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in den ungarischen Regimentern standen, treulos ab, und obendrein durch den Verrath des Generals Moga werden die Insurgenten in ihrem Weitermarsche aus- gehalten; Kossuth reist zur Armee, kommt den 29. daselbst an, läßt 122 Officiere zur standrechtlichen Be­handlung nach Pesth abführen und begibt sich eiligst selbst dahin, um Alles zu leiten. Jetzt kann sich erst die ungarische Heeresmacht in weitere Bewegung setzen, aber unterdessen hat Wien den 30. Oktober die Kapi­tulation mit Windischgrätz abgeschlossen und als am 31. Oktober die Ungarn heranrücken, werden sie bei Schwechat geschlagen und Windischgrätz sieht dieß für einen Bruch der Kapitulation an. Das Weitere ist bekannt. Den 2. December dankt Kaiser Ferdinand ab. Den 15. verwirft der ungarische gesetzliche Land­tag einstimmig den Thronwechsel, weil er ohne Ein­willigung desselben eigenmächtig vollzogen wurde. An selbem Tage werden Eperics, Kaschau und die- monos von k. k. Truppen besetzt. Den 18. Decem­ber gelingt ohne Schwertstreich Windischgrätz die Ein­nahme von Preßburg, den 27. die Einnahme von Raab und den 29. besetzt General Bem Klausenburg und vollendet die Wiedereroberung Siebenbürgens für Ute Ungarn. Den 30. Dec. endlich beschließt Kossuth die Aufgabe von Pesth, und die Verlegung der Re­gierung nach Debreczin.

Das Weitere aus Kossuth's Leben ist nun auch für Deutschland zu bekannt, theils aber wieder in zu großen Giebel von Lügen und falschen Nachrichten ge­hüllt, als daß ich es wagen dürfte, Weiteres anzuführen, bis die Zeit den gerechten, edlen und großen Kamps der ungarischen Nation, sammt dem Schicksale ihrer Führer, zu irgend einer Entscheidung gebracht hat.

Ueber Kossuth selbst ist noch zu sagen, daß er als Journalist, wenn es galt, den Patriotismus anzusla- cheln, pomphaft, poetisch, hinreißend schrieb, sobald es sich aber um Zahlen handelte, knapp, klar und kurz. Dazu kommt sein encyklopädisches Wissen, seine im­mense Belesenheit und sein wirklich gründliches Er­fassen. Als Redner dagegen ist er stets enthusias- mirend, alle Leidenschaften aufregend, gewaltig, oft ohne es zu wollen etwas Schauspieler; er wird durch

ein sondres sehr starkes Organ, welches jede Ge­müthsbewegung nachahmt, bedeutend unterstützt. Um seine Rednermacht etwas anschaulich zu machen, will ich nur sagen, daß es eben kein Wunder ist, wenn Kossuth seine Landsleute in ungarischer Sprache enthu- siasmirt; dagegen wird es überraschen, wenn man, wie ich, Kossuth die Budaörher Schwaben in deut­scher und die Slaven der Bergstädte in slovakischer Sprache hat in namenloses Auflodern bringen sehen. Ja bei einer Kongregation in Sümög gewann er den ganzen katholischen Klerus für sich, indem er ihn la­teinisch haranguirte. Kossuth's Reisen aber beschrän­ken sich bloß auf eine kurze Tour über Wien, Dres­den, Leipzig, Berlin, Hamburg, London, Paris, Hei­delberg , zurück nach Ungarn im Frühjahre 1846. Sein Aeußeres ist schon und imponirend, sein Kopf ganz orientalisch. In Gesellschaft ist er bezaubernd, und wacker und brav im Familienleben. Seine Frau, eine gehonte Meßlenyi, die Schwester des Komman­danten der Festung Komorn und Mutter von drei Kindern, wird bekanntlich von der rohen Solvaten- wirthschaft des Prvfoßen Windischgrätz auch steckbries- lich verfolgt und im Steckbrief so bezeichnet: trägt sich elegant und besitzt eine große Bildung, wodurch sie geläufig französisch, englisch, deutsch, slovakisch und wala- chisch, neben ihrer Heimatbssprache spricht. (Egyhaznp.)

Auf Helgoland.

Sonette von Fr. Oetker.

X. Letzter Blick.

Ich weiß ja nicht von Deinen selig hellen Geliebten Augen, süßes Weib, zu scheiden! Mag je der Lenz die Gluth der Sonne meiden? Der Baum das Licht und der Delphin die Wellen?

DaS Reh des WaldeS sucht die frischen Quellen, Die Heerde geht, in Frühlingsgrün zu weiden: Soll ich das Weh der dunklen Ferne leiden, Wenn Deine Sterne noch die Nähe Hellen?

O laß mich stelln vor Deinem Angesichte, In stummer Liebe bebend nicdcrsinken, Nur ein Mal all die heißen Gluthcn trinken,

Berauschen mich in Deinem Seclcn-Lichtc! Dann fahre wohl! ich weiß, cs muß geschehen, Daß unsre Wimpel nicht gemeinsam wehen.

Verantwortlicher Herausgeber: Fr. Oetker Druck von Fr. Scheel in Kassel.