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Arief -es Professors Tiedemann in Hei­delberg an feinen Kohn den ehemaligen

Kommandanten von Rastatt.

Heidelberg, den 16. Juli 1849.

Mein Sohn! Mit wahrer Betrübniß, muß ich offen bekennen, habe ich Deine Zeilen vom 13. Juli erhalten, die mir leider die traurige Gewißheit brach­ten, daß Du Dich in Rastatt befindest. Bisher hielt mich das Vertrauen zu Deiner Ehrenhaftigkeit und Besonnenheit ab, der in öffentlichen Blättern verbrei­teten Nachricht, daß Du Kommandant in Rastatt seiest, Glauben zu schenken. Sehr schmerzhaft hast Du mich aus dieser Täuschung gerissen. Gleich bei Deiner Ankunft aus Griechenland, da gewissenlose und durch Wahnsinn verblendete Demokraten Dich und Deine militärischen Kenntnisse in der revolutio­nären Bewegung zu benützen gedachten, habe ich Dich aufmerksam gemacht, daß es sich dabei nicht um die Aufrechthaltung und Vertheidigung der deutschen Reichsverfassung und um die Erlangung der Einheit und Macht des theuern deutschen Vaterlandes handle; es gelte vielmehr der Durchführung der rothen Re­publik. Im vorigen Jahre hattest Du den schändli­chen Einflüsterungen des ehrgeizigen Hecker kräftig widerstanden; ich bestürmte Dich daher mit Bitten auch jetzt Widerstand zu leisten und Deinen Namen und Deine Ehre nicht durch Theilnahme an einer schlechten Sache zu beflecken. Wenn meine Bitten und vorgebrachten Gründe Dich nicht überzeugten und auf dem rechten Weg zu erhalten vermochten, so wird Vie Bekanntmachung des kurzsichtigen Brentano, die ich zur Notiz beilege, Dir gewiß die Augen öffnen. Buben sind es, welche das große Unheil und die nie zu tilgende Schande über das schöne Baden gebracht haben. Du wirst nun die Ueberzeugung gewinnen, daß Du Dich nicht im Bunde mit ehrenhaften Män­nern, sondern mit niederträchtigen, ehrsüchtigen, geld­gierigen, verblendeten Menschen, mit einer wahren Räuberbande und dem Auswurf aller Nationen Europa's eine schlechte und schändliche Sache ver­

theidigst. Du gehörst zu den wenigen edlen Gemü­thern, die in neuester Zeit durch den glühenden Wunsch, dem deutschen Volke Einheit und Freiheit erringen zu Helsen, vom rechten Weg abgelenkt und zum bedenk­lichen Aeußersten hingerissen sind, das erkenne und bedenke. Ich beschwöre Dich nochmals bei allem was heilig ist, bei dem Glauben an Gott, den Alles gerecht Vergeltenden, bei der Lehre von Christus, in der Du erzogen bist, bei der Liebe zu Deinen armen Eltern und zum theuern Vaterlande eine Bahn zu verlassen, die dem Namen, den Du trägst, nur ewige Schande bereiten und Dir unfehlbar den verdienten Tod eines Verbrechers zuziehen wird. Habe Erbarmen mit Dei­nen alten Eltern, die am Rande des Grabes stehen, schone Deine arme Frau und Dein Söhnchen, und vor allem gedenke Deiner guten, zärtlichen Mutter, die Deinen Tod nicht überleben wird. Hüte Dich den Fluch der Mit- und Nachwelt und aller der Mitmenschen auf Dich zu ziehen, deren Lebensglück Du zu zerstören begonnen hast. Mache einen Ver­such, wenn Du es vermagst, die irregeleiteten und verblendeten Soldaten, welche den Fahneneid gebro­chen und im Rausch ihre Fahnen in den Koth getreten haben, unter denen Tausende gefochten, geblutet und gesiegt haben, und darunter auch Dein verstorbener Onkel, der brave Oberst v. Holzing, zur Besinnung und zur Pflicht gegen das Vaterland zurückzuführen. Vertraut auf die Gnade des Großherzogs, in dessen Brust ein edles Herz schlägt. Die im Mai erschie­nene Amnestie des Großherzogs für die zu ihrer Pflicht zurückkehrenden Soldaten lege ich bei; theile sie ihnen mit; da ganz Baden von den Reichstruppen besetzt ist, so ist jeder Versuch Rastatt zu vertheidigen nicht nur vergeblich und tollkühn, sondern es ist selbst ein ehrloses, schändliches Beginnen. Bedenke, daß der Tod jedes in oder vor Rastatt fallenden Kriegers ein Mord ist, und daß dieser Dir, als dem Kom­mandanten, zur Last fällt. Hüte Dich, Dein Gewis­sen zu belasten. Es gibt ein Jenseits. Du bist ver­wundet; sieh die Wunde als einen Wink der Vorse­hung an, damit nicht andere schon gegossene Kugeln Deinem Leben ein ehrloses Ende machen. Solltest