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Unterhaltungsblatt

zur WWW Hefffchen Zeitung.

M 1E» Sonntag den 22. April 1849.

Wie Deputation der Neichsversammlung in Derlin.

(Aus einem Schreiben des Abg. Cnyrim an seine Wähler.)

Sie werden aus den Zeitungen ersehen haben, daß mir die Ehre zu Theil geworden ist, bei der in Folge der Kaiserwahl nach Berlin abgesandten Deputation Kilrhessen zu vertreten. Ich bin hierdurch in Stand gesetzt, Ihnen nähere Mittheilungen über diese Mission zu machen. Ich gehe dabei von dem Standpunkte aus, daß ich mein Augenmerk vorzugsweise auf solche Punkte zu wenden habe, welche nicht schon durch die Zeitungen bekannt geworden sind und welche mehr der inneren Geschichte der Deputation angehören, als dem bloß äußeren Beiwerke von Festlichkeiten.

Wir zogen getrosten Muths in die Säle des kö­niglichen Schlosses ein, in denen die Potsdamer Garde, ein Elitenkorps aus der Zeit Friedrichs des Großen, aufgestellt war. In den Rittersaal eingeführt, fanden wir den König auf dem Throne stehend und nach bei­den Seiten hin die Prinzen des Hauses, sämmtlich in Militäruniform; der Prinz von Preußen, als Kron­prinz, stand dem Könige zunächst auf der unteren Stufe des Thrones, an die Prinzen schlossen sich die Mini­ster und obersten Generäle, hinter ihnen standen die sämmtlichen Adjutanten; die Deputation mit ihrem Präsidenten an der Spitze stellte sich in einem weiten Halbkreise dem Throne gegenüber in alphabetischer Ordnung auf. Der Präsident verlas die Anrede, in welcher er die Worte »auf Grund der Verfassung" besonders betonte, worauf sich der König vom Grafen von Brandenburg die im Ministerrathe beschlossene Antwort reichen ließ. Er warf einen frommen Blick gen Himmel und verlas hierauf die Ihnen bekannte Antwort mit lauter Stimme. Er betonte vorzugsweise

eine Stelle, die ich vom Standpunkte des Repräsen- tativ-Staates für ganz unrichtig halte, nämlich die Behauptung, daß er nicht im Sinne des Volkes han­deln würde, wenn er die Wahl ohne Weiteres anneh­men wolle, während doch die Volksvertretung das einzige gesetzlich anerkannte Organ für den Aus­druck des Volkswillens ist. Wir alle waren bei dieser Antwort bitter enttäuscht und wie mit kaltem Wasser übergossen; auch verwischte sich dieser Eindruck bei der nun folgenden einzelnen Vorstellung nicht, bei welcher der Präsident die Namen eines jeden einzelnen Mit­gliedes dem Könige nannte. Der König vermied es nämlich sichtlich über den uns Allen sehr am Herzen liegenden Akt zu reden und lenkte stets das Gespräch nur auf die höchst untergeordneten persönlichen Ver­hältnisse der Deputaten, so z. B. als ich ihm sagte, daß ich die Ehre hätte, in Kurhessen einen Volksstamm zu vertreten, der sich mit ganzem Sinn und Begeisterung als einen Theil des neuen großen Ganzen fühlte, schien es, als sei er geneigt, hieran zu zweifeln, und ließ, als ich meine Versicherung bestärkte, den Gegenstand fallen, indem er auf meine persönlichen Verhältnisse überging; ähnlich so wandte er sich an meinen Nach­bar, Herrn Dahlmann, mit dem Ausrufe: „mein Gott wie sind Sie mager geworden", und was dergleichen, nur etwa bei gewöhnlichen Hofvorstellungen übliche Aeußerungen mehr waren. Ich gebe diese Aeußerun­gen, weil sic den Schluß rechtfertigen dürften, daß die Gemüthsstimmung des Königs eine ganz andere als die der Deputation war, die, durchdrungen von der Wichtigkeit dieses Augenblickes für das Geschick des Vaterlandes, für nichts Anderes Sinn hatten urrd deren Gefühl durch dergleichen gleichgültige Handlun­gen schmerzlich berührt wurde. So konnte es denn nicht fehlen, daß, als wir unmittelbar nach der Audienz bei