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Unterh alt nngsblatt

zur Neuem HeMfchem Zeitumg.

Jtë 28. Sonntag den LS Juli. 18â.

Dadische Iuftän-e.

Wer im gegenwärtigen Augenblicke Karlsruhe nur äußerlich beschaut, wird außer dem bunten Militär, welches vom fernsten Norden bis zum lichtensteinischen Gebiete in den Mauern sich befindet, kaum eine Ver­änderung gegen früher bemerken. Keine zerschossenen oder demolirten Gebäude, kein aufgerissenes Pflaster, nicht einmal ein beschädigter Baum erinnern das Auge an die Schreckenstage während des Brentano'schen Regiments. Aber im kummervollen Blicke, in der ge­drückten Haltung eines jeden Einwohners kann man lesen, welche unheilbare Wunden allen Ständen und fast allen Familien geschlagen sind. Nur wenigen Familien ist das seltene Glück beschert, daß keiner ihrer Angehörigen, vom Strudel ergriffen, in den gräuelvollen Abgrund hinabgerissen wurde. Jedem aber, mag er einen Beruf erwählt haben, welchen er will, öffnet sich eine trostlose Zukunft. Ueber dem Staatsdiener, welcher unter der provisorischen Regie­rung im Amte verblieben ist, schwebt das Damokles- Schwert; der Pensionär weiß allzu gut, daß die lee­ren Kassen zunächst an ihm sich rächen; der Gewerb- treibende sieht durch den Mangel an Vertrauen den regen Verkehr auf lange Jahre entschwunden; der Häuserbesitzer zieht kaum die Hälfte seiner Miethe, und für den Militär endlich, welcher sich überwinden muß, im badischen Waffenrocke öffentlich zu erscheinen, zeigt sich kein anderes Loos, als den Rest seiner Tage in den Sandsteppen der Mark Brandenburg oder in der lüneburger Haide mit den eidbrüchigen Truppen zuzubringen. Es rächt sich furchtbar, daß einige ehr­geizige und verkommene Subjekte aus reinem Muth­willen eine Revolution gemacht haben, daß ein Bür­

gerkrieg losgebrochen ist. Was aber die Beklommen­heit noch unendlich vermehrt, ist Das, daß auch nach Oben kein Vertrauen vorhanden ist, daß man keinen der Männer, welche jetzt das Ruder des Staates führen, für tauglich hält, uns aus dem schrecklichen Schiffbruche zu retten, obwohl sie den guten Willen hiefür besitzen mögen. Erwägt man hierbei noch die Verwickelung der allgemein deutschen Angelegenheiten, die Abneigung der beiden süddeutschen Nachbarstaaten gegen den preußischen Verfassungs-Entwurf, so kann man für das ifolirt stehende Baden nur die größten Gefahren entdecken.

Wie es in Baden so weit gekommen, darüber gibt die von Andree redigirteDeutsche Reichszeitung" Andeutungen. Sie sagt:Was in Baden geschah, ist kein Ungefähr und kommt nicht zufällig. Im Mai und Juni ist nur die Saat aufgegangen, welche Hr. v. Blittersdorf als badischer Premierminister ausge- streuet. Das jetzige Haupt der Regierung in jenem Lande ist immer wohlmeinend, aber auch schwach ge­wesen; man hat sittliche Energie und klare Einsicht gerade dort vermißt, wo sie am ersten hätten sein müssen. Baden ging nach dem Sturme von 1830 mit politischen Reformen voran, zum Schrecken der absoluten Mächte, welche bald Einsprache thaten und die dem ganzen deutschen Volke mit vollem Rechte so theure badische Kammer auf alle Weise zu hemmen und zu untergraben suchten. Man weiß, wie gegen Welcker, Rotteck, Duttlinger, Sander und die übrigen Vorkämpfer verfassungsmäßigerFreiheit verfahren wurde. So lange der Minister Winter am Ruder stand, konnte wenigstens die Reaktion nicht aufwuchern; als aber Hr. v. Blittersdorf an die Spitze der Geschäfte ge­langte, wurde die Kammer geradezu mißachtet; sic wurde durch eine lange Reihe von Willkürlichkeiten