Unterhaltung« blatt
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M M» Sonntag den 2. September. iSÄ
Aus dem Haag.
Holland ist im Ganzen genommen ein langweiliges Land, langweilig wie ein Philister mit irdener Pfeife hinter seinem Bierkrug. Neppige Viehweiden, zahllose Windmühlen, vereinzelte Getreidefelder, einförmige, obschon reinliche Dörfer, hin und wieder ein aufgeschwemmter Dünenberg, Kanäle mit schmutzigen Gewässern bilden, das Auge bald ermüdende, hausbacken-prosaische Gegenstände. Der Holländer ist schweigsam wie das Grab, verschlossen und theilnahm- los gegen Fremde, eine holländische table d’hote weicht an Langweiligkeit und Trübseligkeit keiner Berliner, und das will in Wahrheit Viel sagen. Wie ganz anders an dem grünen, rebenumkränzten Strande unseres Rheines!
Doch wir wollen gerecht sein, wir wollen die Verdienste des fleißigen, industricvollen Holländers nicht verkennen, das die Dünen umbrausende, majestätische Meer riß unser Herz zur Bewunderung hin; wir staunten das geräuschvolle, durch Pfähle dem Morast mühsam abgerungene Amsterdam, dessen prächtige Bazars und Magazine Abends feenhaft bei Gaslicht erglänzen, an, das schöne, mit Villen und Gebüschen umgränzte Haarlem erfreute uns, die stolzbcschwingten, kupferbeschlagenen Ostindienfahrer im Hafen zu Rotterdam schienen dem Bewohner des Binnenlandes seine Kleinlichkeit und Erbärmlichkeit vorzuwerfen und ihm zuzurufen: Wie klein bist Du!
Holland jedoch, im Ganzen betrachtet, wird einem ehrlichen Deutschen schwerlich absonderlich gefallen. Es hat manches, ja sogar vieles Schöne und Große im Einzelnen, aber es fehlt der geistige, wenigstens poetische Hauch, der sich erfreuend und belebend durch
das Ganze schlingt. Doch auch Holland hat eine gar liebliche, freundliche Lindenstadt, und nichts beurkundet mehr den Geschmack und das attische Salz seiner Könige, als daß sie den Haag zu ihrer Residenz erwählten. Haag ist eine zwar etwas todte, aber freundliche, größtentheils neu und nett gebaute Stadt, durch welche keine drückende Handelsluft, sondern der frische Hauch eines belebenden Kunst- und Residenzgeschmackes weht. Der Haager Busch, ein reizendes, dicht belaubtes Gehölz mit schattenden Kastanien- und Lindenalleen , umzieht einen großen Theil der Stadt. Es war ein heiterer Abend, als wir dasselbe durchschritten, blauer Himmel und Abendroth blitzten durch die, von leisem Windhauch säuselnden Bäume, grüne Gondeln und stolze Schwäne durchschnitten die zahlreichen laks des Parks, in welchen sich die Sichel des Mondes ^bspiegelte, und von der Insel, genannt pa- villon de la société, scholl ein gutes, von zahlreichen Instrumenten ausgeführtes Concert. Dazwischen drängte sich, freundlich plaudernd und summend, die schöne Welt aus dem Haag in glänzenden, sranzösisch-geschmackvollen Toiletten, manch freundliches Damenauge schien mit den klaren Sternen zu wetteifern, und als des Abends Dunkel über die schönen Laubgänge niedergcsunken war, erglänzten weitum bunte, farbige Laternen, und schlangenähnlich stiegen zischende Raketen in die Höhe. An dem Ende des Parks liegt das sogenannte Haager Schloß im Busch, von Außen eben kein ansehnliches Gebäude, im Innern aber durch Pracht und Geschmack reizend. Eine riesenhafte Marmortreppe führt zu den sogenannten chinesischen Zimmern, deren Tapeten und meisten Geräthschaften, namentlich die kolossalen gestickten Kaminschirme und prächtigen Vasen, Geschenke des Kaisers des himmlischen Reiches sind. Die Krone des Schlosses aber