Unterhaltungsblatt
zur Neu« HeWfchen ZeitANg.
M iS Sonntag den 1<L Mai 1S49*
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Drei Kapitel aus Dingelstedts Roman:
Sieben Jahre.
Ascher - Mittwoch.
'...._ Adieu donc! — C’est moi qui fait ta perte;
Oü vas-tu? Viens, lüyons par cetle porte ouverte! — Dien, laisser nies amis! Que dis-tu? — Ces claineurs Me brisent. Souviens-toi que si tu meurs, je ineurs. — Un baiser! — Mon époux, mon Hemani, mon maitre ! — Hélas, c'est le premicr! — C’est le dernier peut-ètre!
V. H u g o.
Der Segen des alten Liebesgottes blieb, obgleich von einem wahrhaft teuflischen Grinsen begleitet, nicht ohne gute und rasche Wirkung. Kaum war Valentin in den goldenen Saal eingetreten, wo der Jahrmarkt in vollem Gange sich befand, so hing ein liefländisches Bauernmädchen an seinem Arm, das er, auch ohne auf die langen blonden Zöpfe zu sehen oder in das Geheimniß der sammetnen Halblarve cinzu- dringen, am Schlagen seines Herzens für Gabriele erkannte. Sie flüsterte ihm hastig zu: „Endlich finde ich Sie. Seit einer Stunde spähe ich in allen Ecken des Saales nach der Fledermaus." — Woher wußten Sie, daß ich unter dieser Verkleidung zu suchen sei?
— „Caliste hat Sie verrathen. Doch es handelt sich nicht um eine Frauen -Intrigue. Sagen Sie mir, was um uns vorgeht? Seit vorgestern Abend bemerke ich im Hause des Marquis auf's Neue jene unheimlichen Bewegungen, die mir so verdächtig, so widerwärtig sind. Fremde Leute kommen und gehen. Er selbst ist von einer Lustigkeit, die ich furchtbar nennen würde, wenn sie nicht noch mehr abscheulich wäre." Sie kennen ja die wunderliche Art Ihres Oheims genug, um zu wissen, daß nicht immer viel hinter seinen Spässen steckt. — „Glauben Sie, diese würden
mich kümmern, so lange sie nur ihn und seine Plane betreffen? Nein, erst seit ich weiß, oder doch zu wissen glaube, was er mit Ihnen beabsichtigt, wie er Sie in einen Kreis gewaltsam hineinzieht, den: ich Sie ewig hätte fern sehen mögen, erst seit dieser Zeit bin ich aufmerksam auf alles geworden, was durch ihn um Sie sich anspinnt und ausbrütet." — Wie dank' ich Ihnen diese Theilnahme! — „Danken Sie sie Ihrem offenen und geraden Wesen, das nicht zu Grunde gehen soll als Opfer nichtswürdiger Parteizwecke und gefahrvoller Verschwörungen." — Wenn Sie mich an denselben betheiligt glauben, dürfen Sie wenigstens vorausfetzen, daß Zweck und Mittel auch vor Ihren: reinen Auge rein dastehen würden. — „So weit sie von Ihnen gekannt sind! Allein ahnen Sie denn nur, wer Sie mißbraucht, während Sie, vielleicht im Dienst der besten Sache, gebraucht zu werden glauben? Sind Sie sich selbst klar über das, was Sie wollen? Geschweige denn über das, was Andere für sich und was sie mit Ihnen vorhaben?" — Mein Fräulein! — „O nicht doch, mein Freund! Nicht diesen empfindlichen, verletzten Ton! Zch meine es gut mit Ihnen, recht, recht gut; lassen Sie meine Warnung darum sich iinmerhin gefallen." — Es macht mich unaussprechlich glücklich, wenn ich sie als ein Zeichen persönlicher Theilnahme begrüßen darf. Sie glauben nicht, mein Fräulein, wie schwer ich in der letzten Zeit gekämpft, wie sehnlichst ich nach einen: Worte der Verständigung mit Ihnen, mit mir selbst verlangt habe! Und jetzt, da mir das Glück die Gunst eines so kostbaren Augenblicks in den Schoos wirft, jetzt müssen fremde Gedanken, Sorgen um Andere mich von Ihrer Seite reißen. — „Was haben Sie?" — Einen Freund zu hüten, den ich im Gedränge zu lange schon verlor. „Und dieser Freund, wer ist es? Verschweigen Sie