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zur MAM Hessischem Zeitumg,
Jtë 39* Sonntag den ^MK September. 1S49*
Streiflichter auf den badischen Aufstand und seine (Quellen.
(Fortsetzung.)
Ueber die Mißgriffe und Versäumnisse der Regierung in Hinsicht des Hochschulwesens wäre es Ueber# fluß zu wiederholen, was ihr schon so oft und noch neuerlich, wenn auch von einem einseitigen Parteistandpunkt aus, doch im ganzen mit allem Recht vor- geworfen worden ist. Wir begnügen uns, nur zwei oder drei Thatsachen anzuführen. An einem hinreichend bekannten Lehrer der Hochschule zu Heidelberg wurde ein Benehmen in Schrift und Wort, auf dem Lehrstuhl wie im Wirthshaus, das wohl nie seines Gleichen gehabt hat und ihn auf jeder nichtbadischen Lehranstalt längst unmöglich gemacht hätte, seit langen Jahren durch das ruhige Zusehen der Studienbehörden förmlich gutgeheißen, in einer Weise, die seinen Mitlehrern wahrhaft Hohn sprach. Wo bleibt da auch nur der Schein, als ob man Sittlichkeit und Anstand nicht geradezu für nichts achte! Der freche Jude, der zur Zeit des Studentenauszugs im Sommer 1848, in Reden, die öffentlich vor Tausenden gehalten wurden, das Ministerium schimpfte und verhöhnte, durfte ungehindert hier weiter studiren. Kurz, daß der Geist der akademischen Jugend noch immer ein so guter ist, wie erst ihr besonnenes Verhalten während des Aufstandes von neuem gezeigt hat, ist wahrlich nicht das Verdienst der Behörden, deren ungeschicktes Benehmen allein auch jenen Auszug förmlich erzwungen hatte, so widrig derselbe auch mehr als neun Zehnttheilen der Studirenden dadurch war, daß er den Schein einer Sympathie mit dem demokratischen Verein auf sie lud. Noch dürfen wir nicht
unerwähnt lassen, daß innerhalb und außerhalb der Hochschule die junghegel'sche Weisheit üppig wucherte, und daß, damit durch Einimpfung des Atheismus die letzte Feile an die Bildung auch der Bürgerschaft gelegt werden könne, der Gemeinderath es angemessen fand, für eine Reihe Feuerbach'scher Vorträge den Rathhaussaal einzuräumen. In Folge dessen konnte man denn von Cynikern und rothen Republikanern mit und ohne Glacehandschuhe offen hohnlachen hören über Jene, die sich noch durchEide gebunden glaubten und nicht zu ihren Zwecken alle Mittel heilig hielten. Die Schlöffel jun., Heramer und Genossen wußten schon als Studenten bei jeder öffentlichen Gelegenheit nicht laut genug zu erklären, wie weit sie über solche Vorurtheile hinaus seien. Eine mehr als unverschämte Rede des letztern am Grabe eines Mitstudenten, worin er seinen und des Verstorbenen Unglaubensmuth prieß, zog ihm, unsers Wissens, trotz der Stadtkun- digkeit des Vorgangs, auch nicht eine Rüge zu; anderwärts hätte er mindestens eine Tracht Schläge von den Umstehenden geerntet. Dieß alles aber läßt man hier der Lehr- und Redefreiheit zu Liebe hingehen! *) Hiernach darf freilich niemand erstaunen, wenn sogar in einer Heidelberg ganz nahen Dorfgemeinde seit geraumer Zeit fast niemand mehr in die Kirche geht, weil die Bewohner entweder selbst über alle Religion längst hinaus sind oder doch nicht laut von frechen Gesellen verspottet sein wollen. Es ist Thatsache, daß in der Heidelberger Volksschule, als der Lehrer von den Tröstungen des Christenthums und einem bessern Jenseits sprach, zwei Knaben lachend aufsprangen und
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*) Ist doch in Verfechtung dieser Freiheit ein hochgestellter badischer Schriftsteller — bezeichnend genug — so weit gegangen, in den gemeinsten Schiinpfwortcn eine Ehrenkränkung nur dann sehen zu wollen, wenn sie zugleich den sittlichen Ruf antasten.