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Mr Nennt Hessischem Zeitung»

M^. Sonntag den LES September. SS^fK

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Slreiüichler auf den badischen Aufstand und feine Quellen.

(FortseMig.)

Trotz einer llnzahl von einheimischen und fremden Tagedieben, Taugenichtsen und Habenichtsen, die hier wie überall in den vordersten Reihen standen, wo es nur auf große Worte und Einschüchterungen ankam, und die gewiß für ihr Leben gern ein Bischen „ge­theilt" hätten, wenn es mit guter Manier sich hätte thun lassen, und trotz aller rothen Federn und Bän­der auf den Hüten, wäre doch nimmermehr, auch nach Brentano's Sturz nicht, zu denken gewesen an einen offenen Versuch, die rothe Republik einzuführen, so viel auch die Zeitungen davon als Ziel des ganzen Aufstandes geredet haben. Die tief gewurzelte Ge­wohnheit, das Mein und Dein zu achten, würde dieß unmöglich gemacht haben, und nur etwa mittelbar, unter dem Vorwand „reaktionäre Geldsäcke" zu Bei­trägen für die Sache der Freiheit zu zwingen oder sie zu bestrafen, würden vereinzelte Plünderungen in Blenker'scher Art sich haben wagen lassen. Auch ist nur eine Stimme über das, ungeachtet der ausge­standenen großen Mühseligkeiten und Entbehrungen, fast durchgängig anständige und bescheidene Benehmen der badischen Truppen, der Aufgebote (das der Stadt Heidelberg ausgenommen) und großen Theils sogar der eigentlichen Freischaaren *). Von letzteren traten

*) Zur Steuer der Wahrheit muß gesagt werden, daß die Preußen, namentlich die Landwehr, die Freude der Erlösung durch sie uns sehr vergällten, wenigstens am Tage ihres Einmarsches, durch ein häufig äußerst anspruchsvolles Betragen, was sehr pein­lich abstach, sowie durch einzelne Rohheiten, vorzüglich gegen Ge­fangene. Zur Entschuldigung kann man vielleicht sagen, daß sie

nur die sogenannten Schweizer zum Theil roh und brutal auf; sie waren, wenigstens am Tage vor dem Einmarsch der Preußen in Heidelberg, fast sämmtlich betrunken und wollten ihren Führern nicht mehr ge­horchen ; ja gegen den alten Böning stießen einzelne schon in Heidelberg Drohworte von „Latourisiren" re. aus. Die Aufgebote wollten ebenfalls bisweilen nicht oder nicht mehr marschiren, namentlich wenn sic vier­zehn Tage lang und länger nicht aus den Kleidern gekommen waren und kaum einmal etwas Warmes ge­nossen hatten. Bei den Truppen ist Ungehorsam — abgesehen von Rastatt, wo die Auflösung aller Zucht und Ordnung sich vollendete — jedenfalls weit seltner vorgekommen, am häufigsten nach einem verlorenen Treffen, wo sie dann die Führer mit fortrissen. So nach dem ersten Zusammenstoß mit den Hessen an der Bergstraße, wo Sigel den Rückzug nicht hatte befehlen wollen; ebenso auch wahrscheinlich nach dem Treffen bei Waghäusel, wo instinktmäßig alle wieder nach Heidelberg zurückgeeilt zu sein schienen, wo sie herge­kommen waren, da es sich kaum denken läßt, daß Mieroslawski diesen handgreiflichen Fehler gemacht haben sollte, der um ein Haar das Abschneiden seines ganzen Heeres durch Peucker nach sich gezogen hätte.

In der That, allen Glauben übersteigt die Frech­heit der Lüge, die in den beständig ausgesprengten Gerüchten, den Kriegsberichten und Maueranschlägen ein Haupttriebrad des Aufstandes war. Denselben Anführer, den wir so eben einen ziemlich kleinlauten Bericht über ein vorgefallenes Gefecht hatten abstatten hören, sahen wir gleich nachher an der Spitze seiner

sich halb und halb in Feindesland zu befinden glaubten. Jeden Falls besserte sich dieß sehr bald durch den Einfluß der durchweg sehr artigen Officiere.