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Schreiben: „Leopoldshöhe, d. 22. September 1848. Deutsche Republik. In Bedref, des Berichts des Bürgermeisteramts Merk wird Folgendes erwietert: Es scheint mir, das sowohl das Bürgermeisteramt, als die Bürger von Merk durch leere Ausreden sich auf unserem Zuge nicht anschließen. Ich erkläre hiermit sowohl dem Bürger als wie dem Bürgermeister das Standrecht, der geringste Widersetzlichkeit, wie sich das Bürgermeisteramt gegen uns, der Provessorischen Re­gierung erlaubt, so wird der Bürgermeister durch Standrechtliches Urtheil erschossen, das Ort selbst durch republikanische Truppen demolirt. Das Bür­germeisteramt erhielt den Befehl, unbedingten blinden Gehorsam zu leisten und zwar so, daß die 16 Mann Morgens früh bewaffnet, mit gehöriger Munition versehen, Vt nach 5 Uhr sich oberhalb der Kirchener Straße aufgestellt sein müssen. — Lepoldshöhe, 22. Sept. 1848. Der Commandeur Wolfinger."

Ein Werk Eanova's in Hassel.

In dem dunkeln Raume eines herrschaftlichen Ma- terialienverwaltungsgebäudes dahier steht eine kolossale Marmorstatue, unwürdig an eine schmutzige Wand ge­lehnt: es ist die Bildsäule des Kaisers Napoleon, von Canova gefertigt. Ihr Haupt ist nachdenkend vor­geneigt, von dem Lorbeerkranz desselben fällt eine Schleife auf die rechte Schulter herab; ein weitfalti­ger Mantel umhüllt den sonst nackten Körper, dessen freigelassener rechter Arm eine Rolle trägt. Auf der theilweise entblößten Brust sieht man ein Schwert­koppelband, welches mit Lorbeerkränzen, Eichenzwei­gen, Adlerköpfen und Füllhörnern verziert ist. Der römische Mantel wird auf der linken Schulter durch eine antike Kamee mit einem behelmten Köpfe zusam­mengehalten und ist verbrämt mit einer symbolischen Guirlande aus Lorbeerzweigen und Kornähren. Diese Kaiserstatue hat in früheren Zeiten den hiesigen Kö­nigsplatz geschmückt und würde jetzt, mehrerer vanda­lischer Verstümmelungen ungeachtet, noch immer als werthvoll gebliebenes Kunstwerk Eanova's einen Platz im hiesigen Museum verdienen. Der nun verstorbene

italienische Meister hat Thränen vergossen, als er auf einer Durchreise durch Kassel sein genanntes Werk, eins der besten seines Meißels, in dieser Verstümmelung und an diesem unwürdigen Aufbewahrungsorte er­blickte. Möchten doch einflußreiche Personen, welchen es zukommt, die vorhandenen Schätze der Kunst wür­diger zu behandeln, diese Worte nicht unbeachtet lassen!

Herder über Deutschlands Einheit.

In einem Gedichte „an den Kaiser" (1778) redet der junge Dichter denselben folgendermaßen an:

O Kaiser, du von neunundneuuzig Fürsten Und Ständen — wie des Meeres Sand — Das Oberhaupt! gib uns, wonach wir dürsten: Ein deutsches Vaterland.

Eine „Germanien" überschriebene Ode ist so voll Patriotismus, daß sie statt vor mehr als fünfzig Jahren in unsern Tagen und auf unsere Lage geschrieben zu sein scheint:

Deutschland, schlummerst du noch? Siche, was rings um dich, Was dir selber geschah. Fühl' cs, ermuntre dich.

Eh' die Schärfe des Siegers

Dir mit Hohne den Scheitel blößt.

Um dich schaue. Du sichst, ferne im Osten steht

Dir ein Riese. Du selbst lehrctcst ihn, sein Schwert, Seine Keule zu schwingen.

Zorndorf probte sie auch an dir.

Schau' gen Westen. Es droht fertig in jedem Kamps, Vielgewandt und entglüht, trotzend auf Glück und Macht

Dir ein anderer Kämpfer,

Der dir schon eine Locke nahm.

Und du säumtest noch, dich zu ermannen, dich

Klug zu einen? Du säumst, kleinlich im Eigennutz

Statt des polnischen Reichstags

Dich zu ordnen, ein mächtig Volk?

So schlug auch Herder's Herz für Deutschlands Einheit und Größe. Aber auch er trat schon der für Wahrheit verkauften Lüge entgegen, wenn er über „die gepriesene Freiheit" sich folgendermaßen vernehmen läßt:

Hört ihr Mächtigen, hört! der Feder größcstc Freiheit Herrschet anjetzt, es schreibt jeder, was jedem gefällt. Loben und tadeln dürfen wir laut ohn' alle Besorgniß; Was Pasquino gedenkt, spricht er und findet Gehör.

Eins nur wagen wir nicht, rcinaus zu sagen: die Wahrheit.

Weihrauch liebet man wohl, aber kein würziges Salz.

Hört, ihr Mächtigen, hört! die hochgepricscnc Freiheit Unsrer Feder, sie ist knechtischer, schmeichelnder Dienst.

(F. K. B.)

Verantwortlicher Herausgeber: Fr. Oetker. — Druck von Fr. Scheel in Kassel.