Unterhaltungsblatt
Mr Muen Heffifchen ZeitUNg.
^. 17. Sonntag den 2N April 18^9.
Drei Kapitel aus Dingelstedts Roman: Sieben Jahre.
Faschings - Dinstag *)
Questo sicuro e gaudioso regno Frequente in gente anliea ed in novella, Viso ed amore avea tutto ad un segno. Dante, Paradiso.
Gegrüßct seid mir, cdlc Herrn, Gegrüßt ihr, schöne Damen! Welch reicher Himmel! Stern bei Stern! Wer kennet ihre Namen?
Im Saal voll Pracht und Herrlichkeit Schließt, Augen, euch; hier ist nicht Zeit, Sich staunend zu ergötzen.
Göth c.
Lebhafter und lustiger hat die Stadt Kassel in allen ihren zahlreichen Wandlungen alter und neuer Form seine Zeit gekannt, als den Karneval des Jahres 1809. Mit der zweiten Woche desselben nahmen, auf jeden Donnerstag fallend, die öffentlichen Masken- und Kostüm-Bälle ihren Anfang, auf denen auch der Hof mit glänzendem Gefolge zu erscheinen pflegte. Der König sand so großen Geschmack an diesem Vergnügen, daß im Schlosse wiederholte Frei-Redouten gegeben wurden, zu denen in leichtherziger, nicht immer wählerischer Verschwendung Einladungen an Einheimische und Fremde ergingen. Es ist schwer, von der
*) Dieß zweite Bruchstück ist dem fünften Buche entnommen, dessen drittes und folgendes Kapitel cs bildet. — Wie ich höre, sind einzelne Angaben in meiner ersten Mittheilung (Nr. 9 und 10 d. Bl.) als geschichtlich unrichtig von zeitkundigen Lesern bezeichnet worden; dieselben meinten namentlich: daß König und Königin gleichzeitig in Kassel eingezogen, sei eine poetische Licenz, die ich mir genommen. Ich verweise solche Kritik einfach auf den „Moniteur"; meine Schilderung war bis ins Buchstäbliche treu.
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rauschenden Bewegung auch nur ein schwaches Bild zu geben, die um jene Zeit Straßen und Plätze vom frühen Morgen bis in die späte, sinkende Nacht durchströmte. Gerassel der Wagen, alle Gassen auf und alle Gassen nieder, — in allen Läden unaufhörliches Gedränge kauflustiger Herren und Frauen, — überall plaudernde Gruppen, die von den Geheimnissen ihrer Verkleidung sich unterhielten und im Schutze vollkommenster Maskenfreiheit zarte Neckereien und Intriguen verabredeten, — alle Schneider und Schneiderinnen in athem- loser Verzweiflung, — alle Kaufleute in händereibendem Jubel über das Aufschlagen selbst der festesten Preise für ein Stück Seide oder Tafft, eine Elle Band oder Borte, eine Glas- und Spiegel-Scherbe, — alle Lieferanten des Hofs und der vornehmen Häuser in ihrem Vorrathe an feinen Weinen und Delikatessen fast erschöpft, — alle Tage ein Kurrier von Paris mit großen, fest versiegelten Paketen: so ging es, so kam es, so floß es, so wogte es in einer betäubenden Fluth der Arbeit und des Genusses, der Erwartung und der Ermüdung, des Reizes und der Erschöpfung!
Bis zum Fieber steigerte sich dieß Leben voll Glanz und Glück, als es dem Ende nahete: in der Woche vor den Fasten, während deren jede rauschende Lustbarkeit streng verpönt war. Am Donnerstag die letzte Redoute im Theater. Am Freitag ein Ball bei dem Finanzminister v. Bülow. Am Montag ein Ball bei Simeon, dem Minister der Justiz. Am Dinstag, dem fetten Vorläufer des mageren Aschermittwochs, allgemeiner Kehraus im königlichen Schlosse.
Auf diese Frei-Redouten, zu welcher 800 Karten ausgetheilt worden, führen wir den geneigten Leser. Es ist Dinstag, die neunte Abendstunde des 14. Februar 1809. Treten wir ein, kraft dem Rechte, welches die freie Kunst uns verleiht, obgleich sie nicht