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Auf Helgoland

Sonette von /r. Oetker.

V. M. am Strand.

Du standest einsam an der fernen Küste

Und blicktest sinnend in die Fluth hinein, Um Deine Stirne floß ein lichter Schein, Als ob der Himmel Dich mit Lächeln grüßte.

Die Brandung laut; die Welle klar und rein Umkoste schmeichelnd Dich, als ob sie wüßte, Wie schon Dein Leib und wie Tein Fuß so klein, Den sie verscheidend noch im Sande küßte.

Wie neid' ich sie! O daß ich so Dich grüßen

Und küssen könnte, daß Dein Augenpaar, Holdselige, mit seinem innig süßen

Beglücken so mir glänzte hell und klar!

Wie wäre dann ich allen Leides bar Und stürbe lnstberanscht zu Deinen Füßen!

VI. Sonnenaufgang.

O heil'ge Stille! Sieh' im Osten blühen

Die Rosen auf, der Sonne Pfad zu schmücken; Ein Diadem ihr auf die Stirn zu drücken Entfallet sich der Himmels-Lilien Glühen

Ein blitzend Licht — da helles Flammensprühen —

Und jubelnd hebt die Meei fluth das Entzücken Der Welt empor, daß Segen und Beglücken Sich rings ergießen über Sorg' nnd Mühen.

Urew'ges Licht! o ströme deine Wonnen

In jede Brust, die leidvoll und beladen Nach Labe seufzt aus deinem Strahlen-Bronnen!

Und wo ein Auge bricht, laß voller Gnaden

ES mild sich noch an deinem Glanze sonnen, Und leucht' ihm auf den letzten, dunklen Pfaden!

G e r m n sr i a *).

Land deS Rechtes, Land des Lichtes, Land deS Schwertes und Gedichtes,

*) @ebid;tef vor drei Jahren.

Land der Freien Und Getreuen,

Land der Adler und der Lenen, Land, du bist dem Tode nah', Sieh' dich um Germania!

Dumpf in dir, o Kaiserwiege!

Gährt der Keim der Bürgerkriege,

Tausend Zungen

Sind gedungen,

Tausend Speere sind geschwungen, Ficberträumenv liegst du da, Schüttle dich Germania!

Lautes Zürnen, leises Munkeln, Lüge, die da würgt im Dunkeln, Zucht und Glaube Tief im Staube,

Und der Zweifel wür^t die Taube, Immer „nein" und nimmer „ja;" Sage „ja" Germania!

Auf den Knieen bete, bete,

Daß der Herr dich nicht zertrete, Bor dem Zaren Der TaUaren

Er dich möge treu bewahren, Denn Sibirien ist gar nab', Sieh dich um, Germania!

Daß sich Fürst und Volk vertraue, Dir kein Pfaff das Licht verbaue, Daß kein Marat Dich verführe,

Und dich dann semptembriure, Denn die MaratS sind schon da, Wahre dich, Germania!

Daß dich Gott in Gnaden Hüte, Herzblatt du der Welienblüthe,

Völkerwehre,

Stern der Ehre,

Daß du strahlst von Meer zu Meere, Und dein Wort sei fern n W nah Und dein Schwert, Germania I

v. Strachwitz.

Verantwortlicher Herausgeber: Fr. Oetker. — Druck und Verlag von Th. Fischer in Haffes.