zur Neuen Hessischen Zeitung.
,/s» 27. Sonntag, 6rn 31. Wcccmbcr. 1848.
DaS elektrische Licht deS Engländers S t a i t e.
Mit der Elektricität, wie sie sich im Blitze zeigt, ist wohl Jeder bekannt, und auch mit ihrer furchtbaren Kraft, welche bald eine Waldeiche zerschmettert, bald die festesten Gebäude niederwirft, indem sie als eine physische Kraft schreckliche mechanische Wirkungen entwickelt. Tie Wissenschaft des 19. Jahrhunderts hat aber dieses mysteriöse Fluidum dem Menschen dienstbar unb brauchbar gemacht als Mittel zu einer allgemeinen Erleuchtung. Das elektrische Licht, welches an Glanz und Volumen jedes bis jetzt bekannte Licht bei Weitem übertrifft, ist neulich mit nnzweiftlhaftem Erfolge dargc- slcllt worden von seinem Erfinder, Hrn. 26. Edward Staite (unter Assistenz seines Gehülfen, Hrn. Petrie) in den Hanover-Square-Rooms, vor einer großen, meistens aus wissenschaftlichen Männern bestchenden Gesellschaft. DaS Licht wurde durch eine galvanische Batterie von mittelmäßiger Größe erzeugt, welche n ihrer Construction und in ihren Bestandtheilen einige Verbesserungen auszuweisen hatte, welche die Batterie be- städig, fortlaufend und regelmäßig in ihrer Wirkung und — weniger kostspielig machen. Vermittelst solider Kupfer- drälhe wird daS elektrische Fluidum zu der Lampe gezeltet, welche auf einem Tische stehen oder von der Decke herabhängen mag. In dieser Lampe sind zwei Stäbe von Kohlen oder kohlehaltigem Material, zwischen welchen daS Licht entwickelt wird, und diese Stäbe werden durch ein Uhrwerk bewegt, nach Verhältniß, wie sie verzehrt werden, in einer Schnelligkeit, welche durch den galvanischen Strom bestimmt wird. Um das Licht con- linuirilch zu machen, müssen diese beiden Kohlenstücke zuerst, in wirkliche Berührung mit einander gebracht werden, damit der galvanische Strom sie durchdringen, und dann auch wieder in kleiner Entfernung fcpaurt, werden könne. Dies wird auch mittelst des Stromes selbst, ohne Hülfe der Hände ausgeführt. Da die
Kohle allmählig wegschwielt (etwa einen halben Zoll in einer Stunde), so wird auf gleiche Weise die regu- lirte Entfernung zwischen den beiden Elektroden (d. i. den beiden Kohlenstücken) bestimmt. Der Apparat, der diese Selbst-Regulirnng bewirken soll, ist ein elektromagnetisches Instrument, unmittelbar im Lampenfuße angebracht, durch welches der elektrische Strom muß passiven können. Die Einrichtung dieses Instruments ist gleich in gewisser Rücksicht einem G a l v a n o m e t e r. Der galvanische Strom, indem er durch ein Knäuel von Draht geht, magnetisirt eine Stange weiches Eisen, welche durch den Knânel der Trathwindungen geleitet ist; je nachdem der Galvanismusstrom stärk oder schwach ist, steigt oder fällt die magnetistrte Eisenstange. Wenn der galvanische Strom zu viel ober zu stark ist, so bewirkt er ein Entkommen (excapemcnt) urd ^e beiden Elektroden werden zu der erforderlichen EntsoruMg von einander gezogen; wenn der durchströmende GälvaniS- mnS geringer und schwächer ist, als die erforderliche Quantität, so wird die Bewegung aufgelegten, und Die beiden Elektroden werden näher an einander flogen Auf diese Weise wird daS Licht nicht nur stetig und continuirlich gemacht, sondern es wird auch nur so viel von dem erzeugten Fluidum durchgelassen alL «W- zu Licht entwickelt wird, — wodurch eine zuvor err chte Ersparniß der von der Batterie ausgehenden Krcht erzielt wird. Das Licht glich dem Effect vor* KM bis 900 Wachskerzen; und als cs mittelst einer Glaslinse auf einige Gemälde ganz am Ende deS Saales geleitet wurde, war der Effect fast magisch und wurde mit lautem Beifall von der Versammlung begrüßt. Die zartesten Farbenmischungen und Uebergänge von Grau, Grün und Blau wurden eben so klar und bestimmt unterschieden als beim Sonnenlicht. Die prismatischen Strahlen wurden sodann auch noch von Hru. Staite gezeigt und sie waren eben so lebhaft und glänzend als die von einem Sonnenstrahl, vollkommen identisch an Farben, und zeigend, daß daS Licht an Reinheit dem Sonnen-