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ungezwungener Natürlichkeit. Nur machte sich Herr Hafer, wohl durch sein phlegmatisches Rollenfach daran gewöhnt, etwas zu behäbig und zu alt. Ein Mann, welcher von der Volkssouveränetät erfüllt ist und dabei in unangenehme Konflikte kommt, muß mehr innerlich alterirt erscheinen. Auch ist er kein alter Forstlaufer; es steht zwar in dem Wühlerbuche, er sei seit 33 Jahren geknechtet ; inzwischen dient er erst seit 17 Jahren. Auch schnappt ein alter Forst- läufer so leicht nicht über.

Aus den Gedichten von Moritz Graf Strachwitz *).

Der Himmel ist blau.

Der Himmel ist blau! Der grüne Pokal Mit rinnendem Golde befeuchtet!

Wer trinkt nicht gern, wenn der Sonnenstrahl In Rheinweinperlen leuchtet! Zerschmettre den Römer an der Wand, Mit Thränen die Lippe wasche, Und trau're um Dein Vaterland

In Asche, in Asche!

Der Himmel ist blau! Wir sind noch jung, Viel Lieder verborgen fluthen;

Wer läßt nicht gern die Begeisterung

Zn klingender Woge bluten!

Laß weinen die Harfe unter der Hand Ein Grablied, thörichter Knabe, Sic schleppen indeß Dein Vaterland Zu Grabe, zu Grabe.

Der Himmel ist blau! Holdselige Frau, Gepriesen sei Dein Name!

Wer küßt nicht gern den Wonnethau

Vom Auge seiner Dame!

Aus dem Herzen schneide den süßen Tand, Der Minne wende den Rücken;

Sie reißen indeß Dein Vaterland Zu Stücken, zu Stücken!

*) Vor dem Jahre 1848 gedichtet.

Der Himmel ist blau! Die Jagd ist laut,

Ha fürstliche Freude der Männer!

Wer reitet nicht gerne durch's Haidekraut Den lang sich streckenden Renner! Laß fallen die Zügel aus der Hand, Von der Ferse schlage die Sporen, Es geht indessen Dein Vaterland Verloren, verloren!

Der Himmel ist blau! Er fällt nicht ein

Vom Sturme irdischer Schmerzen;

Es hungert das Volk und die Bösen schrei'n

Den Aufruhr ihm in die Herzen! Da ist kein Glaubens-, kein Liebesband, Sie rcißen's mit frechen Händen;

Wie soll, o Herr, mit dem Vaterland Das enden, daè enden.

Ein Wort für die Kunst.

Die Zeit ist thatendurstig, thatenschwanger,

Die Freiheitsmütze prahlt auf kühnen Stirnen, Das Diadem, der Purpur hängt am Pranger.

Durch's Reich der Dichtung geht ein tobend Zürnen, Der Aufruhr fluthet um die höchsten Spitzen Rothglühend aus vulkanischen Gehirnen.

Aus tausend Federn läßt er Flammen spritzen, Aus tausend Zungen ruft er zu den Waffen, Aus tausend Mänteln läßt er Dolche blitzen.

Die Dichtkunst wird zur Fcchtkunst umgcschaffen, Sie muß dem Arme der Vernichtung dienen, Muß Speere schütteln, oder Bogen straffen.

Sie hau'n mit ihr nach Thron und Hermelinen, Sie werfen sie als Pcchkranz auf die Zinnen, Sie dienen nicht der Kunst, die Kunst dient ihnen.

Wann wird der zorn'ge Strom das Meer gewinnen, Wann löscht die Gluth, wann grünt cs in den Thalen, Wann wird man wieder süße Lieder sinnen?

Es trägt die Kunst ihr eisern Loos mit Qualen, Laß, Herr, die Göttliche in ihrer Hoheit Nicht untergeh'n, ein Opfer der Vandalen, In dieses Meinungsstreits ergrimmter Rohheit.

Verantwortlicher Herausgeber: Fr. Oetker. Druck von Fr. Scheel in Kassel.