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Im Jahre 1833 ging Bem nach Portugal, um der Sache Don Pedro's seine Kräfte zu widmen, lehrte nach dessen Tode nach Paris zurück, und be­trieb, da er für den Augenblick seinem Vaterlande nicht besser zu dienen wußte, mit seltener Ausdauer die Verbreitung und Verbesserung der mnemonischen, sogenannten polnischen Methode, die denn auch in mehreren Anstalten daselbst Eingang gefunden hat. Die letzten Lebensjahre Bems werden der neuen Epoche angehören, welche, mit der Februar-Revolution be­ginnend , bestimmt scheint, der alten Welt eine durch und durch veränderte Gestaltung zu geben. Alles, was er bis jetzt in ihr geleistet hat, ist bei uns noch in frischer Erinnerung; es bedarf also nur einiger Worte, um die Skizze bis auf unsere Tage zu ver­vollständigen.

Gleich nach seiner Ankunft in Wien organisirte Bem die Wehrmannschaft und wurde deren Komman­dant. Nach dem Bombardement der unglücklichen Kaiserstadt wurde ein Preis auf seinen Kopf gesetzt; er rettete sich, indem er als Lohnkutscher, der eine österreichische Officierfamilie durch die Linien fuhr, den Händen seiner Feinde und dem gewissen Tode entrann.

Nach so viel Mißgeschick hätte gewiß mancher An­dere, besonders bei schon ziemlich vorgerücktem Alter, daran gedacht, von der Arbeit und den Milben eines so bewegten Lebens auszuruhen. Der rastlose Bem war anderer Ansicht, und begann so zu sagen eine neue militärische Laufbahn mit dem vollen Feuer und der Thätigkeit der Jugend. Es ist nur zu bedauern, daß die Nation, welcher er so ungeheure Dienste lei­stet, ihn nicht früher an die Spitze der bewaffneten Macht gestellt hat. Geht Ungarn siegreich aus dem Kampfe hervor, wie es den Anschein hat, so verdient der polnische Held einen der ersten Plätze unter dessen Befreiern. Das Schicksal hat es gewollt, daß vor­zugsweise drei Polen jetzt die öffentliche Aufmerksam­keit auf sich ziehen und die Neuzeit gegen die alte zu Felde führen. Der alte Dembinski, dieser Xenophon unseres Jahrhunderts, Chrzanowski und Bem, alle Drei haben sich im letzten polnischen Kriege ausge­zeichnet, und während ihrer langen Verbannung die

unzweideutigsten Beweise ächter Vaterlandsliebe ge­geben. Heute kämpfen sie für fremde Nationalitäten.

Ludwig K o ssutb *). (Eine biographische Skizze.)

Dieser Mann wurde den 27. April 1806 im Zempliner Komitate seinem Vater, einem alten Edel­mann, aber aus Noth Schreiber eines um Vieles mehr begüterten Rangesgenossen, geboren. Ueber seine Knabenjahre ist Nichts zu sagen, doch als sechszehn­jähriger junger Mann ging er nach Pesth, um an der dortigen Universität die Rechte zu studiren. Seine große Armuth und sein Fleiß warben ihm einige Gönner an, und mehrere Reichstagsdeputirte, welche damals in Pesth lebten, kleideten und speisten ihn und zahlten seine Studien, auch wohl manchmal seine Schulden.

Als Advokat nach zurückgelegter Studienzeit ver­diente er sich wohl wenig, aber noch genug zu seiner Selbstständigkeit, und nach Verlauf mehrerer Entpup- pungsjabre trat er mit Einem Schritt mitten in die Arena der edlen und nun so unglücklichen Kämpfe der ungarischen Oppositions- und Reformpartei, und ist bis heute noch nicht aus ibr gewichen. Demnach zerfällt die Wichtigkeit von Kossuth's Leben für seine Nation, als wie für die ganze liberale Welt Europa's, in fünf gleichbedeutende, wenn auch in ihrem Wirken verschiedenartige Epochen:

1836. Kossuth's Arretirung.

1840. Seine Redaktion der Zeitschrift Pesti Hirlap.

1844. Seine Gründung des Schutzvereins.

1847. Seine Wahl als Deputirter zum Reichstag.

1848. Seine Erringnisse im März; Kossuth als Minister, als Diktator und als Agitator. Ich werde diese Epochen der Reihe nach erzählen.

1 83 6.

Ungarn besaß de jure niemals eine Censur, indem

*) sprich Koschschuth, nicht Kossuth.