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Unterhalt nngsblatt

zur Reu« Hessisch« Zeitung.

M 2« Sonntag den I Jnli. 18âN.

Drei Kapitel aus Dingelstedts Roman:

Sieben Jahre.

Morgendämmerung.

(Fortsetzung.)

Fast mechanisch flogen alle Blicke nach der Rich­tung seines Zeigefingers, und die Bauern kratzten sich hinter den Ohren. Der bloße Gedanke an das Gor- gonen-Antlitz der westphälischen Gensdarmerie genügte, um sie zu versteinern. Dies benutzend, lenkte der Syn­dikus in die Bahn seiner Rede wieder ein:

Guckt emal, Kinner," sagte er,mit Eure Dresch­flegel und Mistgabel werdet Ihr die feste Thore von Kassel nit inrenne. Viel eh'ndcr mit Eure Dickköpp. Denkt an den Dörnberg, und wie's den Niederhesse ging. Der Forst hat schon manche Troppe braves Hesseblut gesoffe, und im Kastell ist noch viel frei Quar­tier." Tiefe Stille; die Erinnerung an Kassels Greve und Bastille that schlagende Wirkung.Gelt, Kinner, ich mein's gut mit Euch, das wißt ihr?"

Ei ja, Herr Syndefus!

Gut denn. Wollt Ihr mein' gute Rath ruhig anhöre?"

Ei, worim do net? *)

E gaurer Weg im, hod Krimme 2), pfiff der Rauschenberger Krämer.--

Hanndookes, wie weit is von Halsdorf uf Kassel?"

Ei, das ward der Herr Posthalter besser wisse wej aich. Vejrzen gaure Stunn' 3).

Die hat der Fuchs gemesse, und fein' Schwanz

1) Ei, warum denn nicht?

2) Ein guter Weg un (Umweg) hat keine Krümmung.

3) Ei, das wird der Herr Posthalter besser wissen als ich. Vierzehn gute Stunden.

dreingegebe. Und wie weit is von Halsdorf uf Marburg?"

Ei, vejr Poststunn, mer giht's in drä. 4) Da wirds also näher sein uf Marborg, gelte ja?" Ei frejli.

Bis Ihr nach Kassel kommt, seid Ihr auf der Chaussee todtgeschlage wie die tolle Hund' oder im Wald versprengt wie e Rudel Hirsch'. In Marburg sitzt Eure nächste Obrigkeit, die Gewalt über Euch hat; dahin schickt eine Deputation, die beste Männer aus dem Kanton, unsern Schulz" ....

Der leid jo schläâcht krank 5).

... wird schon uf de Strimpe' sein, wenn's gilt, da den Fiddemüller, des Theisse Heinrich von Wohr, des Leonhäuser sein Franze -Handookes von Kirchhain. Eine Supplik müsse die überreiche, worin alle unsere Klagepunkt ufgeschriebe stehe und die Supplik will ich Euch ufsetze, und das umsonst, ver­steht sich. Kein' rothe Heller soll's Euch koste."

Was brohgd am Gäld ze lein? Wann machs ooch zweehunnerd Gille koscht, aich kann's mande- neere 6), sagte der geschmeichelte Fiddemüller, der e schwirer Mann" 7) war und dafür bekannt bei Alt und Jung.

--Awwer, Herr Syndefus, erinnerte der Alte aus Wohra wiederum, Hej muß san grausam gaure Kobb zcsammenehme, fahr ech, unn aamohl fer alle- mohl verzehle, wej mer uns geuhzd hodd, unn wej mer dorch Schaare kli-er worr'n sinn, sahr ech, und uns net mej uhze lasse wolln 8).

4) Ei, vier Poststundcn; man geht's in dreien.

5) Der liegt ja schlecht krank.

6) Was braucht am Geld zu liegen? Wenn mich's auch zweihundert Gulden kostet, ich kann's mainteniren.

7) Ein schwerer (reicher) Mann.

8) Aber, Herr Syndikus, Er muß Seinen grausam guten