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gab leren aus langgenährtem Ueberdruß an aller Schriftstellern das neu gewonnene Feld nur zu gern und oft dem Auswurf unseres Federheldcnthums, dem Bunde jüdischer und junghegel'scher Schamlosigkeit, Preis gaben, denen cs nur zu bald gelang, dieß alte Feld deutschen Ruhmes in eine politische und sociale Pfütze zu verwandeln, die überallhin ihre giftige Pestluft verbreitete. Die geistige Nahrung des Volks, namentlich von Baden in Stadt und Land, bestand seit langer Zeit fast nur in Tagblättern von solch unsau- berm Geist, ganz geeignet , durch niedern Preis und volksverständliche Sprache sich Eingang zu verschaffen bei Bürger und Bauer, und bei beiden die Verrückung aller Begriffe von Recht und die sittliche Rohheit zu vollenden. Vor allen verderblich möchte, zumal im badischen Unterland, der „Dolksführer" gewirkt haben, der mit Hülfe der Staudesgenossen seines Herausgebers, des Schulmeisters Stay, sehr schnell auf mehr als 1700 Besteller gekommen war. Daß vornehmer gehaltene, nur auf gebildete Leser berechnete, von Fremdwörtern strotzende Blätter, wie die sonst viel hier gelesene „Deutsche Zeitung", gegen diesen Strom nicht ankämpfen konnten, verstand sich von selbst. Nur die gesunde Kost eines ächten Volksblatts, wie es bisher nicht einmal unternommen ward, könnte das rechte Gegengift abgeben für dieses so lange tropfenweise eingeflößte Gift. Die eigenen bittern Erfahrungen, die während des Aufstandes alles Volk zu machen Gelegenheit hatte, würden einen reichen Stoff darbieten zum Anknüpfen für den politischen Theil eines solchen Blattes, das dringendes Bedürfniß ist. Aber freilich, soll nicht hier und allenthalben jeder Versuch der Erziehung des Volks zu ächt konstitutioneller Gesinnung zum Voraus zum Scheitern verur- theilt sein, so muß bald — sehr bald — Licht und Ordnung in das Chaos der deutschen öffentlichen Zustände kommen, damit nicht alle Bessern zuletzt völlig verzweifeln an einer ehrenhaften Zukunft unseres Volkes auf dem Wege friedlicher Entwickelung.
Kunstausstellung.
Wer dieses Blatt mit der Erwartung in die Hand nimmt, einen Anhaltepunkt zu bekommen, wonach er sich beim Besuch der Kunstausstellung oder in einer Theegesellschaft mit Zuversicht richten könnte, Falls er in die Verlegenheit geriethe, als Mann von Bildung über den Werth oder Unwerth eines Bildes ein kunstgerechtes Urtheil abgeben zu müssen, der wird sich getäuscht finden. Ich erkenne allerdings das Bedürfniß als vollständig gerechtfertigt an; ich weiß wohl, daß das Memoriren der ganzen kunstkritischcn Phraseologie aus der reichsministeriellen Anleitung zur Kunstkcn- nerschaft selbst bei dem glücklichsten Gedächtniß nicht hinreicht, um auf der Ausstellung vor den einzelnen Bildern jedesmal gleich das einschlagende Kunsturtheil mit Sicherheit zu treffen, so wenig als für die praktische Ausbildung des angehenden Arztes die Lektüre von Schönlein's klinischen Vorträgen genügt, um am Krankenbett ein sicheres llrtheil über den speciell vorliegenden Krankheitsfall zu fällen. So eine Kunstausstellung ist eigentlich auch eine Art ästhetischer Klinik, worin das Publikum als Auditorium erscheint, die Bilder die Patienten abgebcn und die bekannten Kunstkenner des Orts die klinischen Lehrer spielen. Die Zuhörer gruppiren oder drängen sich — je nach dem Rufe, den der Kenner genießt — um ihn herum, wie er die Gebrechen, woran der arme Patient leidet, mit kunstgerechter Methode und mit dem gesammten Apparate technischer Ausdrücke bis ins kleinste Detail aufdeckt, zergliedert, kritisirt und wie er dann, nachdem er die wunden Stellen mit schonungsloser Sonde bloßgelegt hat, mit gewichtiger Miene den Heilplan entwirft und zeigt, wie der Patient hätte behandelt werden müssen und wie er aussehen würde, wenn man ihn, den Arzt, zu rechter Zeit gerufen hätte. Leider sehe ich mich aber nicht im Stande, besagtem Bedürfnisse, das ich aufs tiefste fühle, auf schriftlichem Wege abzuhelfen; auch halte ich die Bilder im Verhältniß zum Publikum meist noch zu hoch, um an ihnen einen Kursus der ästhetischen Klinik abzuhalten. Wenn aber Einer oder der Andere noch an der Kunst selbst sich