Einzelbild herunterladen
 
  

95 —

wir, daß auf der Bank vor uns Minister sitzen, die auf Frag' und Antwort Rede stehen. Wir wollen von heute an ein ungarisches Ministerium." Der Reichstag beschließt eine Absendung an den König.

März 1848.

Der Leser sieht also, daß Kossuth gar Vieles vor der Revolution schon errang, was in Deutschland erst nach der Revolution errungen wurde.

An dem Tage, als in Paris die Republik feier­lichst proklamirt wurde, den 27. Februar, traf die Nachricht von der Revolution des 22. Februar in Preßburg ein. Kossuth organisirte nun die verschiede­nen Meinungen, und den 3. März verlangt er beim Reichstag die sämmtlichen konstitutionellen Garantien, welche das Haus Oesterreich auf ungarischem Throne seit 300 Jahren beschworen , noch nie aber eingeführt hatte. Er spricht zuerst jene berühmten Worte, welche die wiener Revolution herbeiführen. Darauf stellt er sich an die Spitze der Deputation, welche am 16. März in Wien ankommt, und erringt ein selbstständi­ges ungarisches Ministerium, und setzt den 18. März den Beschluß der Unvahl und Aufhebung aller politi­schen Privilegien beim Reichstage in Pesth durch. Von dieser Zeit an war er der ehrlichste Anhänger der Dynastie Habsburg, und nie hatte er eine Los- reißung Ungarns von Oesterreich nur mit einem Worte berührt, ja er war bis zum äußersten Augen­blick der Verfolger jeder solchen Ansicht. Erst aber, als er sah, wie niederträchtig und wortbrüchig die Kamarilla mit Ungarn spielte, nahm er gezwungen seine jetzige Stellung ein. Den 11. April sanktionirte der König die ungarischen Koncessionen. Den 15. Mai beantragt Kossuth eine Deputation nach Frank­furt mit den Worten: Die ungarische Nation sei berufen, mit der freien deutschen Nation, und die deutsche Nation, mit der freien ungarischen Nation in innigen und freundschaftlichen Verhältnissen zu leben und vereint zu wachen über die Civilisation des Ostens.

Am 24. April gelingt ihm die volle Aufhebung der Roboth und des Zehent, ohne Ablösung und mit Entschädigung durch den Staat. Den 10. Juni ge­nehmigt der König die Union Siebenbürgens mit

Ungarn und schickt auf Kossuth's Antrag das Ab- setzungsdekret an den Banus von Kroatien, Jelachich, welcher das ungarische Ministerium nicht anerkennen will, sowie das bekannte Manifest an die Kroaten. Den 11. Juni wird Kossuth Finanzminister; den 17. Juni bricht durch Anstiften der österreichischen Kama­rilla der Krieg der Serben gegen die Ungarn und ihr Ministerium aus; den 20. Juni erhält der Banus Jelachich Audienz bei dem Kaiser in Innsbruck, und der Kaiser nimmt seine gerechte Absetzung zurück und wird gegen Ungarn wortbrüchig. Den 11. Juli hält Kossuth vor dem gesammten Repräsentantenhaus seine große, berühmte Rede und fordert 200,000 Mann Soldaten, sowie 42 Millionen, woraus sich das ganze Haus einstimmig erhebt und die Hand zum Schwur haltend, ruft: „Wir geben sie". Den 25. August erscheint die offene Kriegserklärung Jelachich's gegen Ungarn.

Den 4. September hält Kossuth seine Rede über das Unrecht und die offene Rebellion der Kroaten und verlangt 80 Millionen, welche ihm abermals be­willigt werden; den 7. September sendet er die De­putation von 200 Reichstagsmitgliedern an den Kö­nig nach Wien, ob er die Konstitution, die Märzer- rungcnschaftcn aufrecht halten und demnach den Krieg mit Kroatien beilegen wolle? Die Deputation erhält bekanntlich eine ausweichende, ja geradezu abschlägige Antwort. Den 20. September wird Kossuth Mini­sterpräsident, den 24. September verläßt Erzherzog Stephan heimlich die ungarische Armee; den 25. grün­det Kossuth den Landesvertheidigungsverein. Den 26. erscheint „das kaiserliche Manifest an die Ungarn". Den 30. September erklärt Kossuth das kaiserliche Manifest für ungesetzlich, da es der Gegenzeichnung eines ungarischen Ministers entbehrt. Den 1. Oktober läßt er den Verräther Grafen Edmund Zichy standrecht­lich auf der Insel Csepel hängen, da er von Wien aus Waffen an Jelachich ablieferte, und den 6. Okt. bricht die große Revolution in Wien aus. Kossuth sendet nun alle Truppen den bedrängten Wienern zu Hülfe, welche sich den 21. Oktober mit dem österrei­chischen Militär bei Parendorf schlagen. Den 23. fallen aber die meisten österreichischen Officiere, welche