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als die Hälfte des Jahres 1849 darüber vergehen wird. Es wird also das Verdienst Oesterreichs sein, wenn von Pas de Calais bis zum Golf von Triest (220 Meilen) eine Telegraphen - Verbindung zu Stande kommt, welche 172 größere Geschwindigkeit besitzt, als — das Licht selbst! Oesterreich wird also den Ruhm haben, in Verbindung mit den süddeutschen Regierungen die Möglichkeit hergestellt zu haben, daß, ehe vier Monate vergehen, eine Handelsnachricht, der Privatbericht eines Kaufmanns in London, binnen etwa 5 bis 6 Stunden an seinen Geschäftsfreund in Triest gelangt. Die Anstrengungen des Triester Lloyd haben bewiesen, daß der kürzeste Weg der indischen Ucberlandpost durch Deutschland führe — durch die angedeutete Telegraphen-Verbindung ist dieser Korrespondenzzug in einer Art gesichert, welche der Phantasie den weitesten Spielraum läßt für die Folgerungen, die sich daran knüpfen! (A. A. Z.)
Vermischtes.
Die mannichfachen, natürlich auch in hiesigen Blättern den kirchlichen Dingen gewidmeten, Bemerkungen und Aufforderungen erinnern unvorsätzlich an ein sinnreich warnendes Distichon, welches zu London einst erschien, als die herrschende Partei der reformir- tm Kirche im Jahre 1618 zu Dordrecht eine Svnode gegen die Arminianer eröffnet hatte:
Dordrechti Synodus? — Nodus; Chorus integer? —Aeger; Conventus? — Ventus; Sessio? — Stramen, Amen !
Französisch radikale Rhetorik. — Der Abbe Chatel, der französische Ronge, hielt neulich einen sogenannten Gottesdienst, und sagte in seiner Rede unter Anderm: „Die Pfaffen lügen, wenn sie Kain, den Mörder Abels, verdammen. Kain war der Proletarier, Abel war der Aristokrat."
Telegraphische Verbindung zwischen Amerika und Europa. Dem Senat der vereinigten Staaten ist alles Ernstes ein Vorschlag gemacht worden, eine
telegraphische Verbindung von Neufundland bis zum nächsten Cap von Irland anzulegen. Sie behaupten, ein untermeerisches Hochland erstrecke sich in dieser Richtung und könne benutzt werden. Die New - Jork Evcmng Post bemerkt, der Senat habe den Vorschlag ohne Erstaunen ausgenommen.
2t 11 f Helgola n d.
Sonette von Fr. Oetker.
VIII. M — die Meersrau.
Seh' ich im Winde Deinen Mantel fliegen, Lustwandeln Dich zu stillem Zeitvertreib, Da seufz' ich wohl: o schöne Fremde, bleib Und laß mein Haupt an Deinem Herzen liegen!
Und wenn die Wellen früh sich kosend schmiegen Um Deinen weißen selig-süßen Leib, Wie möcht' ich dann Dich, heißgeliebtes Weib, In meinen Armen herzend selber wiegen!
Fort reißt cs mich, als müßt' ich Dir vertrauen Mein Sehnen, um Dich ringen mit der Fluth. Vergebens; ach! Du gleichst den Meeres-Frauen,
Den ewig kalten, die das junge Blut Entzünden wohl zu heißer Licbesgluth, Doch nie beglückend in die Augen schauen.
IX. Mond-Nacht.
DaS Eiland schläft. Ein mildes Dämmerwebe» Durchfließt die Nacht, und auf den Wogen liegt, Dieweil der Mond durch Wolkensäume fliegt, Ein weites Feld von lichtem Strahlcn-Bebcn.
Wie sich der Nachen in den Gluthen wiegt! Kein Windeshauch, kein Ruber, und doch heben Zn tiefgchcimnißvollcm Meeres-Leben Die Wellen sich, wie träumend hingeschmiegt.
O wer die Sprache dieser Wogen wüßte, Die Wunder alle, die sic angcschaut! Sagt, kommt ihr nicht von jener Dünen-Kiiste?
Habt ihr der Holden Fuß dort nicht bethaut? Hat ihre Hand kein Blättlein euch vertraut, Das süßverstohlen erst die Lippe küßte?
Verantwortlicher Herausgeber: Fr. Oetker. — Druck von Fr. Scheel in Kassel.