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zur Meueu Hessischen Zeitung.
M ^. Sonntag den 21 Januar I8LS.
Jerome Paturot sucht die beste Republik.
Aus dem Französischen.
1. Die beiden Kommissaire.
Jerome Paturot, dem Helden des bekannten Rey- baud'schen Sittenromans: „I. Paturot sucht eine Stellung in der Gesellschaft", war am Ende statt aller stolzen Träume von Ruhm und Größe eine beschränkte Wirklichkeit, ein untergeordnetes Acmtchen in der Provinz zu Theil geworden. Als Staatsdiener hatte er Pflichten zu erfüllen, als Bürger Rechte auszuüben; so hatte seine Stellung eine Mischung von Unabhängigkeit und Dienst. Der Gegensatz zwischen der Freiheit des Bürgers und dem Gehorsam des Beamten versetzte ihn in eine unbehagliche Lage, eine amphi- bienhafte Stimmung; der Kampf dieser beiden feindlichen Elemente, der sich in seinem Inneren entspann, endigte natürlich mit dem Siege der edleren Triebfeder. Er diente der Regierung mit Widerwillen und Indignation und konnte an den Dienstfrack, den er trug, und an den Gehalt, welcher ihn in seinen Augen zu einem Söldner erniedrigte, nicht denken ohne zu erröthen; ja je mehr er von der Regierung erhielt, desto mehr setzte er es auf Rechnung ihrer Korruptionsgelüste. Unter dem Einflüsse dieses Gefühls nahm seine inwendige Opposition gegen eine auf den Egoismus, die Bestechlichkeit und die Entnervung des Bürgerthums basirte Staatsgewalt mit jedem Tage lebhaftere Farben an. Neue Ueber- griffe der Verwaltung kamen zu den alten hinzu und schürten das Feuer seines Zorns an, indem sie denselben rechtfertigten. So sagte er sich durch einen unüberwindlichen Hang erst von den Personen, dann von dem Systeme, endlich von der Form der Regierung
los, kurz Jerome Paturot wurde Republikaner. Der Präfekt war in seinen Augen ein Scherge, ein Janit- schare der Dynastie, die Beamten Prätorianer des Despotismus. In den Stunden des häuslichen Lebens, wo seine aufgereiztc Stimmung den höchsten Grad der Eraltation erreichte, ergoß er sich in den stärksten und leidenschaftlichsten Ausdrücken gegen die gesellschaftliche Ordnung, die sich zwischen ihn und die Zukunft gestellt hatte. Allen Gewalten, verantwortlich oder nicht, bürdete er die Schuld auf, und schickte Alles zum Teufel, Civilisation und Regierung. Dies unverdeckte Kartenspiel beunruhigte seine Frau Malvina, die mehr Sorge für die Familie als für die Politik trug und in Gedanken schon ihren hungrigen Kindern das Brot vor dem Munde weggenom- men sah, aufs lebhafteste. Sie begriff ihren Jerome nicht, sie verlor sich in Vermuthungen über den Ursprung dieser brüsken Anfälle von Unabhängigkeits- sinn. Noch hatte er das Wort „Republik" nicht ausgesprochen; das Eine fehlte noch. Vergeblich versuchte sie Alles, um das Problem zu lösen; um ihre Vorurtheile zu schonen, wich er allen ihren verdeckten Angriffen und Manövern aus; sie mochte noch so sehr mit Fragen in ihn dringen, noch so sehr ihre Hypothesen vervielfältigen: er blieb misteriös wie die Pyramiden und Obelisken von Theben. Eines Tages jedoch entschlüpfte ihm das Geheimniß. Malvina hatte ihm mit einer Geduld und Geschicklichkeit, die eines Inquisitors würdig war, alle möglichen Suggestivfragen gestellt; er war fest wie der standhafte Prinz von Ealderon. Da nahm sie, als sie alle indirekten Mittel erschöpft hatte und ihr kein Ausweg mehr übrig blieb, ihre Zuflucht zu einer schreckenerregenden Interpellation: „Ah!" rief sie, „Du wärest wohl gar etwa ein Republikaner?"