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Eh. Dickens über öffentliche Hinrichtungen.

Der populärste Novellist Englands, Charles Dickens, hat in Bezug auf die am 13. November zu London erfolgte Hinrichtung der Eheleute Manning folgendes Schreiben an die „Times" erlassen:

Mein Herr! Ich wohnte heute Morgen der Hin­richtung in Horsemonger Lane bei. Ich war hinge­gangen, um die bei diesem Schauspiele versammelte Menge zu beobachten, und habe treffliche Gelegenheit gehabt, mein Borhaben zu verschiedenen Zeiten der Montags-Nacht und während des ganzen Morgens auszuführen, von Tages-Anbruch bis zu dem Mo­mente, wo das Drama endete. Ich beabsichtige nicht, die abstrakte Frage wegen Abschaffung der Todes­strafe zu erörtern. Ich wünsche einfach, daß aus dieser schrecklichen Erfahrung etwas Gutes für das öffentliche Wohl hervorgehe, und die Gelegenheit zu benutzen, daran zu erinnern, daß in der letzten Ses­sion der Minister des Innern, Sir G. Grey, die Absicht der Regierung anzeigte, eine Maßnahme zu unterstützen, wodurch die Hinrichtungen in stille Akte im Innern der Gefängnisse umgeändert würden (mit solchen Bürgschaften für die strenge und sichere Voll­ziehung der Gesetze, als nur irgend für das Publikum wünschenswerth sein könnten), und ich möchte Sir G. Grey dringend bitten, selbst die Initiative dieser Verbesserung unserer Gesetze zu ergreifen, als eine Verpflichtung, die ihm der Gesellschaft gegenüber auf- crlegt ist, als eine Pflicht der Verantwortlichkeit, der er sich nicht entziehen kann. Ich glaube, daß es keiner menschlichen Einbildungskraft gelingen würde, eine so tief erschütternde Scene zu erfinden, als das Schau­spiel der Immoralität und des Leichtsinns der unge­

heuren, bei der heutigen Hinrichtung versammelten Menge; ich glaube, daß man in keinem von der Sonne erleuchteten Barbaren-Lande ähnliche Bilder sehen kann. Die Schrecken des Galgens und des Verbrechens, das diese elenden Mörder dorthin ge­bracht hatte, verschwanden in meinem Geiste vor dem abscheulichen Benehmen, den Blicken und Reden der versammelten Zuschauer. Als ich gegen Mitternacht zur Stelle kam, bekundete das Gellende des Geschreies und des Heulens, das von Zeit zu Zeit aus der Menge laut wurde, daß sie von einem Haufen Kna­ben und Mädchen ausgingen, welche bereits die be­sten Plätze inne hatten, und ich fühlte das Blut in meinen Adern erstarren. 3| mehr die Nacht vorrückte, desto ununterbrochener folgten sich das Schreien, Pfei­fen und der Gesang in starkem Ehor von Parodieen der Negerlieder, wo man „Susannah" mit „Mistreß Manning" ersetzte und dergleichen. Bei Anbruch des Tages strömten Diebe, Freudenmädchen der niedrigsten Klassen, Vagabunden und Gesindel aller Art auf den Platz, und das Benehmen dieser Leute zeigte in den mannigfaltigsten Formen alles, was nur anstößig und widerwärtig ist. Schlägereien, Ohnmachten , Pfeifen, Nachahmungen des „Punch", rohe Scherze, lärmende Aeußerungen einer unanständigen Freude, wenn ohn­mächtige Weiber mit in Unordnung gebrachter Klei­dung von der Polizei aus dem Gedränge gezogen wurden, gaben dem allgemeinen Feste eine neue Würze. Als die Sonne hell aufging, und das that sie an diesem Morgen, vergoldeten ihre Strahlen Taulende und aber Tausende von aufwärts gekehrten Gesichtern, die in ihrer brutalen Lustigkeit oder Stumpfheit so unaussprechlich scheußlich waren, daß man als Mensch Grund hatte, sich der Gestalt, die man trug, zu schä­men und schaudernd vor sich selbst zurückzufahren, als