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Anterhaltungsblatt

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M^Y. Sonntag den l^ Oktober. ß^â

Pas elcktro-magnetische Telegraphenwesen in Preußen.

Schon früh hatte das wichtige und interessante Kommunikationsnüttel der elektro-magnetischen Tele­graphen die Aufmerksamkeit der preußischen Staats- Verwaltung auf sich gezogen. Als die Erfindungen auf diesem Felde mehr zur praktischen Ausführung her­anreiften, wurden von Staats Wegen ausführliche Ver­suche angeordnet, um zweckmäßige Vorschläge für die Einrichtung von Staats-Telegraphen vorzubereiten. Es ward dazu hier in Berlin eine besondere Kommis­sion niedergesetzt und derselben verhältnißmäßig be­deutende Geldbeträge aus der Staatskasse zur Dis­position gestellt.

Unter Leitung dieser Kommission ward als erster Versuch eine Telegraphen-Verbindung zwischen Berlin und Potsdam mit einer durch die Luft geführten Draht­leitung bereits vor drei Jahren hergestellt, welchem Beispiele folgend mehrere Eisenbahn-Gesellschaften, unter ihnen namentlich und zuerst die Thüringische, die großen Vortheile der elektro-magnetischen Telegra­phen für den Eisenbahndienst erkennend, für ihre be­sonderen Zwecke Telegraphen mit durch die Luft ge­führten Drahtleitungen anlegten. Demnächst richtete die niedergesetzte Kommission ihre Bestrebungen vor­nehmlich dahin, durch unterirdische Drahtleitungen die Uebelstände zu beseitigen, welche sowohl in Bezug auf leichte zufällige oder absichtliche Zerstörung, wie auf mangelhafte Jsolirung und nachtheilige Einwir­kung der atmosphärischen Elektricität mit den Draht­leitungen durch die Luft noch verbunden waren.

In der Gutta-Percha wurde nach vielfachen Ver­suchen hier in Berlin zuerst endlich eine Substanz ge­

funden, welche, zur Umhüllung der Kupferdrähte an­gewendet, den Anforderungen zu entsprechen im Stande war, welche behufs Anlegung einer unterirdischen Lei­tung in Bezug auf Jsolirung und auf Haltbarkeit gestellt werden mußten. Gleichzeitig wurden im Wege öffentlich ausgeschriebener Konkurrenz verschiedene Kon^ struktionen von Telegraphen-Apparaten zur Verglei­chung gebracht, um für die Staats-Telegraphen die zweckmäßigste Wahl zu treffen. Demnächst wurden mit den betreffenden Staatsregierungen wegen Durch­führung der Telegraphenlinie durch die verschiedenen Gebiete und eben so mit den betheiligten Eisenbahn­gesellschaften wegen der Benutzung der Eisenbahnen die erforderlichen Verträge abgeschlossen, wobei eben­sowohl die zuvorkommende Bereitwilligkeit der betref­fenden Regierungen, als auch die große Willfährig­keit der betreffenden Eisenbahngesellschaften besondere Anerkennung verdient. Nach diesen Vorbereitungen wurde im Jahre 1848 zur wirklichen Ausführung der Telegraphen geschritten und bereits im Februar d. J. konnte die erste Linie zwischen Berlin und Frankfurt a. M. vollständig in Gebrauch genommen werden. Diese etwa 90 Meilen lange Linie mit Stationen zu Berlin, Jüterbogk, Cöthen, Halle, Erfurt, Eisenach, Kassel, Gießen und Frankfurt bot einerseits wegen der großen Zahl verschiedener Staaten, deren Gebiet dabei berührt wird, andererseits auch deßwegen be­sondere Schwierigkeiten dar, weil die Eisenbahnen, in deren Bahndamm die unterirdischen Leitungen vor­zugsweise bequem und sicher gelegt werden können, zwischen Eisenach und Frankfurt noch größtenteils nicht vollendet ist, und daher auf diesen Strecken die Drahtleitung vorläufig durch die Luft geführt werden mußte.

Eine zweite Linie von Berlin nach Aachen mit