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indem sie, die Köpfe zwischen die Flügel zurückgelegt, wie große Schneebälle in dem schillernden Gewässer schwammen.
Die Unterhaltung des Paares athmete etwas Sentimentales , Vas mit diesen Naturblicken und mit den Abendglocken aus den nahen Dörfern über sie kam, und der seltsamen Freundschaft entsprach, die beide verband. Diese Innigkeit hatte für vie Gesellschaft das Fesselnde eines Räthsels, und für die Verbundenen selbst so viel Reiz, daß sie immer wieder gern darauf zu reden kamen. Ihre jetzige Unterhaltung, in dieser Abendstille und Einsamkeit unbefangen genug, brachte einzelne Fäden einer so eigenthümlichen Wechselneigung absichtslos zum Vorschein.
Der blasse junge Mann war mit Urlaub seines Gesandten von München zum Besuche seiner Familie gekommen, besonders des Oheims, eines geistreichen Staats- und Weltmannes, der im Besitze der Familiengüter sich des hoffnungsvollen Brudersohnes angenommen hatte, um ihn nicht unter den knappen Verhältnissen mit dem öftern Garnisonswechsel des Vaters verkümmern zu lasten. Er klagte eben ter Freundin über das leichtfertige München und wie sehr ihn Anfangs ter freie Ton ter dortigen Gesellschaft erschreckt babe.
Auf tiefe mädchenhafte Empfindlichkeit paßte die Antwort ter Dame, die sich freute, die alte Reinheit und Innigkeit des Herzens, wie seither in seinen Brie- .fen, so jetzt in seinem Umgänge wieder zu finden.
(Fortsetzung folgt.)
Henrielle Sonntag.
Die Gräfin Rossi geht über Brüssel nach London , wo sie am Sonnabend, den 7. Juli, in der italienischen Oper — und zwar in der „Nachtwandlerin" — nach Andern in „Linda di Chamouni" — zum ersten Male — nach zwanzigjähriger Zurückgezogenheit von der Bübne — wieder auftreten wird. Die glänzende Repräsentation der sardinischen Gesandtin an den Höfen zu Wien, Petersburg und Berlin hatte
der Gräfin einen großen Theil des Vermögens gekostet, welches die Sängerin erworben; die Revolution des vergangenen Jahres hatte die noch übrigen Fonds nicht unberührt gelassen, und jetzt galt es: corriger la fortune! Welche Bedenken auch die „Gräfin" erhob , „Henriette Sonntag" war auf der Stelle entschlossen; Mr. Lumley kam nach Berlin, er hatte sich schon bei einem früheren Besuche überzeugt, daß die Stimme der einst so berühmten Sängerin nicht nur in ungeschwächter Kraft sich erhalten, daß sie sogar noch an Stärke gewonnen und, was als das sicherste Zeichen der noch vorhandenen Jugendfrische gelten darf, daß sie in den einfachsten Tönen eine Gewalt der Rührung ausübt, welche kein Auge thränenleer läßt. Aber nicht nur die Musen, auch die Grazien sind ihrem auserwählten Lieblinge treu geblieben. Die Gräfin Rossi erhält für die noch übrigen zwei Monate dieser und für die ganze künftige Saison in London für jede Vorstellung 1000 Pfd. Sterl., ein Benefiz, ein Hotel garni, Wagen und Pferde ?c.
Was Grab.
O Grab, wie lieblich süße
Ist deine stille Ruh';
Wann ich die Augen schließe,
Bist meine Heimath du.
Geboren — leiden — sterben :
Das ist des Menschen Loos;
Begraben und — vergessen,
Ruht er in deinem Schooß.
In beinern stillen Hafen
Da droht fein Felsenriff,
D'rin liegt dem Sturm geborgen
Das morsche Lebensschiff.
Wie lieblich, Grab, und süße
Ist deine stille Ruh';
Wann ich die Augen schließe,
Bist meine Heimath du.
F. Ph. Dietrich.
Berantwortlicker Herausgeber: Fr. Oetker — Druck von Fr. Scheel in Kassel.