Die Gattin, ach! die reich geschmückte Mit Allem, tvaë das Herz entzückte, Mit Allem, was die Seele rührt, Mit Frauenwürde, EngelSgüte, Noch in der Jugend frischer Blüthe, Hat Ihm der kalte Tod entführt!
Und nimmer wird in seinen Armen Sie neu zu Lebensgluth erwärmen, Sich seiner Liebe nimmer sreu'n; Wird ihre Kindlein nimmer pflegen, Noch küssend frommen Muttersegen Auf ihre zarten Häupter streifn !
Da liegt sie, ihre todte Hülle, Durch die noch jüngst Empfindungsfülle Zum frohbewegten Busen drang!
Es fragt der Blick, zu Gott gerichtet: Warum hat die Natur vernichtet, Was so vollendet ihr gelang?!
In hoher Halle steht die Bahre, Bei ihr der Priester im Talare, Das Bild des Kreuzes, florumhüllt, Und rings umher, voll Gram und Grauen, Viel edle Krieger, edle Frauen, Von namenlosem Leid erfüllt!
Dort nahet mit gesenktem Haupte Der, dem das Schicksal Alles raubte, Was er besaß an Seligkeit;
Und Alles starrt mit düst'rem Schweigen, Wie sich zum Sarg die Träger neigen, Zum letzten Trauerdienst bereit.
Der Priester spricht der Kirche Segen, Und dann, dem kühlen Ziel entgegen, Enteilt der letzte Ucberrest
Von dem, was Du geliebt auf Erden; O Herr, was soll aus Dir nun werden, Da Dich das Theuerste verläßt?
Verzage nicht! denn tröstend winken, Wenn Erdenlebcuö Sterne sinken, Die Sonnen aus der Zukunft Land; Was sich geliebt, wird dort sich finden, Verklärtes Glück wird es umwinden Mit unauflöslich ew'gem Band!"
Freilassung der Negersklaven auf Mar- tinigue und Guadeloupe.
Die Republik konnte keine Sklaverei mehr dulden.
Arago, Minister der Marine, erließ am 4. März eine
Verfügung, wonach in keinem Orte, welcher der französischen Republik Unterthan ist, Sklaven eri stiren sollten. Eine Kommission wurde sogleich niedergesetzt, um dies Dekret auszuführen. Aber die Schwarzen hatten bereits den Ruf der Freiheit aus der Hauptstadt vernommen, ihre Ungeduld erlaubte ihnen nicht, die Ausführung des Dekrets zu erwarten. Raub, Mord und Plünderung waren die Folgen. Die Regierung that ihr Möglichstes, den Beschluß auszuführen; schon am dritten Mai wurde von der Kommission Bericht erstattet. Wie ist es aber möglich, die Sklaven, die bisher bloß als Sachen betrachtet wurden, mit einem Male zu freien Bürgern zu machen? Sie kennen von der Gesellschaft Nichts als den Zustand der Arbeit, feine Justiz als die Laune ihrer Gebieter, kein Gesetz als die Regeln der Disciplin, denen sie unterworfen sind, keine Souveräne- tät, wie die ihres Herrn. Wie können solche Menschen Volksrepräsentanten wählen, wie die Pflichten des politischen Lebens erfüllen? — Die Folgen sind schon eingetreten : die Befreiten schämen sich der Hacke und des Grabschreits als Zeichen ihrer Knechtschaft. Sie halten die Arbeitsstunden nicht, bringen ganze Wochen in Müßigkeit und Trunkenheit hin, fordern unmäßig hohen Arbeitslohn, und versammeln sich, wenn ihnen Etwas abgeschlagen wird, sogleich in Masse, laufen brüllend durch die Felder und drohen ihren alten Herren mit Ermordung. Das milde Klima, die geringen Bedürfnisse an Speise und Kleidung in diesen Ländern, begünstigen ihre Zügellosigkeit. Ste besitzen weder Moral noch Religion; die Polizei ist zu schwach, sie in Ordnung zu halten. So bleibt denn die Ernte unvollendet, die Eigenthümer verarmen und fliehen nach den Vereinigten- Staaten. Die Kaufleute stellen ihre Zahlungen ein, und die Schiffe vermodern auf der Rheoe. Die Kolonien sind ihrem Untergange nahe. — Warum, fragt der Denker, hat man die Sklaverei nicht schon früher abgeschafft? England hatte seinen Wilberforce schon 1792. Hier gilt das Wort Schillers:
Vor dem Sklaven, wenn er die Kette zerbricht, Vor dem freien Menschen erzittert nicht.
Was auf den Kolonien geschieht, wiederholt sich in Europa. (Revue des deux mondes.)
Verantwortlicher Herausgeber: Fr. Oetker. — Druck und Verlag von Th. Fischer in Eaffel.