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Ihre Kost ist Mr. gut, was auch ihr kräftiges Aus- sehn beweist. Sie erhalten wöchentlich zwei Mal ein halb Pfund Fleisch, Morgens eine gebrannte Mehlsuppe, Mittags eine nahrhafte Suppe von Erbsen und Kartoffeln, auch wohl von Linsen und Bohnen mit! baierschen Knödel gemischt. Abends eine leichte Suppe von Hafer oder Gerste; dazu täglich l’/4 Pf. Brod, aus Roggen und Waizen gemischt. Die Aufseher schneiden ihnen Brod und Fleisch zu, denn das blanke Messer wird ihnen nicht gestattet, um nicht die Mordlust zu erregen, wie Löwen und Tiger kein Blut lecken dürfen. Die Arbeit, der einzige Trost des gefallenen Menschen, vom Irrthum als ein Fluch betrachtet, ist das Hauptbesserungsmittel dieser Anstalt, so wie das Gebet. Beides überwindet in dem Verbrecher allmählich den Reiz des Verbrechens durch innere Besserung und Gewohnheit. Mit kühner Hand sich Ucberfluß erringen durch Mord und Raub, ist für den Menschen ohne Tugend und Religion zu verführerisch, als daß die nüchterne Prosa der Arbeit um das tägliche Brod jene gefährliche Poesie überwinden könnte. Alles, was die Anstalt gebraucht, bringt sie auch hervor, dazu reichlichen Ucberschuß zum Verkauf. Die Leinen- und Tuchfabrikation ist sehr bedeutend; bei den Eisen- und Feuerarbeitern gebraucht man die Vorsicht keine Mörder anzustellen; wer kein Handwerk versteht, muß eines lernen oder spinnen. Ein Jeder erhält bestimmten Tagelohn, wovon die eine Hälfte zum Unterhalt, die andere zu einem Reservefonds verwandt wird. Letzterer wird dem Gefangenen bei seinem Austritt entweder baar zugcstellt oder nach Abzug des gehörigen Reisegeldes an seine Heimathsbehörde gegeben. So kehrt der Gefangene nicht hülflos in die Welt zurück. Leider erheben sich aber in unserer Zeit solche Massen von Arbeitskräften und die Konkurrenz der Gefangenarbeiten mit denen freier Menschen schadet letzteren. Sollen aber darum die Gefangenen den Segen der Arbeit entbehren? Es ist traurig, daß Deutschland noch keine Kolonie hat, um den Ueberfluß der Menschen und der Produkte aufzunehmen, aber die Gefangenen Dürfen darunter nicht leiden. Die Sorge für diese
Unglücklichen gehört zu den heiligsten Pflichten der Gesellschaft; nur durch ihre mangelhafte Einrichtung sind sie geworden, was sie sind. — Der Franzose Appent und Andere haben sich durch ihre Bemühungen um sie unverwelkliche Bürgerkronen erworben. Hat man doch auch den Zustand der Geistigirren in neuerer Zeit durch Menschlichkeit gebessert. Der fühlende Mensch empfindet Schauder, wenn er in großen Städten die Gefangenen mit eisernen Ketten an den Beinen in den Straßen bemerkt, ihr Elend und ihre Schmach zur Schau tragend. Möchte doch die fortschreitende Civilisation auch diesem Uebelstande abhelfen. —
Welch' ein Unterschied findet zwischen den Erfolgen dieser Anstalt und jenem des berühmten Gefängnisses Pentonville zu London Statt. Dort ist jeder Gefangene in eine Zelle gesperrt, die 13 Schuh lang, 7 Schuh breit und 9 Schuh hoch ist. Eine 18 Zoll dicke Wand bildet die Trennung zwischen den Zellen und Gängen. In dieser engen Zelle befindet sich die Bettstelle, das Arbeitsgeräthe und der Schmutzkübel, der mit einer Klappe versehen ist; ein kupfernes Waschbecken und Wasserröhre. Das einzige Fenster dieser Zelle ist 8 Fuß vom Boden entfernt, 2 Fuß breit und 1 Fuß hoch, hat Scheiben von undurchsichtigen: Glase und kann nicht geöffnet werden. In der Thür befindet sich eine Klappe zum Hineinreichen der Speisen. Die Lüftung und Heizung dieser Zellen wird durch Röhren besorgt. Abends werden sie mit Gas erleuchtet.
In diesen lebendigen Gräbern leben menschliche Wesen, die oft durch Verwahrlosung von früher Jugend an, durch Mangel und Elend jeder Art, also durch die Schuld der Gesellschaft zu Verbrechern geworden sind. Eine schauerliche Stille herrscht in diesen Gängen, nur zuweilen von dem schwerfälligen Geräusch eines Weberschiffchens oder eines Schuhmacherleistens unterbrochen. Die Gefangenen werden freilich oft aus ihren Zellen geführt zum Gottesdienst, zum Bade, zum Unterricht, aber dann wird ihnen eine schwarze Kapuze über den Kopf gezogen, damit sie jeder Geselligkeit unzugänglich sind. Nach wenigen