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„hoffähig" macht. Treten wir ein in den goldenen Saal, dessen stolz geschwungene Wölbung und weiß- gypsernes Laubwerk von den majestätischen Weisen der ersten Polonaise bald widerhallen wird, dessen reiche Vergoldung in hundert Spiegeln bei dem Schein von tausend und abertausend Kerzen flammend sich wiederholt, dessen ganze Länge, 150 Fuß, dessen ganze Breite, 40 Fuß, von einem Gewirr der malerischesten Trachten, von einem Geschwirrt der süßesten Stimmen belebt ist. Treten wir ein!
Aber halt! Fesselt uns nicht auf der Schwelle ein Gefühl eigenthümlicher Wehmuth und gespenstischen Schauders, wenn vorübergehend ein kalter Hauch der Wirklichkeit durch das bunte Reich unserer Dichtung streift? Dieser Hauch kommt aus dem Grabe; er wehet wie Moderduft unsere glühende Stirne an! Wo sind sie, jene weiten Säle, jene glänzenden Räume? — In Asche zerstoben, in Staub verflogen; längst, längst! Wo sind sie jene glühenden Blicke, die aus dem Sammt der Halblava uns entgegenlodern, jene herrlichen, hochgegürteten Gestalten, die im verschlungenen Reigen vorüberschweben, jene weißen Schultern und runden Arme und fliegenden Busen, dem begehrlichen Auge des Mannes und dein lüsternen Spiele ves Lichtes gleich preisgegeben, jene duftenden Locken und funkelnden Diademe, jene wallenden Gewänder und bauschenden Mäntel, jene fantastischen Verhüllungen und Verwandlungen, worunter Liebe und Leidenschaft einander suchen und finden, anziehen und abstoßen, umfassen und verlassen?? — In Asche zerstoben , in Staub verflogen; längst, längst! Vielleicht daß hier und da ein Haupt noch unter den Lebendigen ragt, welches damals den priesterlichen Kranz der Freude vollgrünend mitgetragen; aber das Haar dieses Hauptes ist grau geworden, wie sein Kranz welk. Vielleicht, daß mancher Fuß, welcher damals beflügelt über das glatte Parkett hinglitt, durch die Wüste des Alters noch jetzt sich langsam fortschleppt. Die Andern, die Meisten — in Asche zerstoben, in Staub verflogen; längst, längst!
Nein, abgeschüttelt die ernste Mahnung an das Vergängliche des Vergangenen; dieß soll noch einmal wirklich, soll gegenwärtig werden unter dem Zauber
stabe der Dichtkunst. Das Grab gibt seine Todten zurück; die Schatten erstehen in Fülle und Frische des Lebens. Wie Oberons Horn ruft und lockt die scbmet- ternde Fanfare vom Orchester. Komm! Deinen Arm schöne Leserin; und mitten hinein stürzen wir in den festlichen Jubel, in einen überschäumenden Strom, dessen Wellen hoch über uns zusammenschlagen!
Neun Uhr Abends. Der Hof ist noch nicht da; so haben wir Zeit uns umzuschauen. Zuerst in dem golknen Saale, welcher heute mehr noch als sonst durch prachtvolle Ausschmückung und Erleuchtung sci- nem Namen Ehre macht. In den breiten Fenster- vertiefungen sind, Ueberraschung und quälendes Geheimniß für die Zuschauerinnen, kleine zierliche Buden angebracht, den Verkaufsständen einer Messe nacbge- bildet. Kleine Spiegelfenster, aber noch durch innere Sammtvorhängc verhüllt, lassen nur errathen, was dieselben bergen, und wenig deutlicher sprechen es die sinnreichen Inschriften über der Thüre einer jeden aus. Da liest man: Aux douceurs — Au volagc — Au bon persil tendre — A la marmotte — Aux oeufs frais de Lyon — A la bonté — A la liberalité — A l’aigre- doux, — und was dergleichen allegorische und nicht- allegorische Bezeichnungen mehr sind. Um diese Buden drängt sich, vor ihrer Eröffnung schon, die neugierige und kauflustige Menge der weiblichen Masken. Selbst unter der Verkleidung können wir aus ihrer Mitte das deutsche Blut und das fremde scheiden. Sie ragen hervor und gewinnen den Preis der Schönheit, die vollen, hohen deutschen Gestalten, die Töchter altadeliger Geschlechter aus Preußen, Hannover, Hessen, Braunschweig, die Scheele, die Hardenberg, die Oberg, die Löwenstein, die Truchseß: berühmte Sterne der germanischen Heraldik, welche cs nicht verschmähten, um den korsischen Kometen ihre feiernde Bahn zu ziehen und den Liebeshof dieses neuen provenca- lischen Fabelkönigs zu schmücken. Neben ihnen das kleine, zarte, schwarzäugige, bewegliche Franzosenthum: Madame Boucheporn, das einzige Kind eines Präfekten im fränkischen Kaiserreich, in Kassel die Gattin des Präfekten des königlichen Palastes, — Madame Simeon, des Ministers Schwiegertochter, eine kernige Pariserin, bis zur Derbheit natürlich, voll gaukelnder