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Dienste widmet, gebildet, so daß wirklich, wenn cs so damit fortgeht, unsere Bürgerwehr nicht hinter den europäischen Zurückbleiben wird. Was uns hier nur fehlt, sind gute und schöne Wohnungen, die hoffentlich ehestens, zu welchem Preise es auch sein möge, ent­stehen werden. Es unterliegt keinem Zweifel, daß die mächtigsten Häuser der Erde sich hier bald durch Agenten vertreten lassen müssen, denn das steht jetzt schon fest, daß San Francisco der wichtigste Handels- Hafenplatz der Welt werden wird. Hier wird der Waaren-Austausch der Amerikaner mit den Chinesen, die bereits schon sehr gut hier vertreten sind, vollzo­gen ; letztere Nation hat schon sehr große Ladungen gut realisirt und findet dadurch Gelegenheit, ihre Produkte abzusetzen und diejenigen Waaren an sich ^u bringen, die Europa und Amerika in großen Mas­sen und zu viel hierher senden. Besonders guten Absatz versprechen Artikel zur innern Einrichtung der Häuser, namentlich Meubeln, wovon gar keine so­liden Gegenstände vorhanden sind, jedoch gehören zur ersten Nothwendigkeit noch fortwährend die Materia­lien, woraus die Wohnungen hergestellt werden müs­sen, und erst sobald dieses Bedürfniß befriedigt ist, wird zunächst die Hauptfrage nach Mobilien sein. Auch werden Lebensmittel, wenn solche gut konservirt hier ankommen und einige Zeit auf Lager gebracht werden, stets günstige Resultate erzielen. Die jetzt geringen Preise für solche Artikel erzeugen eine größere Konsumtion und ebenso später bedeutende Abnahme der Jmportation, weßhalb wir Ihre Aufmerksamkeit auf Ihren Geschäftskreis (Deutschland und die Schweiz) nicht genug hierauf lenken können. Die Bewohner der Westküste haben uns alle möglichen und so viel Waa­ren und Lebensmittel, worüber sie nur disponiren konnten, gesandt, und diese Sendungen treffen noch fortwährend mit denen des östlichen Amerika's zusam­men, wodurch sich die Aufhäufung wohl erklären läßt. Dieß könnte indessen leicht eine Hemmung der euro- päijchen Expeditionen zur Folge haben, was uns dann später nach Ausräumung des jetzigen Ueberflus- ses in das größte Unglück stürzen könnte; denn bei unserem Goldreichthume wird Ackerbau nicht betrieben,

obgleich unser Land dazu ergiebig, außerordentlich fruchtbar und gesund ist und dem besten europäischen Boden nicht Nachsicht.

Dembinski als /eidherr.

Dem Berichte eines Deutschen zufolge, der als Officier in dem ungarischen Pionierkorps diente und als Ausländer von dem k. k. Kriegsgerichte straffrei aus Arad entlassen wurde, trägt Dembinski trotz sei­nes gerühmten Feldherrntalents einen großen Theil Schuld an denn beispiellos raschen Zusammenbrechen der magyarischen Heeresmacht. Dembinski soll ein vorzüglicher strategischer Kopf, aber stärker in der Theorie, als in der Ausführung sein. Meister in strategischen Kombinationen, versteht er wohl einen ganz vorzüglichen Operationsplan vor dem Beginne der Kampagne zu entwerfen, läßt aber bereits in der Gediegenheit des Entwurfes merklich nach, wenn es einen Schlachtplan auszuklugeln gilt. Die Ordre de Bataille ist schon nicht mehr seine Force. Den Plan in Vollzug zu setzen, taktisch auszuführen, was strate­gisch berechnet worden, gehört bereits zu seinen Schwä­chen als Feldherr. Zudem versteht er es durchaus nicht, die Liebe und Anhänglichkeit seiner Truppen zu erwerben. Der Soldat ist ihm eine Maschine, eine leblose Schachfigur, statt von Holz oder Elfenbein, von Fleisch und Blut. Das dünkt ihm der ganze Unterschied zwischen beiden. Leider aber kann man wohl einen Pion, Läufer, Springer oder Thurm ru­hig und herzlos in die Schachtel legen, wenn man ein interessantes Schachräthsel aufgelöst hat. Morgen, wie jeden Moment, sind diese Schachofficiere und Ge­meinen wieder diensttauglich, kommen nie hors de combat. Anders verhält es sich im wirklichen Krieg. Da gilt dasLudimus effigiem belli nichts mehr. Der Infanterist braucht nach der Schlacht Brod und Fleisch, der Uhlan außerdem Hafer und Streu für sein treues Thier, der ruhelose Jäger benöthigt häu­fige Beschuhung und das Lederzeug der Artilleriebe-