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Unter Haltungsblatt

zur Reuen HeMchen Zeitung.

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Kunstausstellung.

(Schluß.)

Den Uebergang von den historischen zu den Genre­bildern macht unseres Landsmannes Trost Sancho Pansa, wie er der Herzogin seine Abenteuer als Statthalter erzählt, ein Bild, welches man schon we­gen der bunten an's Grelle streifenden Zusammenstel­lung der brillanten Farben nicht wohl übersehen kann. Der Humor des Gegenstandes liegt natürlich in der treuherzigen Einfalt und Naivetät des ehrlichen Sancho Pansa und müßte durch ihre Darstellung vorzüglich auf den Beschauer wirken. Da sich nun Wesen und Charakter eines Menschen weniger in dem Rücken, als in dem Gesichte auszudrücken pflegt, so erwartete man den ehrlichen Knappen, der doch mit dem Munde und den Gesichtsmuskeln erzählt, auch von der Ge- sichtsseite zu sehen. Bei der vom Künstler beliebten Stellung Sancho's aber kann die humoristische Wir­kung nur mittelbar durch den Eindruck hervorgebracht werden, welchen der Erzähler auf die Zuhörerinnen macht, deren muntere Laune er erregt. Der Maler, von dessen persönlichem Humor man sich eine pikante Auffassung des naiven Helden versprechen konnte, hat sich durch diese Beschränkung ein sehr wirksames Mo­tiv entgehn lassen. Statt Sancho's sind die Herzogin und ihre Hoffräuleins die Hauptpersonen geworden und die haben meinem Gefühl nach ohne den schö­nen Reichsstädterinnen damit zu nahe treten zu wol­len einen Anstrich von frankfurter Modedamen. Uebrigcns ist die Haltung des Sancho und der Aus­druck des Gesichts, so viel, oder vielmehr so wenig man davon auch sieht, vortrefflich. Die Stoffe sind mit Sorgfalt und Geschick behandelt; störend wirkt

â. November. 1M$K

nur die Dame im grünenKleid vor dem grünen Laube und der rothe Aermel vorn, der aus dem Bilde her­auszufallen droht; der Lichteffekt im Vordergründe ist warm und sonnig, und die Nüancirung von Licht und Schatten durch getreue Beobachtung der Lokaltönc recht natürlich und wahr. Dem Halbdunkel im ar­chitektonischen Mittelgrund fehlt es an Durchsichtigkeit, obwohl der Künstler durch Lasiren der Trockenheit des Tones abzuhelfen gesucht hat. Daß die Luft im Gar­ten etwas flau und nebelig ist und das Licht, gegen die Beleuchtung des Vordergrunds gehalten, mehr von dem zauberischen Duft des Mondscheins hat, als sich mit der natürlichen Tageshelle verträgt, daran ist wohl der Springbrunnen Schuld, der die Sonnen­strahlen in einem schimmernden Zitterscheine bricht.

Als ein großer Vorzug eines Genrebildes ist mir immer erschienen, wenn es, wie der bekannte Heiraths- antrag auf Helgoland, gleichsam eine gemalte Novelle ist, d. h. wenn es einen Moment darstellt, der aus einer Verkettung von Ursachen und Folgen, von Hand­lungen und Ereignissen aus dem Leben so herausgehoben ist, daß der Beschauer die Vorgänge oder die Schluß­wendung aus dem Bilde mit Hülfe der angeregten Phantasie sich entnehmen und ausmalen und so eine kleine Geschichte zusammensetzen kann. Zu den selt­nen Bildern der Art, denn die meisten Genrebilder stellen eine vereinzelte in dramatischer Beziehung he deutungslose Scene aus dem Volks- oder Privatleben dar gehörtder Liebe Leid" von Wel ler. Das Mädchen, welches vor Verlegenheit und Scham mit abgewandtem Antlitz auf einem Schemel zusam- mengekauert da sitzt, der junge Bursch in ihrem Rücken, der auf das eifrige Zureden der Mutter mit bedenk­licher Miene sich im Haar kraut, der Jesuitenpater mit dem verstohlenen schlauen Lächeln, der seitwärts