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unserem Präsidenten zusammentraten, sich der einstim- mige Eindruck aussprach, daß, wenn wir unserem Ge- fühle folgen dürften, wir auf der Stelle abreifen wür­den; ja es wurde sogar die Meinung laut, man müsse die bereits für den Mittag angenommene Einladung zu dem Könige nach Charlottenburg nunmehr ablehnen, ein Antrag, der jedoch kräftig beseitigt wurde, da eine gesellige Unhöfliebkeit eine der Deputation wahrlich nicht würdige Antwort gewesen sein würde; im Gegen­theil wurde beschlossen, nicht nur nach Charlotten­burg zu gehen, sondern auch die bereits angenommene Einladung der Stadt für das Theater und danach zum Prinzen von Preußen beizubehalten, inzwischen zu hören, wie die einflußreichen Personen der könig­lichen Familie und des Hofes sich äußern würden und folgenden Tages bei ruhigerer Neberlegung einen Be­schluß zu fassen. So fuhren wir denn um 3 Uhr zum Diner nach Charlottenburg. Allein dort wiederholten sich ganz die unerquicklichen Unterhaltungen von den gleichgültigsten, trivialsten Gegenständen, mit Vermei­dung, ja mit gewaltsamer Ablenkung des Gesprächs von jeder Annäherung an unsere große deutsche Sache. Hier war denn auch die Königin, eine weit über ihre Jahre hin gealterte Dame, mit ihren Hofdamen zu­gegen und trug, da sämmtliche Damen in tiefe Trauer (um den König von Holland) gekleidet waren, nur dazu bei, einen trüben Schimmer über die ganze Scene zu werfen. Fast erschien das Mahl wie ein Leichenmahl; kein Becherklang, kein Toast, kein begei­stertes Hoch ertönte, und fast nur eine lispelnde Un­terhaltung war zu hören, mit Ausnahme des Königs, der in dem Gespräch über Gegenstände der geschilder­ten Art fortfuhr, jedoch nur selten die Rede an den, ihm gegenüber auf dem Ehrenplätze sitzenden Präsiden­ten richtete. Nur eine Genugthuung blieb uns in Charlottenburg, daß wir nämlich wie aus einem Munde gegen alle Minister, Generäle und Hofherren, die irgendwie mit uns in Gespräch kamen, die volle La­dung unseres Unmuthes über die Antwort des Königs von uns gaben; wir schilderten ihnen einmüthig die Gefahr, daß in der Nationalversammlung nunmehr pic österreichische Partei wiederum das Haupt heben

werde, und vielleicht gar den Antrag stellen könne, dem Kaiser von Oesterreich die Krone zu geben, daß dieser Antrag, wenn sich, wie früher, die Ultramon­tanen und die Linke mit ihnen verbänden, die Majori­tät erhalten könne, und daß alsdann die allgemeine Verwirrung zum eigenen Nachtheile Preußens herein- brechen würde. 3um Verhandeln und Erwägen, sagte ich namentlich zum Bürgermeister der Stadt Berlin, Naunyn, sei es Zeit, wenn man auf einer blumigen Wiese, tief im Frieden, am Ufer eines Baches wandle, nicht aber wenn man auf dem zackigen Krater eines Vulkanes sitze, der rasch geschlossen werden müsse, wenn er uns nicht verschlingen solle; auf dem Schlachtfelde sei nicht zu deliberiren, sondern zuzuschlagen, und wenn auch Niemand dem Könige es verarge, daß er seine Mitfürsten befrage, so sei es doch seine Aufgabe ge­wesen, mit der Anerkennung der Verfassung voranzu- gehen, und in sicherer Rechnung auf die Zustimmung der Fürsten die Zügel rasch zu ergreifen und solcher Gestalt dem Zustande der Unsicherheit ein Ende zu ma? eben. Einem andern Herrn — in mächtiger Uniform — dessen Name ich nicht wußte, sagte ich, daß selbst, wenn es jetzt gelänge, das Volk niederzuhalten, doch dereinst man sich erinnern werde, daß die Fürsten das Hinderniß für Deutschlands Einheit gewesen seien, daß übrigens die Nationalversammlung an der Ver­fassung kein Titelchen werde ändern lassen. In die­sem Sinne hatten wir sämmtlich geredet und dann stets die Versicherung zur Antwort erhalten, daß dieß nicht die letzte Antwort des Königs gewesen sei, daß Alles noch gut und nach Wunsch enden werde; indessen wurde erwidert, wenn dem auch so sein sollte, sei es jeden Falls zu beklagen, daß sich der König um den Dank und die Herzen und den Enthusiasmus des Volkes gebracht habe, da die Annahme der Krone dann nur als ein Werk politischer Reflerion, nicht als das hochherzige Produkt einer patriotischen Gesinnung er­scheine. Es war interessant und überraschend nach der Tafel in der Versammlung bei unserem Präsidenten aus den einzelnen Erzählungen zu vernehmen, wie über­einstimmend wir uns sämmtlich, ohne eine Verabredung getroffen zu haben, geäußert und benommen hatten.