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Unter Haltungsblatt

zur Reum HeMscheu ZMumg.

^. s Sonntag den <r. Februar. 1S5O»

Wie freie Preise und der deutsche Philister.

(Aus den historisch politischen Blättern Band XXIV Heft 1.)

Daß eine Hauptquelle der Uebel unserer Zeit und namentlich die dämonische Verwirrung der Geister ih­ren Sitz in der zügellosen Presse habe, muß sich jedem halbweg aufmerksamen Beobachter täglich aufdrängen. Allein die Stimme der Rufenden in der Wüste, ver­hallt in einer Zeit, deren sittlicher Stumpfsinn gegen Warnung und Belehrung taub, weder durch fremden noch durch eignen Schaden klug wird, und die sich nun einmal in der süßen Gewohnheit ihres alltägli­chen Schlendrians nicht stören lassen will. Oder wäre es anders erklärlich, daß unsere deutsche Presse und namentlich die periodische, mit der wir es hier zunächst zu thun haben, sich guten Theils in den Hän­den der verkommensten Subjekte befindet, die religiös, geistig und sittlich ruinirt, auf nichts Anderes, als auf Verwirrung, Auflösung und Umsturz zu spekuliren wissen. Im Besten sind es unwissende oder verbildete Schwindler und hirnverbrannte Köpfe, die aber durch ihre bodenlose, der Geschichte, der Natur, der gesunden Vernunft und jeder Erfahrung trotzende ungezügelte Phantasterei nicht geringern Schaden, wie jene durch ihre Schlechtigkeit anrichten. Viele unserer Zeitungen sind auch in den Händen solcher Leute, deren Haupt­tendenz grimmiger Haß gegen das Christenthum und alles Christliche ist. Allein, trotz dem furchtbaren Ruin, in den nach und nach alle europäischen Länder durch diese Umsturzpresse versetzt worden sind, ist immer noch wenig von einer gesunden Reaktion gegen ihr heilloses Treiben, wie sie der Instinkt der Selbsterhaltung schon eingeben sollte, wahrzunehmen. Der deutsche Michel, ein träges, gedankenloses Gewohnheitsthier, wie nur eines auf vier Füßen geht, läßt sich von den Mund­schenken der socialen Propaganda mit der rothen Feder ihren brennenden Giftwein und ihre faule Mistjauche kredenzen, und schlürft beides nach wie vor hinunter,

als sei es der gesundeste Liebestrank. Die meisterhafte Schlaffheit der Lesewelt macht es eben mit der Preß­freiheit wie mit den übrigen Freiheiten: man verab­scheut die Censur und alle präventiven Beschränkungen der Presse, man will die Preßfreiheit ihrem ganzen Umfange nach, als Frucht der Märzerrungenschaften und Grundrechte des deutschen Volkes genießen; allein die geringste der Pflichten, die diese Freiheit, wenn sie nicht zum Verderben ausschlagen soll, auferlegt, will man nicht erfüllen. Da und dort hat man nach er­folgter Abschaffung der Censur von den Herausgebern öffentlicher Zeitblätter Kautionen verlangt. Der Nach­weis und die Hinterlegung eines sicheren Besitzes sollte dem Staate wenigstens eine äußere Bürgschaft dar­bieten, daß es kein Solcher sei, der Nichts zu verlieren habe, der sich der öffentlichen Rednerbühne bemächtigte. Wer einen solchen Beruf übernahm, der der öffentli­chen Sicherheit, der Ruhe und dem Frieden des Staa­tes ebenso förderlich als verderblich werden kann, wer das Sprecheramt über die Ehre, die Rechte, den Frie­den und den Besitz seiner Mitbürger führen wollte, der sollte dem Einzelnen wie dem Staate durch diese hinterlegte Kaution für das Unrecht, das er ihm an- thun, und den Schaden, den er durch den Mißbrauch anrichten könnte, haften. Hatte er den ehrlichen und unbescholtenen Namen eines seiner Mitbürger durch niederträchtige Lügen und schamlose Verläumdungen befleckt; hatte er die Sittlichkeit verletzt und der Ju­gend das tödtliche Gift der Genußsucht, insbesondere der Unzucht und Wollust dargeboten; hatte er als ro­ther Kommunist zur Verletzung der Gesetze, zu Gewalt­thätigkeiten und wohl gar zu Raub und Mord aufge­fordert; hatte er eine Revolution, wie nun in Baven und in der Pfalz geschehen, angezettelt, tausende von Familien ins Unglück und sein Land in eine trostlose Verwirrung gestürzt: dann sollte es ihm nicht gestattet sein, wenn der letzte Schlag mißlungen war, sein leichtes Bündel zu schnüren und sich straflos aus dem Staube zu machen; die hinterlegte Kaution sollte dem