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Jerome mußte sein Glaubensbekenntnis; avlegen oder verleugnen. Vor dem Henkerbeile hätte er ohne Zaudern bekannt; vor seiner Frau konnte er sich einen Augenblick des Zagens nicht erwehren. Indessen trug das Gewissen den Sieg davon, seine Antwort lautete peremtorisch: „Ich schmeichle mir, Madame Paturot!"
Doch lassen wir den ehrlichen Jerome Paturot selbst reden! „Heutzutage" — er spricht von den Tagen des Mai — „wo die Republik ihre Hosleute und Schmeichler zu Millionen hat, hat ein solches Geständniß nichts Unbesonnenes oder Sonderbares. Wer ist jetzt nicht Republikaner, abgesehen von der Färbung und dem Datum?" Aber in dem Moment, wo dies entscheidende Wort meinen Lippen entschlüpfte, war dem keines Wegs so. In unserer ruhigen Provinz herrschten große Vorurtheile über den Punkt. Man lebte da unter der Herrschaft veralteter Eindrücke und kindischer Reminiscenzen, die hinter der Bewegung der Zeit zurückgeblieben waren, und die Gevatterinnen des Städtchens waren daran gewöhnt, in einem Republikaner ein Wesen von bösartigen Eigenschaften und gottlosen Gelüsten zu erblicken. Diese Ansicht hatte allgemeine Geltung und Malvina hatte sich ihrem Einfluß nicht entziehen können. Ich war nach einer so förmlichen Erklärung auf eine Scene, einen vulkanischen Ausbruch gesaßt: daraus wurde aber Nichts. Sie begnügte sich, die Hände mit einer ausdrucksvollen Geb erde zu falten, und die Augen gen Himmel gerichtet, wie um ihn zum Zeugen meines Schwindels zu nehmen, rief sie aus: „Republikaner! Ein Mann mit Weib und Kind, der an die Staatskrippe angebunden ist! Ist das glaublich?" Dann ging sie zur Thür hinaus, indem sie eine bezeichnende Bewegung mit den Schultern machte. Ich fürchtete, eine so brüske Offenbarung meiner Grundsätze würde einige Stürme, eine pikante Pantomime mit obligaten Ohrfeigen, am Schluß eine kleine Sünd- fluth von Thränen zwischen meinen vier Wänden verursachen; aber es setzte Nichts ab. Im Gegentheil schien meine Frau jede Gelegenheit zur Wiederaufnahme des Themas zu vermeiden, und wenn die Gewalt der Umstände dieselbe herbeiführte, wußte sie
die Unterhaltung mit einer wunderbaren Gewandtheit abzubrechen und aus ein anderes Feld zu spielen. Offenbar behandelte sie mich wie einen Geisteskranken. Zugleich ging sic in die Defensive über und nahm ihre Vorsichtsmaßregeln. Der geringste Fehltritt konnte mich kompromittiren. Sie ging von der bornirten Idee aus, daß sie vor Allem zwei Kinder zu ernähren hätte, und nach dieser einseitigen und beschränkten Gefühlsweise richtete sie ihr Benehmen ein. Unter den Personen, welche unser Haus besuchten, befanden sich zwei, bei denen keinerlei Bedenken über meine politischen Kühnheiten und Ertravaganzen aufsteigen durften. Beide gehörten zu demselben Verwaltungszweige, wie ich; der eine war mein Vorgesetzter, der andere mein Untergebener. Mein Ehef hatte unter dem Kaiserthume seine Schule gemacht und da eine Befehlshabermine angenommen, welche das Alter weder hatte unterdrücken noch abschwächen können. Dabei hatte er galante Manieren und jene Schmetterlingsnatur, durch jedes schöne Augenpaar in Flammen gesetzt zu werden. Meine Frau hatte ihn gleich bei der ersten Begegnung weg gehabt; sie spannte ihre Netze aus und der alte Löwe fiel hinein. Einmal gefangen, wurden ihm die Klauen geschnitten; es ist das eine alte Geschichte. Also von dieser Seite war komplett Sicherheit. Der vertraute tägliche Umgang mit meinen Untergebenen bot mehr Gefahren dar. In meiner Schreibstube angestellt, übte er über mich eine unwillkürliche Aufsicht und Kontrole aus ; wir saßen auf derselben Galeerenbank und waren an eine Kette geschmiedet. Malvina versuchte ihn zu gewinnen, aber er war eine abstoßende, in sich verschlossene Natur, ein Duckmäuser! Ter Grundton seines Wesens war Neid; er vergab über ibm Stehenden Nichts; in ihnen sah er ein Hinderniß seines Avancements und die lebendigen Zeugen seiner Abhängigkeit. Ich zumal war in seinen Augen verdammt als das Geschöpf der Kabale und der Gunst; ich war zum Hohn der Beamtenhierarchie in meinen Posten eingeschoben. Daher sein stummer Aerger mit einer anscheinenden Unterwürfigkeit gepaart. Ich hatte einen Feind unt einen Spion in einer Person um mich. Vergeblich