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ich ängstlichen Blicks das Häuflein meiner Kameraden — über die Hälfte fehlte und nur noch zwei Offtciere waren unter uns! Aber es war nicht Zeit zu langen Betrachtungen — der Feind stürmte unsere Schanzen! Noch einmal entspann sich ein furchtbarer Kampf, der auf unserer Seite wahrhaft mit Verzweiflung geführt wurde, und nochmals unterlagen wir. Fast alle Bedienungsmannschaften der Schanzenbatterie waren gefallen, zwei oder drei Kanonen demontirt worden, und der Däne überschüttete uns wahrhaft mit einem Kugelregen. Es dünkt mich heute noch ein Wunder, daß ich unversehrt daraus hervorgegangen oder vielmehr gelaufen bin. Schon war die Schanze theilweise umgangen, thcilweise erstiegen, wir Jäger vertheidigten uns noch so lange, bis die Kanonen sämmtlich vernagelt waren. Dieses letztere Geschäft habe ich den Lieutenant Christiansen mit der größten Kaltblütigkeit verrichten sehen. Endlich war jeder längere Widerstand unmöglich, und wir flohen — wir flohen zum zweiten Mal vor einem Feind, welcher niemals unsern Rücken gesehen, uns nie lang genug in's Auge geblickt hatte, um uns recht kennen zu lernen. (Grenzboten.)
Das Eidgenössische Ehr- und Freischießen in Aarau.
Die große „eidgenössische Woche" zu Aarau ist vorüber; heute Mittag, 8. Juli, um 12 Uhr knallte der letzte Stutzen, und verlangend stehen die Schützen auf den Stufen des prachtvollen Gabentempels, um den durch „festen Arm und sicheres Aug" errungenen Preis in Empfang zu nehmen. Es ist wirklich ein großartiges, nationales Fest, dieses „eidg. Ehr- und Freischießen," welches alle 2 Jahre die Schützen der gesammten Schweiz zu einander führt, und wenn wir dasselbe auch nicht gerade, wie jener enthusiastische Publicist, weit über die olympischen Spiele setzen, so bleibt immer noch genug vorhanden, daß die ganze Nation auf eine solche Blüthe des Volkslebens stolz sein kann. Treten Sie ein in den Kanton Aarau,
von welcher Seite Sie wollen: da wehen eidgenössische Fahnen mit dem weißen Kreuz im rothen Felde von den Zinnen der Stadtthore, vom Gemäuer verfallener Burgruinen, von den Kirchthürmen der Dörfer; überall stehen freundliche Ehrenpforten, den nach Aarau pilgernden Schützen sinnig grüßend; die ganze Bevölkerung ist in sonntäglichem Schmucke, und erfüllt mit den zahllosen eidgenössischen Brüdern, die zu Fuß, zu Roß und zu Wagen heiteren Muthes vorüberziehen, die Straßen und Gassen. Welch' ein endloser Zug schwenkt dort um jene Waldecke herum? Es sind die Gäste, welche Zürich's Dämpfer und Lokomotive senden; zu Hunderten kommen sie nun in Kutschen und Omnibus in unabsehbarer Reihe von Baden, um das Glück des eisernen Würfelspiels zu versuchen, um Bekannte nach jahrelanger Trennung wiederzusehen, um das Herz durch die Theilnahme am nationalen Feste zu erheben. Wir nähern uns dem Festort Aarau, und immer festlicher wird das Aussehen der Menschen, der Ortschaften, der ganzen Gegend; endlich fahren wir in das freundliche Städtchen hinein, dessen Gassen überall von Gästen aus allen Thälern, von allen Höhen der Schweiz, dessen Häuser geschmückt sind mit den eidgenössischen Farben in Wimpeln und Fahnen, dessen Bewohner mit Freuden die ausgedehnteste Gastfreundschaft ausüben. Kaum haben wir einige Schritte in das Gewühl hinein gethan, so werden wir von den Tönen einer trefflichen Militärmusik gefesselt, wir wenden den Blick und vorüber zieht das hübsch unifor- mirte aarauer Kadettenkorps — Infanterie und Artillerie — mit einer Präcision und in einer militärischen Haltung, die einem Korps von „Grognards" Ehre machen würde. Die jungen Leute sind beordert, einer Deputation des Bundesrathes, bestehend aus den Herren Drouey, Frei-Herose und Neff, die militärischen Honneurs zu erweisen. Doch es hält uns nicht länger in der Stadt, unwillkürlich zieht uns das Menschengewoge mit sich fort auf den „Schachen", wo unaufhörlich vom frühen Morgen bis zum späten Abend das Rottenfeuer der schweizerischen Stutzen knallt. Von einer Anhöhe übersehen wir bequem das anmuthige Schauspiel: vor uns auf einem freien,