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mentlich in Bezug auf Kolorit und Wirkung von Licht und Schatten, auf ein tüchtiges Studium der alten Meister und den Einfluß der Schule von Delaroche und Fleury hin: Gräfle's Hermann zeigt von fleißigem Aktzeichnen in pariser Ateliers. Die Köpfe auf dem „Huß" sind naturwüchsig und durchgehends sehr ausdrucksvoll und lebendig, ja im Streben nach strenger und lebensvoller Charakteristik ist der Künstler zum Theil in's Ertrem gerathen und hat die Grenzlinie, jenseits deren die Karrikatur liegt, nicht immer eingehalten. So erinnert der alte Prälat mit dem unheimlichen lauernden Blicke, welcher im Vordergrund links eine gebeugte Stellung cin- nimmt, der wüthende Bettelmönch, welcher den Ge- leitsbrief zerreißt, und der widerlich grinsende Kardinal in der Hauptgruppe zur Rechten des Vorsitzenden an die Unnatur und Uebertreibung der Gestalten in Eugen Sues ewigem Juden. Bei aller Mannigfaltigkeit der Figuren und Gruppen hat das Bild ein Zusammenwirken in der Komposition, welches die künstlerische Ruhe nicht in dem wilden Ungestüm der auftretenden Leidenschaften untergehen läßt. Die Anordnung des Bildes, das sich doch sehr in die Breite ausdehnt, ist vortrefflich : alles strebt ganz natürlich der mittlern Hauptgruppe zu und selbst die entfernteren oder scheinbar versteckten Figuren stehen in ungesuchter Beziehung zu diesem Mittelpunkt. In den Gestalten herrscht eine großartige Fülle von energischer Bewegung und geistvollem Leben mit Ausnahme des Ritters mit dem Reichsschwert zur Rechten des Kaisers, der wie eine angemalte Statue aussieht. Der Kaiser im Mittelgrund links ist sehr gut, seine Haltung imponirt durch äußere Würde und die ruhig beobachtende Passivität paßt zu der für einen Schirmherr der Kirche freilich unehrenvollen Rolle, die Sigismund in dem Drama gespielt hat. Eine im- ponirende Erscheinung ist der jüngere Kardinal, rechts neben dem tückischen Erzbischof im Vordergrund. Sein überlegenes Wesen, mit dem er in ruhigem Stolze
auf das wilde Treiben herabsieht, spricht sich im Ausdruck des Gesichts und in der Haltung des Körpers unübertrefflich aus. Auf der anderen Seite ist in der schönen Gruppe der beiden in Zorn und Schmerz forteilenden Czechen die drohende Blutrache und die wilde Wuth der von Haß, Erbitterung und Glaubensfanatismus glühenden Hussiten, welche über das Reich und die Kirche unaussprechliches Elend brachten, sinnvoll angedeutet. Am wenigsten befriedigt leider die Hauptfigur. Die orientalischen Gesichtszüge des Huß mögen Portrait sein, wie denn überhaupt das Bild sehr treu an die geschichtlich überlieferten Vorgänge sich anschließt — selbst die mit Teufeln bemalte papierne Mütze, welche dem Huß aufgesetzt wurde, fehlt nicht unter dem Jnquisitionsinventar. Aber Martersteig's Huß ist nicht der kühne muthvolle Reformator, wie er in der Vorstellung unseres Zeitalters lebt, er ist nicht jener großartige historische Charakter, nicht der strenge Sittenprediger, der seine religiöse und sittliche Ueberzeugung mit der ausdauernden Zähigkeit und Energie des czechischcn Stammes verficht und mit der Kraft und Standhaftigkeit des Märtyrers besiegelt, sondern ein armer Sünder, der ein armseliges, wehmüthiges, klägliches Aussehen zeigt, oder etwa einer jener schwermüthigen krankhaft überspannten Märtyrer der katholischen Legenden, welche in ihrer Todesstunde den himmlischen Heerschaaren lauschen. Die Arme sind mit den Ellenbogen zu eng aneinander gebracht, wie bei den Puppen im Marionettenspiel; auch wird die körperliche Größe Hussens durch die hohe Kriegergestalt hinter dem Vorsitzenden herabgedrückt, welche offenbar zu weit nach vorn in die Hauptgruppe hineinragt. Ein warmes Kolorit und kräftige Tinten zeichnen das Bild aus; die Zeichnung ist streng und gediegen; nur fehlt dem einen zurückgebogenen Geistlichen im Vordergrund rechts der Hinterkopf.
(Fortsetzung folgt.)
Verantwortlicher Herausgeber: Fr. Oetker. — Druck von Fr. Scheel in Kassel.