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zur Reuen HeMfchen Zeitung»

M 30» Sonntag den 2V. Juli. 1S49*

Ein p oeti sches paar.

Skizze von H. Koenig.

(Schluß.)

Aus einiger Ferne unterhielten sich inzwischen ein Paar leichtsinnige Weltmenschen über das sentimentale Verhältniß jener beiden, äußerlich so wenig zusam­mengehörenden Menschen. Es war der Graf Löwen­stein -Werthheim, Kammerherr und Liebling des Kö­nigs, die Krone der Zechgesellschaften amJërome'schcn Hof. Er saß zwischen der schönen Bianka Laflèche, lüstern nach einem Antheil an der Gunst, die diese be­zaubernde Frau des Intendanten der Civilliste dem König schenkte, und der Generalin Mono, die erst seit wenigen Tagen in Kassel angekommen war.

Ich kann die poetischen Verdienste und die stille Liebenswürdigkeit dieser sonderbar aussehenden Dame nicht beurtheilen, sagte die Laflèche, aber es spricht immer für sie, daß sie gerade an dem Hofe, wo fast nur Jugend, Schönheit und Glücksgüter glänzen, sich durch Geist und Haltung geltend und begehrt zu ma­chen weiß.

Aber sagen Sie mir nur, wer die zwei Leutchen eigentlich sind? fragte die Generalin.

Es ist ein Herr von der Malsburg, zur Gesandt­schaft in München gehörig und eine Stiftödame von Calenberg, antwortete der Graf.

Junge Eheleute? Doch, wie frage ich unnütz! Sie sagten ja Stiftsdame! lachte die Mono.

Auch die Laflèche lachte, und Löwenstein - Werth­heim fuhr fort:

Ihre Frage ist nicht so unpassend, Madame; denn das Verhältniß dieser beiden Vertrauten ist der Gesell­schaft ein Räthsel. Einige nennen es Freundschaft,

Andere Liebe, Manche möchten beides mischen, um das Eigenthümliche der Verbindung herauszubringen. Ich glaube in die Tiefe dieses Geheimnisses einge­drungen zu sein, wenn ich sage, es sei Liebe aber unc partie rcniise.

Oh! rief die Mono , sehen Sie nur diese Zärt­lichkeit an, und das Spiel wird nicht dürfen für auf­gegeben erklärt werden; doch scheint es mir, unsere Schach-Königin ruft hier dem Könige Schach. Und er sieht auch wirklich etwas matt aus, der junge Legationsattache.

Ich meine es mehr im Sinne des K a r t e n sp i c l 6, Madame! fiel der Graf ein. Betrachten Sie das mäd­chenhafte Aussehen des jungen Mannes, das männ­liche der edlen Stiftsdame, so scheinen die Karten so vergeben zu sein, daß kein Spiel zu Stande kommen kann, sondern remis gegeben werden muß. Der junge Mann sollte aus spie len; aber er hat lauter zu kleine Trümpfe, um zu f o r d e r n. Er möchte viel­leicht lieben; allein sein Temperament ist nicht leb­haft genug, um mit einem kühnen Satz über die Jahre der Geliebten hinaus, sich durch einen rechtschaffenen Kuß den Bart zu erobern, der ihm fehlt, und an den unrechten Mann gekommen ist.

Beide Damen lachten fast lauter als eS die Nähe der Königin vertrug, und der Graf fuhr mit einem drohenden Winke fort:

Vielleicht liebt die Dame lebhafter, und hat auch die höhern Trümpfe der Empfindung voraus; allein sie ist doch nicht am Ausspielen, sie bat doch nicht die Vorhand. Sehen Sie, so kommt eben das Spiel nicht zu Stande; sie treiben zusammen Poesie; sie machen Verse, oder wickeln die Kinder