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»Auf unsere letzte Straße, meine Braven!»
Und enger schließt nm ihn sich die Ruine,
Ein goldner Sarg um eines Kaisers Leiche,
Gelebt mit ihm so ganz, will Treue jetzt
Ihr Götterrecht — Unsterblichkeit, mit ihm
Zu sterben .....
Auch die Franzosen feierten Waterloo in Gedichten , den Untergang ihrer Helden und Napoleons.
Mit zu vieler Freiheit hat allerdings der Dichter den Jambus gehandhabt, die oft an Hans Sachs in Nürnberg erinnert:
Der war ein Schuh-
— wacher und Poet dazu.
Sylbentrennungen wie folgende hätten sich leicht ändern lassen.
»Nm seinen Berg herum wand sich der kalte
Lindwurm des Heiligen Georg den un
geschlachten Rücken wälzend in dem Sand.»
»Hoch über seinem weiten Friedhof un
begrabener Leichen reitet auf weißem Roß."
Der Wechsel des Jambus mit Trochäen und Daktylen kommt auch zu häufig vor, indessen sind letztere einige Mal vortrefflich benutzt, um den wach
senden Schrecken der Schlacht zu schildern:
Entgegen durch die eisernen Gassen schnaubend,
Zusammen schlägt die sausende Rciterschlacht,
Ein wirbelnder rasender Föhn. Antreten zwanzig
Mal Tausend ihren schwirren Schwertertanz.
Und schließen paarend sich, den furchtbaren Reigen;
Trompeten schmettern, Rüstern schnaufen den Chorus,
Die stählernen Lüfte sprühn, der Boden funkt,
Bvm trappelnden Tritt der Tanzplatz schwankt, und wenn
Die wirbelnden Paare sich fassen, lassen nicht loS
Sie wieder, halten sich fest, bis roth der Eine,
Der Andere blaß, herunter von Leib und Leben,
Als tanzte Tod und Teufel auf Mont Saint Jean
Den Bergtanz wieder mit hunderttausend Füßen.«
Dm Reim hat der Dichter nur in der Vorrede angewandt. Er würde trefflich gedient haben, die steigende Empfindung, so wie das sanfte Leben der Natur zwischen dem Schlachtgetöse zu schildern. Lord Byron bediente sich seiner stets zur Erhöhung des Zaubers seiner Gedichte.
Napoleon, Blücher, Wellington und andere Hel
dengestalten jener Zeit treten mit richtiger Charakterzeichnung auf. Der Kaiser ist, wie Miltons Satan, ohne daß der Dichter es wollte, der Held des Gedichtes , der die meiste Theilnahme erweckt. E.
Theater.
Bei dem bevorstehenden Jahreswechsel scheint es nicht unzweckmäßig, einige Blicke auf unser Theater zu werfen. Ein Kunstinstitut, wie ein Theater, kann niemals seinen Zweck vollständig erreichen, wenn es nicht eine gebildete, unparteiische, aber auch zugleich unumschränkte Kritik zur Seite hat, welche die Leistungen der Bühne eben so sehr dem Publikum gegenüber erläutert und in Schutz nimmt, gleich wie sie die gerechten Forderungen des Publikums, gegenüber der Intendanz des Theaters, auszusprechen befugt ist. An eine solche, gleichsam authentische Kritik wird hier niemals gedacht, ja, man hält sie sogar für ganz überflüssig; dafür kommen aber auch mitunter am hiesigen Theater Fehlgriffe vor, wie wohl selten an irgend einem andern. Um von vielen Beispielen nur eines der bedeutendsten anzuführen, erwähnen wir die unglückliche Wahl der Opern insofern, als man solche cinstudirt, welche den vorhandenen Kräften durchaus nicht entsprechen. Es gibt wohl keine Bühne in der Welt, worauf man eine jede Oper würdig aufführen könnte, am wenigsten aber da, wo jedes Rollen-Fach nur ein Mal besetzt ist, wie hier. In jedem einzelnen Rollen-Fach gibt es wiederum Partien, welche nicht eine jede Sängerin dieses Fachs übernehmen kann, ohne sich und ihrer Rolle zu schaden. Nichts defto- weniger kommen hier Opern zur Aufführung, welche gleichsam mit Gewalt gegeben werden, wie z.B. Ferdinand Cortez, Oberon, der schwarze Domino u. a. Fräul. Lieb hart ist eine so vortreffliche Koloratursängerin, wie wir sie nur jemals wünschen konnten; daß sich ihre Stimme aber nicht für eine Amazili in Cortez oder gar für den schwarzen Domino eignet, das wird Jeder sagen, welcher sie in diesen Partien