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Unterhalt nngs blatt

zur Reuen Hessischen Zeitung.

M 31 Sonntag den 3 August. 18âN.

Was Heidelberger Ichloß.

Eine Reliquie von Maler Müller.

Wo die Tage, da du in deiner Herrlichkeit stan­dest, als voll Reisigen deine Thore, deine Vorhöse erfüllt von wiehernden Rossen, voll behender Knappen, — von edler Ritter Gejauchz deine Gewölbe und Bogen erklangen, süßer Frauen Blicke die Herzen entzündeten, weiser Männer Wort rein erklang wie geläutertes Gold? -- Wo sind sie? ■— Vorbei! Ach, alles vorbei! Gras bedeckt deine Höfe, Epheu rankt um deine Mauern, Eulenruf hallet zur Dämmerstunde durch die Bogen und Gewölbe, der Mauerfalke zieht seine Kreise spähend um deine Thürme, und eine Blindschleiche raschelt im dürren Laub am Boden, während der Molch in der feuchten Tiefe langsam von Stein zu Stein kriecht. Ruin um mich her, Ruinen überall! Trauer und ödes, todtes Schweigen. O was warst du, an dem Jahrhunderte gebaut ? Was warst du, als deine Fürsten durch dich hinschritten und hinausschauten vom Erker auf das Land des Segens, auf die wogenden Fluren, durch die Rheiu und Neckar das silberne Kreuzband schlingen, begrenzt von dem blauen Kranze der Höhen dort drüben? Du warst die Perle, der Diamant am staatlichen Kurhut des Pfälzers, du warst die Wiege der Weisheit, die Heimath der Kraft und des Muthes , die Wiege des Volksglücks, die Stätte des Sanges, wo die Harfe klang und das Lied von des Minnesängers Lippen floß, weich und innig, weckend und beseligend der Hörer Herzen! Trauert auch ihr, gefallene Fürsten? Hat auch in steinener Brust der Schmerz eine Wohn­stätte? Moos an eurer Schulter! Dornenwuchs um den Fürstenhut! Weggeschlagcn vom Wetterstral das Schwert und die glänzende Weltkugel; drüber ein

Kreuz, das auf den Glauben wies, der warm im Her­zen wohnte. Ha! Ihr trauert, trauert mit in den ganzen Ruin. Um die zerstörte Feste, um das stolze Werk eurer Hände rollen unsichtbar die Thränen, kla­gen, wenn auch ungehört, die Seufzer!

Und ich sollte nicht mitklagen? Schlüg' ein pfälzer Herz in meiner Brust, wenn ich nicht klagte? Wär ich werth, daß ich pfälzer Luft geathmet, daß Brod, gewachsen in Pfälzererde, mich gesättigt, Wein mich erquickt, den die Sonne an pfälzer Reben geläutert zu Geist? Wär' ichs werth, wenn ich nicht mitklagte, daß 'fränkische Frevlcrhand die Brandfackel geschleudert in diese Räume und gesprengt mit des Pulvers un­bändiger Gewalt diese Riesenmauern? Gesprengter Thurm, du gibst Zeugniß! Fluch euch, die ihr Honig auf den Lippen und Galle im Herzen! Fluch euch, die ihr zum Trümmerhaufen machtet mein schönes Heimathland! die ihr Städte niedergebrannt, Fluren zertreten, Blutbäche fließend gemacht!

Wo ist die Ruine dort am Rheine, hier am Neckar, dort an der Nah, wo meine Wiege stand, dort, wo die Mosel schäumt, wo das Gebirge sich aufthürmt zum waldreichen Hunsrück, die es nicht hinausriefe in die Welt: Fluch dir Melac, dir Louvois, dir ge­krönter Wüstling, der du im weichen Arm der Buhle­rin schwelgtest, als deine entmenschten Horden meine Heimath verwüsteten! Fluch dir und deinem Namen, du vierzehnter Ludwig von Frankreich, der du dich nanntest: der allerchristlichste! Könnt' ich hier stehen, unter diesen Trümmern, groß im Vergehen, ohne zu weinen, wenn ich euch denke, ihr Helden, die ihr hier wandeltet, die ihr niederblickt auf die Stätte eurer Kinderspiele, eurer Heldenthaten, eurer Liebe, eures Leids, und sehet nur gefallene Majestät? Ha! ihr wäret einst groß, nicht unbedeutend im Winkel; eure