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Unterhaltungsblatt

zur ReNM Hessischen Zeitung»

^. 2. Sonntag den VL Januar L8âN

Die Wräsi-entenwahl

in den Vereinigten- Staaten.

(Schluß.)

Dies war das Resultat der vorbereitenden Ver­sammlung zu Baltimore, und eine ganze Woche hindurch erhielten die Journale beider Parteien reichlichen Stoff durch die Kommentare, welche ein so bedeutungsvolles Ereigniß zuließ.

Die ruhmwürdige Festlichkeit zu Baltimore, so schrie die radikale Presse, hat den Demokraten den Sieg gesichert. Ihre Selbstverläugnung, ihre brüder­liche Eintracht, ihre aufrichtige Gesinnung dürste über das Resultat der Präsidentenwahl keine Zweifel lassen."

Die Whig-Presse führte ungefähr folgende Sprache:

Niemals sind wir Zeugen einer so lächerlichen Komödie gewesen, als die, deren Schauplatz zu Bal­timore war. Welche moralische Verdorbenheit, welcher Egoismus, welche Konfusion herrschte da! Es ist in der That eine Schande für unser Land! Glücklicher­weise aber wird der Anblick der erbärmlichen Zwietracht, die unter unsern Gegnern wühlt, alle anständigen Wahlmänner aufklären, und ihre bevorstehende gänz­liche Niederlage ist für uns eine sichere Bürgschaft des Triumphes."

Diese fast wörtlich citirten Bruchstücke geben dem Leier eine Probe von der anmuthigen Weise der ame­rikanischen Presse in der Führung ihrer immerwähren­den Kriege. In der That kann man sich von der Heftigkeit der öffentlichen Blätter kaum einen Begriff machen.Nehmt Euchso schrieb ein amerikanischer Journalist in einem Artikel an seine Mitbürger, worin er ihnen gute Rathschläge ertheilte nehmt Euch die französische und die englische Presse zum Muster! Seht,

mit welcher weisen Mäßigung in diesen beiden Staa­ten von den entgegengesetzten Organen der Krieg un­terhalten wird!" Nun, dieser Journalist war aufrich­tig, und man wäre sehr im Irrthum, wollte man sei­nen Worten im Entferntesten die Absicht einer Satyre unterlegen. Aus diesem einen Beispiel, das uns ziemlich originell erscheint, möge man ein Urtheil über die höfliche Schreibart der amerikanischen Presse fällen. Sei dem nun wie ihm wolle, die Presse ist eine ein­flußreiche Macht in den Vereinigten-Staaten, wo man mehr Journale schreibt, als in England und Frank­reich zusammengenommen; denn in dem Maße, in wel­chem sich das demokratische Princip verbreitet, vermeh­ren sich auch die Journale. Zur Zeit der Wahlen vermehrt sich die außerdem schon so beträchtliche Zahl der politischen Blätter fast um das Doppelte. Auch das kleinste Dorf hat sein besonderes Journal. Ueber- dies kann in den Vereinigten - Staaten auch der ge­ringste Mann lesen und nimmt an den öffentlichen An­gelegenheiten Antheil. Der Landmann verläßt den Pflug, liest sein Journal und erklärt es sich nach sei­ner Art; ebenso der Arbeiter und selbst der Neger, der sich nicht wenig darauf einbildet, in der Politik eine gewisse Rolle zu spielen.

Aber kommen wir auf unsere Wahlmänner zurück, und lassen wir die Demokraten einen Augenblick bei Seite, um von den Whigs zu reden, deren Bewegungen wir folgen wollen. Diese hatten, brennend vor Un­geduld, das Gedächtniß an die verhängnißvolle Ver­sammlung zu Baltimore auszulöschen, ihrer Seils ein feierliches Meeting in Albany, einer der ältesten ame­rikanischen Städte, am Ufer des Hudson-Flusses ge­legen, berufen. Von Albany ausgesandte Kommissaire hatten alle disponibeln Schiffe gemiethet, um die un­zähligen Deputationen, die von den Whigs der ver-