Unter Haltungsblatt
zur Reuen Hessischen Zeitung»
J£ 36» Sonntag den 6» September. 1849»
Streiflichter auf den badischen Aufstand und feine Cluellen.
(AuS der Augsb. Allg. Zeitung.) .
Zur vollen Beleuchtung der jüngsten Vorgänge in Baden und ihrer Ursachen fehlt ohne Frage noch so sehr viel, daß ein Paar Streiflichter in das Helldunkel von einem Augen- und Ohrenzeugen vielleicht nicht unwillkommen sein werden — bis dahin wenigstens , daß etwas Geilügenderes und Eingehenderes darüber gesagt sein wird, als das bis heute zu Tage Geförderte. Daß zur Zeit nur wenige einigermaßen bedeutende Beiträge zur Aufhellung der Geschichte des Putsches erschienen sind, daran mag theils der Ekel an dessen ganzem Verlaufe, theils Unmuth und Ungewißheit über die tröst- und rathlosen Zustände der engeren Heimath und des Gesammtvaterlandes die Hauptschuld tragen. Dennoch bleibt es eine Schuld! Denn klare Erkenntniß des Uebels in seinen Gründen bleibt die erste Voraussetzung seiner Heilung; und wer dazu beitragen zu können glaubt, hat, scheint uns, die Verpflichtung zu reden, so peinlich es ihm auch sein mag. Am freigebigsten mit Dinte und Rath sind bis jetzt, wie man auf den ersten Blick erkennt, Diejenigen gewesen, die beim Ausbruche des Aufstandes nichts Eiligeres zu thun hatten, als ihr werthes Ich in Sicherheit zu bringen, nun aber, nachdem sie im Gefolge der Preußen — zu ihrer Ehre sei es gesagt — nicht immer ohne Spuren einiger Scham wieder eingezogen sind, vom hohen Pferde herab mit dem Tone echten Emigrantendünkels in die Posaune stoßen, und die unendlich wohlfeile Art, in der sie ihren Heldenmuth und ihre Pflichttreue bewiesen haben, nicht .gespreizt genug als die das Vaterland rettende That
ausschreien, hingegen über Alle, die mit Gefahr für Leib und Leben auf ihrem Posten geblieben sind und unsägliches Unglück im Kleinen und Großen verhütet haben, nicht streng genug richten können! Dieß ist allerdings eine traurige Erscheinung. Wir unsrerseits sind darum aber keineswegs gemeint, Alle, die gegangen sind, sei es aus höheren Gründen, sei es wegen wirklich dringender Gefahr für sie selbst, ohne Unterschied zu verdammen, oder umgekehrt, alle im Lande und auf ihrem Poften Gebliebenen, auch wenn sie noch so unpassend und zweideutig sich benommen haben sollten, zu loben. Billigkeit auf beiden Seiten scheint hier sehr am Platze zu sein.
Nach Allem, was wir sowohl vor dem Aufstande, als während desselben beobachtet haben, scheint es uns ausgemacht, worauf auch schon Andere hingedeutet haben, daß derselbe nur glücken konnte wegen eines Umstandes, den man doch ja nicht vertuschen, sondern so offen wie möglich aufvecken sollte, wegen der verhältnißmäßig sehr geringen Bildung und folgeweise des ganz schlechten Verhältnisses der großen Mehrzahl der badischen Officicre, besonders der niederen Grade, zu ihren Untergebenen. Dieß ist nicht bloß unsere Ueberzeugung, sondern die Ueberzeugung sehr Vieler, denen wie uns Gelegenheit geworden ist, Bildung und Benehmen dieses Officierkorps im Ganzen (und nur darauf kommt es an, nicht auf die rühmlichen Ausnahmen, die auch hier natürlich nicht fehlen) mit dem der Officierkorps vieler anderen deutschen oder der französischen Truppen zu vergleichen. Bereits vor einigen Monaten hat die Deutsche Zeitung des Näheren gezeigt, daß die Karlsruher Meuterei unfehlbar hätte scheitern müssen, wenn der dortigen Bürgerwehr, die das Zeughaus so wacker vertheidigt und behauptet hatte, auch nur die geringste Unter-