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zur WW HeMMen Zeitung»

J£ 2V Sonntag den 20. Mai 18419t

Drei Kapitel aus Dingelstedt's Roman:

Sieben Jahre.

Ascher - Mittwoch.

(Fortsetzung.)

So schien die Falle hinter ihm geschlossen: er drin. Betreten schlichen die Mitwisser um den gefährlichen Scherz an einander hin. Nur der Tiroler und der alte Liebesgott blieben unverändert dieselben. Und doch hatten sie blos eine Stunde noch, kaum eine kurze Stunde bis zu der verderblichen Entdeckung. Als wäre nichts geschehen, mischten sie sich, während ihre Gegner alle Posten besetzten, neckend und schäkernd unter die Damen der Königin. Gabriele war unter diesen. An sie richtete der Tiroler französisch die Frage, ob sie denn auch, als jüngste der Hofdamen, das Ge­lübde derselben bereits abgelegt und zwar in der rich­tigen Haltung? — „Ich weiß nicht," erwiderte Ga­briele erröthend, „welches Gelübde Sie meinen, mein Herr?" — Nun, das bekannte: Fidél ité â la Reine, obéissance au RoL Sie wissen doch, daß alle Damen es in der Stellung der medizäischen Venus ausspre­chen?! — Des Marquis heiseres Lachen an ihrer Seite unterrichtete das tief erbleichende Mädchen, wem sie diese bittere Kränkung verdankte. Erzürnt wollte sie hinwegeilen, aber der Marquis hielt sie fest an der Hand und rief aus: „Eh, ma nièce, Sie werden doch nicht strenger sein wollen, als die Königin selbst? Leben und leben lassen!" — Valentin, der sich, je höher die Gefahr stieg, um so näher dem Tiroler gehalten hatte, war auch Zeuge dieses Auftrittes gewesen. Vor Wuth kochend, trat er auf den Tiroler zu und flüsterte ihm zu: „Herr, wer Sie auch sein mögen, ich rechne dar­auf, daß Sie mir Genugthuung geben für den, dieser

Dame zugefügten Schimpf." Der Tiroler entgegnete in gleicher Aufwallung: Sobald Sie wollen, sobald ich kann. — Der Marquis trennte die beiden von einander und sprach leise mit Valentin; seine letzten Worte waren: „Gedenke Deines Eides!" — Valen­tin — schwieg; er mußte gehorchen, mußte den Mann zu schützen geloben, welcher eben sein Liebstes auf der Welt muthwillig und frech verletzt, mußte mit ihm zu fliehen sich bereit erklären, obgleich er Alles zurückließ, was ihm theuer. Er knirschte in seine Ketten, wäh­rend Gabriele flehende und angstvolle Blicke auf ihn heftete.

Es war zwölf Uhr lang vorüber. Jedes fallende Sandkorn mehrte die Gefahr, worin die räthfelhafte Maske schwebte. Schon schlossen sich, ihres Inhaltes ledig, hier und da die Buden, und des Jahrmarktes Gruppen verliefen. Einige Contretänze noch, und das Souper begann. Der Marquis gab endlich das ver­abredete Zeichen zur Flucht. „Es ist Zeit", raunte er Valentin zu. „Reiche meiner Nichte den Arm, im Spielzimmer finden wir uns. Wir folgen sogleich."

Valentin that, wie ihm geheißen. Der Geliebten Hand zitterte fühlbar an seiner Brust; in ihrem Auge standen Thränen. „Gabriele"-, sprach er innig zu ihr, „verdammen Sie mich nicht ungehört; es ist vielleicht das letzte Mal, daß wir uns sehen, daß meine Stimme an Ihr Herz dringt, — darum verschließen Sie mir es nicht!"

— Sie haben Recht; es ist das letzte Mal; Sie sind verloren. —

„Gabriele!"

— Je näher Sie jenem entsetzlichen Mann ange­hören, der sich meinen Oheim nennt, um desto weiter entfernen Sie sich von mir. —

„Welch neues Räthsel!"