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zue Muen HeMscheu Zeitung»

^. ^8. Sonntag den 2. December. fSW.

Die Kunstausstellung in Kastel.

(Fortsetzung und Schluß.)

Unter den Landschaften aber sei hier besonders der genialen Arbeiten unseres Landsmannes Friedrich Müller gedacht. Wo man es mit solchem Fug thun darf, da soll man sich auch in der Kunst vor Allen des einheimischen Meisters freuen. Jene Kenner und Dilettanten, welche den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen und die Kunst erst dann recht achten, wenn sie sich ihnen verbirgt, gehen, wie mich öfters bedün- ken wollte, mit einer vornehmen verlegenen Verbeu­gung an Friedrich Müllers Schöpfungen vorbei. Ja freilich, es läßt sich nicht gar viel darüber sagen, so frisch und kräftig faßt uns dieser Genius an; so warm und hell scheint uns die Sonne aus seiner Landschaft mitten ins Herz hinein. Es ist Mes so wahr, und doch so einfach und doch so frisch und doch so ergreifend. Ich habe aber diesen Maler deßhalb nicht für schlechter gehalten, weil seine Bilder mich so ohne Weiteres am Herzen packten. Im Gegentheil, ich war so einfältig und bin es noch, ihn eben deßhalb für einen großen Landschafter zu halten. Die Motive seiner Natur sind einfach und edel, seine Formen sind korrekt und seine Farben saftig und wahr, und die Pinselführung ist vortrefflich. Doch ich will es gern Andern überlassen, dieses Alles in der kritischen Sprache auszuführen; mir ist es am Ende gleichgültig, wes­halb der Künstler mich ergreift, wenn ich nur ergriffen werde. Und fürwahr, in dem duftigen, leuchtenden Grase dieser Sommerfluren möchte man sich vor Lust wälzen, man erstarrt unwillkürlich in diesen Winterlandschaften, und ahnt den Frühling, der die Eisrinde lösen soll und in den mystischen Schatten

dieser Abenddämmerungen fühlt sich das Herz unwidersteh­lich von wunderbarer Sehnsucht bewegt. Und alles das geht so ursprünglich, so unmittelbar und doch so aus dem tiefsten Grunde vom Herzen zum Herzen; es ist, als ob die Natur selbst den Pinsel ergriffen und ihren leisesten Seufzer, ihren frohsten Herzschlag auf die Leinwand hingeworfen hätte. So war denn auch wie­der der ausgestellte Buchenwald mit seiner prächtigen ausdrucksvollen Färbung voll erquickender Lebensfrische. In diesem fröhlichen Waldesfrieden möchte man ruhen, an diesen anmuthigen Waldesgrund sich hinlegen und über das Bächlein Hinschauen, an welchem sich die schlanken Rehe laben.

Voll tiefer Wahrheit war auch die Winterscene: Die Wilddiebe." Die Lage des hinter dem Baum Verborgenen theilt sich ganz von selbst dem Beschauer mit; man friert mit dem Wilddieb und wünscht von ganzem Herzen, das erlegte Wild sei schon nach Hause gebracht; indessen Jener, wie das frische Leben, welches den Winterschlaf durchbricht, mit einem gewissen Hu­mor den kommenden Abenteuern und Strapatzen entgegensieht.

In einem entschiedenen Gegensatze zu der Müller- schen Landschafterei steht die Schirmersche. Ich kann mich rücksichtlich der Landschaften von Schirmer auf das in diesen Blättern bereits Bemerkte beziehen. Sie sind in ihrer Art vortrefflich gemalt und ausge- dacht; aber sie sind eben ausgedacht.Man merkt die Absicht und man ist verstimmt." Selbst abgesehen von der überlegenen Färbung und Zeichnung Müllers, verhält sich Schirmer zu ihm, wie zur Poesie bic Rhe­torik. Die Rhetorik kann es allerdings durch die Aus­bildung ihrer Mittel, durch ihre Bilder und Figuren dahin bringen, daß man sie für Poesie nehmen möchte; so ist auch Prof. Schirmer in seinen Studien wie