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Unter Haltung« blatt

zur MMR HLffischen Zeitung.

JÉ M» Sonntag den 18. November. H8â.

Koncert.

Recht gern übernehme ich heute die Rolle eines Berichterstatters über das erste diesjährige, den 14. November Statt gehabte Abonnementskoncert, welches durch die gleiche Vortrefflichkeit des Ganzen und des Einzelnen, der Auswahl und der Ausführung die lästige Ausgabe erspart, zu tadeln uns Ausstellungen zu machen. Selten haben wir in Kassel ein Koncert gehabt, welches, wie dieses, befriedigt, von Anbeginn bis zum Schlüsse die Aufmerksamkeit und Theilnahme der Zuhörer in Spannung erhalten hätte. Spohr's 6-moll- Symphonie, die beste dieses Meisters, wurde mit Ernst und Würde durchgeführt, mit ungestörtem Interesse angehört und mit rauschendem Beifall be­dacht. Sie besitzt auch alle Vorzüge, welche ein grö­ßeres Publikum von einem solchen Tonwerk verlangen darf, nämlich Klarheit der Erposition, Konsequenz und Logik der Durchführung, Reichthum an Melodie, Fülle der Empfindung, Kraft des Gedankens, Abwechslung der inneren Form und großartig gesteigerte Lösung des Ganzen im Finale. Ohne mich hier auf die einzelnen Schönheiten und Situationen dieses Or­chesterwerkes einlassen zu können, versäume ich jedoch nicht, auf das einzig in seiner Art dastehende Unisono der Streichinstrumente im Adagiosatze hinzudeuten, welches ebenso erhaben in sich ist, gleichwie erhebend für jeden Zuhörer, welcher mehr zu hören vermag, als bloß Töne. Hr. Kömpel, ein soeben engagir- tes Mitglied des hiesigen Orchesters, aus frühern Koncerten noch gar wohl in guter Erinnerung, spielte hierauf Mendelssohns bekanntes Geigenkoncert, um mich in einem Wort auszusprechen, im Charakter und Geiste der Komposition. Wie sehr sich dieser ehemalige

Schüler von Spohr inmittelst weiter- und ausgebil­det hat, läßt sich gegen seine früheren Leistungen kaum vergleichen; für seine Jugend besitzt er schon fast zu viel Ruhe, welche im Künstlerberufe so leicht zu einem gemächlichen und gefährlichen Behagen ausartet und das austodernde Feuer der Kunst nach und nach er- lischen läßt. Sollen wir noch ausdrücklich hervorhe­ben, wie sehr sich die zarte Bogenführung, die richtige Mäßigung im Forte und im Presto, die glückliche Ver­meidung jeder Tonschärfe, sowie die reine Bildung und feine Haltung des Tones bei dem Spiel dieses jungen Künstlers bemerkbar machte, so haben wir wohl alles Wesentliche gesagt, was sich außer dem allgemeinen Lobe über die Auffassung der Komposition noch sagen ließ. Einen vollendeten Kunstgenuß ge­währte uns hieraus Fräulein L i e b h a r t durch den Vortrag der letzten Arie der Donna Anna aus Don Juan, vielleicht eine der schwierigsten Gesangstücke dieser Gattung, weil dazu eben so viel Kraft des ge­tragenen Gesangs, als Leichtigkeit und Feinheit der Koloratur erfordert wird, und wie schön, wie gediegen, wie zart, fünfte und seelenvoll hat Frl. Liebhart diese schwierige Aufgabe gelöst! Hierbei zeigte sich wieder für das feinere und unparteiische Ohr die treffliche Wiener Gesangschule, d. h. aber die italienische, wel­che doch die wahre ist und für welche allein Mozart geschrieben haben will. — Bei Erwähnung des Spohr'- schen Violin-Potpourri's über Jessondathenien, welches Hr. Kömpel vortrug, gilt dasselbe, was bereits oben über diesen Virtuosen gesagt worden ist und so kommen wir denn zu dem zweiten Tbeile des Kon­certes, worin Mendelssohns geniale Walpurgisnacht zur Aufführung gelangte. Bei Tonwerken dieser Art, welche der mimischen Poesie zu vergleichen sind, fragt es sich, ob sie den Charakter des Gegenstandes tragen