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die Konstitution sie nirgends erwähnt, und da Ungarn nur durch die sechshundertjährige Konstitution (Bulla aurea 1222) regiert werden konnte, so war natürlich Alles erlaubt, was nicht verboten war. Die Regie­rung aber übte seit den letzten 50 Jahren de facto eine Censur der niederträchtigsten Willkür aus. Sie verbot zwar keine Bücher und Zeitungen, sie stellte deren Verfasser niemals vor ein Gericht, noch daß sie konfiszirte, aber sie ließ jeden ihr lieben Autor geheim einsangen und entzog ihn dem Licht der Welt, wäh­rend sie Jedem in's Angesicht behauptete, Nichts von dem Verlorengegangenen zu wissen. So geschah es von 1800 an über vierzig ungarischen Schriftstellern und Staatsmännern, so geschah es 1836 auch mit Kossuth. Die Regierung wandte besonders ihre ganze Thätigkeit auf, um bei'm Landtage keine Stenographen zuzulassen. Somit kamen die Reden bloß nacherzählt andern Tags in die Zeitung; Kossuth, eben bei Be­ginn des Reichstages 1835 sich in Preßburg aufhal­tend und bloß dadurch bekannt, daß er Klubs unter den jungen Leuten für politische Besprechungen stiftete, lernte die Stenographie, und hatte den Muth, diese steno­graphischen Berichte lithographirt als Zeitung auszu­geben. Wie ein wüthendes Thier stürzte nun die Re­gierung offen und besonders geheim über diesen ge­rechten Streich her, sie ließ die Posten eröffnen, nahm die Blätter aus den Briefcouverten und vernichtete sie durch geheimen Aufkauf; Kossuth aber forderte sie auf, seine Zeitung einzustellen. Nun nahm sich das Volk der Sache an, die Zeitung wurde nicht mehr durch die Post erpedirt, sondern die unantastbaren Gerichts­diener der freien Komitate trugen die Blätter jedem Abonnenten in's Haus, und das pesther Komitat er­mächtigte Kossuth gesetzlich, trotz dem Willen der Re­gierung das Journal herauszugeben. Und somit ging die Sache einige Monate ohne Störung. Da wurde der so energische, große und kühne Landtag am 2. Mai 1836 plötzlich vom König geschlossen. Alles ging nach Pesty und der Reichsdeputirte Baron Wesselènyi, der ärgste Feind und gefährlichste Angreifer der Regierung, der Redakteur Ludwig Kossuth, sowie die juristischen Studirenden Lovassi, Asttalos, Kovacs und Pulßky,

welche die bedeutendsten Leiter der politischen Privat­vereine waren, verschwanden eines Tages spurlos, blieben verschwunden, trotz dem jähen Aufschrei der empörten Nation, trotz dem Toben und den Forde­rungen der Parteien, trotz den Nachforschungen ihrer Freunde und ihrer Familien. Die Regierung aber erklärte, sie wisse nicht das Geringste von diesen sechs verloren gegangenen Personen. 1839 fanden sich plötz­lich alle sechs wieder in dem Schoß ihrer Familien ein, jedoch Baron Wesselènyi blind, Lovassy wahn­sinnig, die andern alle schwer krank, nur Kossuth's Natur hatte der dreijährige Kerker nicht beugen können. Da diesen Opfern bei ihrer geheimen Arretirung 1836 die Augen verbunden wurden, in ihrem dunklen, feuch­ten, gräßlichen Kerker sie aber Nichts sehen konnten, und sie auch wieder 1839 mit verbundenen Augen freigelassen wurden, so wußten sie so wenig wie der nürnberger Kaspar Hauser, in welches Gefängniß sie gesteckt waren; die gerechte Wuth der Nation war gränzenlos, aber ohnmächtig.

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Nun war Kossuth ein populärer Mann durch sein Märtyrerthum für die gute Sache, und er wirkte nach allen Seiten als Patriot. Da begegnen sich eines schönen Tages in der Waitnergasse zu Pcsth Kossuth und der Buchhändler Gustav Heckenast. Letzterer sieht sehr verzweifelt aus und erzählt: „Denken Sie sich, da erhalte ich die Erlaubniß zur Herausgabe einer ungarischen politischen Zeitung, und morgen soll das Blatt erscheinen, da läßt mir heute der Redakteur sagen, er trete ab und könne für mich nicht wirken. Es ist nun schon 11 Uhr und morgen soll das erste Blatt erscheinen und noch ist keine Zeile geschrieben, und somit Nichts gedruckt." — „Nun, mein lieber Heckenast," sagte darauf Kossuth, „das muß Sie nicht gleich entmuthigen, ich habe jetzt nicht viel zu thun, ich werde Ihr Blatt redigiren, aber Sie müssen ver­schwiegen sein"

Diese Zeitung hieß „Pesti Hirlap“ (Pesther Kun­denblatt) und erschien zuerst 1840 den 12. Juli, ohne Namen eines Redakteurs, denn Kossuth nannte sich erst zwei Jahre darauf. Es hatte im Juli 1840