarmungslos jeder Lüge die Maske, buhlt er mit keinem Laster, keiner Schwäche, keiner Thorheit der Zeit und des großen Haufens, macht er mit dem Teufel keine Komplimente, nennt er jede Schlechtigkeit bei ihrem rechten Namen und ladet er so den ganzen Grimm der Umsturzpartei auf sein Haupt und ist er seines Lebens ferner nicht mehr sicher: dann würde er sich sehr irren, wenn er glaubte, die große Masse der „Wohlgesinnten" würde ihn nun ihrer Seits als den Vorkämpfer ihrer Sache in Schutz nehmen. Im Gegentheil; sein Blatt wird ihnen von Tag zu Tag fataler, sie finden es gar zu aufreizend und leidenschaft-