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Unterhaltungsblatt

M RLULN Hessischen Zeitung»

^ 32. Sorrntag den 12. August. 1S4C9*

Der Ueberfall vor ^ri-ericia.

(Don einem Augenzeugen.)

Fridencia liegt dicht am kleinen Belt, welcher hier so schmal ist, daß die gegenüberliegende Insel Fünen mit dem leichtesten Boot und in weniger als fünfzehn Minuten erreicht werden kann. Der Verkehr zwischen der letztem und der Festung wurde immer lebhaft un­terhalten, steigerte sich aber in den ersten Tagen des Juli so sehr, daß es auffallen mußte. Unsere Dedet- ten und Wachen sahen so viele große Schiffe gehen und kommen, daß sich im Heere eine ernstliche Besorg­niß zu verbreiten begann. Doch nein, Besorgniß ist nicht das rechte Wort; wir wünschten ja nichts sehn­licher, als so bald als möglich, dem Feind Stirn an Stirn gegenüberstehen zu können. Unsere Oberen tra­fen übrigens keinerlei Maßregeln, welche der Erwar­tung Aller entsprechen konnten; wir beruhigten uns, denn wie oft waren wir entäuscht worden. Der Mor­gen des 5. Juli brach rauh und neblig an. Ein mit seinen Wassertheilchen prägnirter Wind schüttelte uns das Mark in den Knochen und die großen Theils aus Stangen, Brettwerk und Stroh gebauten Lager­hütten konnten trotz der großen Wachtfeuer, welche den ganzen Tag vor jeder Gasse unterhalten wurden, kaum Schutz gewähren. Ich war daher sehr froh, als ich mit 12 Mann kommandirt wurde, vier Brod­wagen von dem anderthalb Stunden entfernten Dorfe Hagelund abzuholen und zu eskortiren. Ich bin näm­lich, beiläufig gesagt, seit vier Wochen eine Stufe auf der Leiter zum Feldmarschall höher gekommen und wohlbestallter Unterofficier im vierten schleswig - hol- steinschcn Jägerkorps. Meine Mission war um drei

Uhr Nachmittags vollbracht; wir krochen in unsere Lagerhütten und machten es uns bequem. Bald auch stand der mächtige Kupferkessel, ein Gefäß von un­schätzbarem Werth, da es zu allen möglichen Verrich­tungen der Kochkunst dient, über dem Feuer, das Wasser brodelte lustig darin und unser Feldwebel schickte sich an, aus den wunderbarsten Ingredienzien die Ihnen wohlbekannte, hoffentlich noch unvergessene Kriegsbowle zu brauen. Einige flotte Bursche hatten schon vorher in der benachbarten Lagergasse ein kleines Zechgelage begonnen und frisch und fröhlich tönte ihr Gesang zu uns herüber. Es wird mir stets im Ge­dächtniß bleiben, das Lied. Es war Herwegh's Rei­terlied und eben klang die Strophe: Du junges Gras, was siehst so grün? Wirst bald wie lauter Röslein blüh'n — als von allen Seiten die Signal­hörner ertönten, Schüsse fielen und die Offtciere zu den Waffen riefen. In freudiger Hast und in weni­gen Augenblicken standen wir auf unseren Sammel­plätzen. Die Dänen hatten in zwei Kolonnen mit etwa fünf Bataillonen, aber ohne Geschütz, einen Ausfall gemacht. Wir Jäger rückten im Sturmschritt vor bis zu den Schanzen, hier bildeten die beiden er­sten Kompagnien alsogleich eine Tirailleurlinie und der Angriff auf den Feind erfolgte mit Ungestüm. Aber die falschen Rothröcke hielten nicht Stand, kaum hat­ten wir zwei Mal gefeuert, ja ehe noch die Artillerie unserer Schanzen thätig wirken konnte, waren sie schon wieder verschwunden und von ihren Ravelins herab brummten die Vierundzwanzigpfünder den hitzigen Ver­folgern drohend entgegen. Das Kommando zum Rückzug erfolgte und nach einer Stunde befanden wir uns wieder in unseren Hütten. Schon zu oft hatten die Dänen dasselbe Spiel getrieben, als daß wir uns so sehr darüber hätten ärgern müssen, um die ange-