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zur Reueu Hessischem Zeitung.
J£ 3» Sonntag den 2G. Januar. E^M»
Dricpenkerl's Nobespierre.
Kürzlich las Herr Prof. Griepenkerl aus Braunschweig im großen Saale des Hotel Mielentz in Berlin vor einer zahlreichen Versammlung sein Drama „Marimilian Robespierre". Wir geben für heute nur eine kurze Charakteristik desselben. „Marimilian Robcspierre" ist ein historisches Drama im engsten Sinne des Worts. Der Dichter hat sich an der wirklichen Geschichte begeistert und keinen andern Trieb empfunden, als die Charaktere und Verhältnisse mit ihrer historischen Individualität in dramatisch ergreifender Handlung vorzuführen. Dieses neue Unternehmen ist ihm in hohem Grade gelungen; er bringt mit seinem Drama große und im Wesentlichen neue Wirkungen hervor.
Wir sehen die dämonischen Männer jener Revolutionsepoche und fühlen die Gewalt der Verhältnisse und Leidenschaften, welche die Einen treibt, die Andern zu vernichten. Wir sehen die Geschichte arbeiten und spüren die Macht, an welcher der Wille des Einzelnen zerbricht. Die Hauptcharaktere legen in Wort und Handlung ihr inneres Wesen dar. Wir sehen sie in dem Kreise der Ihrigen neben den politischen Gedanken und der politischen Leidenschaft auch Regungen des Herzens offenbaren, die unsern menschlichen Antheil erwecken. Der Gang der Handlung faßt uns mit der Gewalt, welche die Geschichte selbst hat.
Die ersten drei Akte schildern den Konflikt Dan- ton's mit Robespierre und den Untergang Danton's und seiner Parteigenossen; die zwei letzten den Sieg der durch Badier, Tallien und Barras repräsentirten Partei und den Sturz Robespierre's.
In einer früheren Beurtheilung ist gesagt, daß die zwei letzten Akte gegen die drei ersten abfielen; und ein Kritiker, der von der Dichtung sonst mit höchster Anerkennung spricht — Ad. Stahr — giebt dieß
gewissermaßen zu, und schiebt nur die Schuld auf die Geschichte. Wir können dem nicht ganz beistimmen. Die drei ersten Akte, oder, wenn wir genauer sein wollen, die Scene zwischen Danton, Robespierre und ihren Anhängern im ersten Akt, und der zweite und dritte Akt sind allerdings die vorzüglichsten Theile des Dramas. Die Handlung ist in den beiden Akten am Ergreifendsten, der Dialog am Reichsten ausgestattet mit schlagenden dramatischen Reden, und die Schlußscenen am Wirksamsten. Aber auch der vierte Akt ist, wenn wir von Einzelnheiten absehen, immer noch, was er sein soll. Die erste Scene reiht sich denen des dritten Akts würdig an; die zweite ist nothwendig zur Darstellung des Seelenzustandes Robespierres; das Fest des höchsten Wesens endlich wird in seiner ganzen historischen Haltung auf der Bühne einen eigenthümlich prächtigen Anblick gewähren und hat zugleich die Bedeutung eines dramatischen Motivs, indem es den Sturz des Helden mit einleitet. Nur in Bezug auf den fünften Akt müssen auch wir der Meinung sein, daß er den Zweck eines Schlußaktes nicht erfüllt, und dadurch die Gesammtwirkung des Stücks beeinträchtigt. Robespierre bei den Königsgräbern in St. Denis ist ein sehr glücklicher Gedanke. Anstatt aber durch das Gespräch des Helden mit einem Manne, der eine Meinung zu reprqsentiren vermöchte, auf das Wesen der Revolution und ihres Vertreters aufhellende Lichter fallen zu lassen, hat der Verfasser diesen nur in einer Ueberreiztheit gezeigt, die kein Jnterresse einflößt, und im Dialog einen romanisi- renden Ton angeschlagen, der mit der Realität der übrigen Handlung nicht zusammenstimmt. Die folgenden Scenen gehen den Weg der Geschichte. An ihnen aber müssen wir tadeln, daß sie den Untergang Robespierre's nicht genug motiviren, und den Hörer nicht auf einen Standpunkt stellen, von welchem aus er die Nothwendigkeit dieses Untergangs klar erkennt und poetisch empfindet. Dieß muß geschehen, wenn der Zuschauer von dem Stücke mit ästhetischen Ein-