Unterhalt nngsblatt
zur Mum HMschem Zeitung»
M^^ Sonntag den 26. August. IS^K
Iwei Driese aus Trühschlcr^s Mappe.
Unter den Papieren, die sich in Trützschler's Mappe vorgefunden haben, finden sich auch zwei Briefe bekannter Parlamentsmitglieder, die in der standrechtlichen Verhandlung vom 13. d. M. verlesen wurden; sie sind zu interessant und charakteristisch, als daß man sie dem größeren Leserkreis vorenthalten sollte. Der Eine, von Eisenstuck an Trützschler gerichtet, verräth politische Einsicht und Verstand; wenn auch immerhin nicht klar werden will, was die Herren aus den insurgirten Stücken Landes machen wollten, so liegt doch in den Aeußerungen Eisenstuck's ein ehrenwerthes pater peccavi; er spricht über das Treiben der eignen Partei ein indirektes Verdammungsurtheil aus und zeichnet ganz richtig die Fehler, die begangen worden waren oder noch weiter begangen werden konnten, und aus denen der elende, durchaus lächerliche Ausgang eines Aufstandes zu erklären ist, dem eben vor Allem die Sympathie und Unterstützung des Volkes fehlte. Eisenstuck schreibt:
„Lieber Freund! Schüler bittet mich, bei Deiner Absendung nach der Pfalz meine Ansichten über das Land mitzutheilen, weil er meint, daß die allseitige Zustimmung aller Parteien, die ich dort gesunden, mir eine besondere Mission dazu ertheile — ich lasse es ganz dahin gestellt, komme aber dem Auftrage nach in Folgendem: Wenn Du in der Pfalz mit Erfolg auftreten willst, wirst Du das Land ganz anders als Baden ansehen. Der Grundton der Bevölkerung ist gesetzliche Form. Seit 50 Jahren mit allen Freiheiten versehen und mit einfachen, klaren Gesetzen ausgestattet, will man dort bei jedem Verfahren eine legale Form, und nur die fremde Einmischung, welche
durch das gänzliche Verlassen der pfälzer Sache von Frankfurt aus seit meiner Abreise von dort Statt gefunden hat, machte es möglich, daß vielleicht scheinbar, aber auch nur scheinbar eine andere Richtung dort eingetreten ist. Du mußt den Muth haben, diesen ercessiven fremden Einfluß zu entfernen, wenn Du mit Erfolg wirken willst. Das wird schwierig sein, aber es muß geschehen, sonst halte ich die innere Kontrerevolution und selbst eine starke Reaktion für möglich. Ferner: Die politische Vereinigung der Pfalz und Badens ist nach meiner Ansicht gegen den entschiedenen Willen der Majorität des Volkes, dessen bin ich gewiß, was die Einzelnen auch darüber sagen mögen! Die Pfalz sendet 1,000,000 Fl. Ueberschuß jährlich nach München, sie weiß recht gut, daß diese ihre Steuern auf ein Minimum sich reduciren würden, wenn man das wohlerworbene Eigenthum selbst behalten könnte und deßhalb wird man stets gegen die Vereinigung sein.
Vor allen Dingen sorge für schleunigste Berufung einer pfälzischen Landesversammlung auf Grund des Reichswahlgesetzes — schon diese legale Form der Vertretung der Volkes wird die Parteien versöhnen. Die provisorische Regierung möge als vernehmlichste Tagesordnung dieser Konstituante die Anerkennung und Prüfung ihrer Maßregeln und die Erörterung und Beschlußnahme über dieVercinigungsfrage bezeichnen. Das wird gute Wirkung thun. Die provisorische Regierung hat dadurch von vorn herein gefehlt, daß sie sich gegen meinen ausdrücklichen Rath konsti- tuiren ließ, ehe die letzten Schritte in München Seitens der pfälzer Deputirten geschehen waren — das war damals der Wunsch Aller und daher kam die starke Minorität von 13 gegen 15 wider die Einsetzung der provisorischen Regierung. Der weitere