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offen herausgefordert, durch die moskowitischen Allüren des Premierministers erbittert, und durch das plumpe und grobe Auftreten des Finanzministers Böckh, den Mathy so erfolgreich und mit so gediegener Sachkennt­nis bekämpfte, aufs Aeusterste gereizt. Die badische Kammer war trotz aller Wahlumtriebe der Minister ein klarer und wahrer Ausdruck der Ansichten und Gesinnungen des Landes, dem das Kabinet täglich ins Gesicht schlug. Was wir heute an diesem Orte schreiben, ist von uns bereits 1843 in ähnlicher Weise anderwärts ausgesprochen worden. Die Folge hat eine Ansicht bestätigt, welche damals schon allgemein war, über welche aber die ganz in österreichischen Ban- den gefangene karlsruher Kamarilla höhnisch die Ach­seln zuckte. Sic nämlich wollte die Verfassung unter­graben und keine aufrichtig konstitutionellen Minister im Kabinette haben. Deshalb konnte ein parlamenta­risches Ministerium nicht durchgesetzt werden, und alle Bemühungen, den Vicekanzler Bekk ins Ministerium zu bringen, sind damals gescheitert. Als man ihn dann endlich doch eintreten ließ, war es, wie gewöhn­lich, zu spät; dem Fasse war bereits der Boden aus­geschlagen worden und jede Spur früheren Vertrauens im Lande völlig geschwunden. Heute ist in Baden die dynastische Anhänglichkeit „äqual Null" geworden, um einen Ausdruck anzuwcndcn, dessen sich Hr. v. Blit- tersdorf gegenüber der zweiten Kammer so oft bediente. Die ländergierige baierische Dynastie, obgleich die Franzosen ihr reiche Beute zugeworfen hatten, die sie demüthig und froh in Empfang nahm, konnte die rechtsrheinische Pfalz, Mannheim und die sponheimische Erbschaft nicht verschmerzen, und so ist es hauptsächlich die Dynastie Wittelsbach gewesen, welche die Dynastie der Hochberge laut für illegitim und zum Throne un­berechtigt erklärte. Die ultramontane Partei half und schürte, und sie hauptsächlich hielt das Mährchen von Kaspar Hauser's Anrecht auf den badischen Thron immer wieder in Umlauf. Dazu kamen trübe Ver­hältnisse in der großherzoglichen Familie. Eine edle Frau , die schärfer und weiter blickte, als ihre Um- gebung, und die so viel schwere Prüfungen hat erdul­den müssen, war einem ränkesüchtigen Markgrafen und

einem entsittlichten Hofe verbaßt. Sie, die Enkelin eines von einem Hofbeamten ermordeten, und Tochter eines vom Adel gestürzten Königs, war dein karlsruher Hofadel nicht hold, dessen „reines Blut" theilweise den allerbegründetsten Zweifeln unterliegt, und vor dessen Moralität das Volk nicht die geringste Achtung hatte. Diese Frau, weil sie im Gefühl sittlicher Würde stolz war gegen eine ihr aufgezwungene Umgebung, welche ihr vielleicht keine Achtung einflößte, wurde — vom Hofadel hauptsächlich — dem Volke als eine bis zum Wahnsinn hochmüthige Aristokratin geschildert, während sie gerade ein Herz für das Volk hatte. Es ist noch nicht Alles ans Tageslicht gezogen, wie schmählich eine verderbte Hofpartei planmäßig diese Großherzogin Sophie verunglimpfte, wie diese Partei keinen Anstand nahm, eine rechtschaffene und edle Frau mit den niederträchtigsten Intriguen zu verfolgen und sie als eine Nichtswürdige zu verleumden. Wer die Fäden und die Hände kennt, welche die berüchtigte Haber - Göler'sche Duell-Geschichte anzettelten, weiß, worauf wir deuten. Die Achtung vor dem regierenden Hause in Baden ist sonach planmäßig und zumeist vom Hofe und Ministerium untergraben worden. Die Großherzogin wollte den Erbprinzen, einen Jüngling von prächtigen Anlagen, volksthümlich ausbilden lassen. Ihre Bemühungen sind gescheitert, und der Prinz — auch ein badisches Nachtstück — ist in einer Heilanstalt für Geisteskranke. Allmächtig war der Markgraf Wilhelm, bcu kein Kundiger als das gute Princip Badens betrachten wird. Er verfügte über die Militärmacht, und ihm fällt eine nicht geringe Schuld davon zur Last, daß die badische Armee so völlig de- moralisirt werden konnte. Seit zehn Jahren war in ihr keine eigentliche Disciplin mehr. Wer nur ein Mal im karlsruher Theater gesehen hat, welcher Ton, auch in Anwesenheit des regierenden Fürsten, auf der Offi- cicrs-Galleric herrschte, und damit die Haltung des Militärs in den Schauspielhäusern anderer Residenzen verglich, mußte sich sagen, daß in Baden nicht Alles in Ordnung war. Hub wer als Augenzeuge beobach­ten konnte, wie lediglich Officiere es waren, welche in Uniform ein Haus umzingelten, damit ihre Soldaten-