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zur Reuen HeMfchen Zeitung»

M 21 Sonntag den 27. Mai 1S49.

Drei Kapitel aus Dingelstedt's Roman:

Sieben Jahre.

Ascher - Mittwoch.

(Schluß.)

Athemlos stürzten die Flüchtlinge den jähen Ab­hang hinunter und erreichten glücklich die Brücke, welche über die kleine Fulda führt. Aber hinter sich hörten sie bereits die Verfolger. Bercagny war nicht müssig gewesen; auf das erste Zeichen setzte sein Befehl alles in Bewegung. Eine wilde Jagd raste bei Fackelschein bergunter hinter dem durchgebrochenen Thiere drein.

Der Tiroler faßte, ohne im Laufen einzuhalten, Marie in die Arme und trug sie, wie ein Kind, da­von. Valentin hielt wacker an seiner Seite. Sic hatten einen ordentlichen Vorsprung, dafür die Nach- setzenden aber vor ihnen den Vortheil, nicht durch die lästige Maskentracht, den flatternden Domino, im Ren­nen gehindert zu werden.

Die Partie", keuchte Valentin,steht ungleich; rette Dich, Kamerad, wirf Dich rechts in sie große Au, laß mich und das Mädchen im Stich. Uns wer­den sie so viel nicht anbaben, auch wenn sie uns er­wischen."

Sie sollen Euch kein Haar auf Eurem Haupte krümmen, so lange ich es zu hindern vermag. Sprich, Bruderherz, ist hier kein Haus, keine Wache in der Nähe, daß wir in einen Hinterhalt fallen?

Keine; die Orangerie liegt weit rechts ab."

Da halten wir uns also links. Ich höre dort das Wasser rauschen. Wie weit ist's bis zum Fulda- Ufer? -

Kaum hundert Schritt!"

Gewonnen! Du schwimmst doch? Das Kind

trag' ich hinüber, daß ihr kaum die Knie genetzt wer­den sollen.

Besser wie das. Am Ufer liegen ja die beiden Kähne, welche zu der holländischen Zjacht des Königs gehören."

Daun ist's also eine bloße Lustpartie, ein Schif­ferstechen bei Nacht. Als vorauf, Brüderl; ich folge schon mit der Kleinen.

Noch ein paar angstvolle Minuten, und die Flücht­linge standen am linken Fulda-Ufer, unweit der Stelle, wo der Arm der kleinen Fulda sich mit dem Haupt­fluß einigt. Unten lagen richtig die beiden Boote. Valentin, der Erste in dem nächsten, dachte im Ein- sprung daran, wie ganz anders er damals mit Ealiste und Gabriele, an einem warmen Sommerabend zu einer lustigen Wasserpartie, dies kleine schmucke Fahrzeug bestiegen. Jetzt setzte ein fremder Mann, den er nicht kannte, seine arme Schwester auf dieselbe Bank, wo die beiden Frauen gesessen...... Dock­es war keine Zeit zu solchen Erinnerungen. Mit rie­senhafter Kraft, Fuß und Hand zumal gebrauchend, sprengte der Tiroler die Kette, welche beide Kähne an das Land fesselte; den einen ließ er, mit einem tüch­tigen Stoß vom Lande ab, leer hinuntertreiben, und ergriff mit Valentin die Ruder des zweiten. Dieser rief ihm zu:Nur hinüber, so kurz durchschneidend, wie möglich; in der Unterneustadt sind wir in Sicher­heit !"

Alles dies, was wir mit vielen Worten erzählen, war das Werk nicht so vieler Augenblicke. Der Nachen mit den drei Geretteten war schon hübsch weit vom Ufer entfernt, als die Verfolger am Landungsplätze ankamen. Das Geräusch des Ruderschlages mehr als der kaum sichtbare graue Schatten eines Nachens, der wie Charons Boot dahintrieb, verrieth diesen die