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bildet der 100 Fuß hohe Oranje- (Dramen) Saal, we­niger durch seinen Thron, als durch seine allegorisch­historischen, riesigen Wandbilder, welche sämmtlich durch die Meisterhände Rubens und seiner vorzüglich­sten Schüler, namentlich van Dycks und Jordaens, ausgeführt worden sind, bemerkenswerth. Außerhalb des Haager Busches liegen eine Menge der schönsten Landhäuser, eins der reizendsten führt den Namen Carolinenberg. Ein dankbarer Gatte, dem eine ärm­liche Aussteuer von nur zwölf Tonnen, eine Tonne bedeutet im Holländischen nämlich eine Million, von seiner Gattin beigebracht ist, hat es für dieselbe aus­bauen lassen, und es in einem Anfluge von gerechter Rührung wegen der mitgebrachten Kleinigkeit nach dem Namen der Frau Karolinenberg genannt. Von sol­chen haarigen Geldern, äußerte ein in unserer Nähe stehender deutscher Student, lassen sich gut Landhäu­ser bauen. Uns wollte es bedünken, als ob der junge Schwarz- Roth -Goldne darin nicht so ganz und gar Unrecht hätte. Der Wilhelmspark ist eine, in der Nähe des Busches gelegene, weitläufige, von dem jetzigen Könige im englischen Geschmack angelegte Gar­tenanlage, deren großartige Schloß-Gebäude theilweise noch unvollendet sind. Die Gartenanlagen, gleichfalls noch im Entstehen und Werden begriffen, sehen gegen die herrlichen Laubgänge und dichten Bosquets des Haager Busches aber noch gar kahl und dürftig aus. Doch Geduld, Zeit bringt Rosen!

Die Schlösser des unlängst verstorbenen Königs Wilhelms II. und des jetzt regierenden Königs Wil­helms III. liegen ziemlich am Ende der Stadt einan­der gerade gegenüber, und zwischen beiden erhebt sich die kolossale, aus Eisen gegossene, meisterhaft gearbei­tete Reiter-Statue Wilhelms I. Das Schloß Wil­helms III., dessen Zimmer dem Publikum, versteht sich gegen angemessene Gratifikation an den Kastellan, zu­gänglich sind, ist so wie alle Schlösser sind, und man kann, wie Hamlet sagt, seines Gleichen noch oft se­hen. Fürstliche Familienbilder, unter welchen sich je­doch die sehr schöne Königin auszeichnet, ungeheure Betten, damastüberzogene Möbel aus Palisanderholz, Parquetböden m s. w., ein leichtes Gähnen wird ver­

zeihlich, und der Drang nach dem Mittagsessen ziem­lich fühlbar. Du gähnst aber nicht mehr, hungerst und durstest nicht mehr, freundlicher Leser, sobald Du in den sogenannten gothischen Saal im Schlosse Wil­helms II., welcher die Gemäldegallerie enthält, gelangt sein wirst. Die Haager Gallerie zeichnet sich keines­wegs durch die Menge, sie enthält nur 188 Stücke wohl aber durch den klassischen Werth der in ihr ent­haltenen Bilder, durch musterhafte Ordnung und durch die Pracht und Helligkeit ihrer großartigen Räumlich­keiten aus. Neben Gemälden der berühmtesten Mei­ster der niederländischen Schule sind namentlich die italienischen Maler auf das Vorzüglichste und Reichste, theilweise auch die Spanier, vertreten. Wir erlauben uns nur auf zwei musterhafte Bilder von Leonardo da Vinci, La Colombina und Leda, auf die Jünger des Heilands und den Triumph der Wissenschaft von Titian, auf die heilige Familie von Raphael, auf eine Magdalene von Guido Reni und auf den heiligen Johannes in der Wüste von Giulio Romano aufmerk­sam zu machen. In dem Hauptsaale der Gallerte findet sich eine Orgel, deren feierliche, ernste Klänge den Genuß der redenden Kunst mit dem der plasti­schen verbinden.

Die königliche Oper zu Haag ist ausgezeichnet, ge- schmackvoll und bequem eingerichtetes Haus, zahlrei­ches, vortreffliches Orchester und tüchtiges, kunstge- bilvetes Personal. Wir sahen le comte Ory, eine der letzten Opern Rossini's, des Schwanes von Pesaro. Madame Laumond (Isolier) war ein vom Wirbel bis zur Zeh wunderniedlicher Page. Vor der Oper war ein kleines Vaudeville, le capitain Roquefinetle. Hr. Hadingue, eine interessante Persönlichkeit voll Feuer und Leben, gab mit ächt französischer Grazie die Ti­telrolle.

Auch in den Haager Hotels geht es schon etwas lebhafter zu, als in den übrigen holländischen Städten, die Zungen sind mehr gelöst, der Ton heiterer und geselliger. Hat die schlanke, grün verschleierte Eng­länderin ihren geschmackvollen Strohhut abgelegt, zeigt sie ein zwar vornehm blasses, aber antik schönes Ge­sicht mit geistvollen Zügen, welches pechschwarze Lo-