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Anterhaltungsblatt

zur Neue» Hessischen Zeitung.

,4£ 24. Sonntag, den 10 December. 1848.

Robert Blum.

Ueber Robert Blum'ö Jugend und Entwickelung, Leben und Tod geben öffentliche Blätter folgende inter- effante Nachrichten. Er wurde am 10. November 1807 zu Köln als Sohn ganz unbemittelter Eltern geboren. Sein Vater hatte in der Jugend mit einigem Erfolg studirt und erhielt später eine Schreiberstelle am Lager­hause zu Kölu; seine Mutter war ein Dienstmädchen vom Laude. Der Großvater Blum's war Faßbinder. Roberts früheste Jugend ist ein düsteres Nachtbild, in dem alle Arten des menschlichen Elendes in den dun­kelsten Schattiruflgen abwechseln. Es wird sogar erzählt, daß ihm seine Großmutter, obwohl vergebens, zugemu- thet habe, die Noth der Eltern durch Betteln zu mil­dern. In seinem zehnten Jahre, nachdem die Hungers- noth von 1817 glücklich überstanden war, erhielt er zum ersten Male in einer Elementarschule Gelegenheit, sich geistig zu beschäftigen; er kam in die Jesuitenknaben- schule, und soll, selbst noch ganz jung, Unterricht im Rechnen in der Mädchenschule derselben Pfarre, wo seine Tante Lehrerin war, gegeben haben. Später, nachdem er zur Communion gegangen, wurde er Messediener und hatte als solcher freien Unterricht in der Pfarrschule. In dieser untergeordneten Stellung soll der Knabe mit der Geistlichkeit in Streit gerathen und wegen seiner Zweifel an der Tranösubstantialion sogar vor eine Art Jnquisitionstribunal gestellt worden sein. Die starke Logik des Knaben, wird erzählt, habe seine geistlichen Richter in großen Zorn versetzt; er sei den strafenden Händen entflohen und habe sich damit die Rückkehr zu seiner kirchlichen Stellung abgeschnitten. Auf deu Rath eines Lehrers, der die Anlagen des Knaben erkannte, schickten die Eltern ihn ins Gymnasium. Sie konnten aber die Kosten auf die Dauer nicht erschwingen. Robert wollte nun Goldarbeiter werden. Seine Augen waren aber zu diesem Geschäft zu schwach; er gab daher den

Vorsatz auf und trat bei einem Gürtler in die Lehre, bei dem er die übelste Behandlung erduldet haben soll. Nach überstandener Lehrzeit, während welcher er wenig gelernt hatte, ging er auf die Wanderschaft, erfuhr aber an verschiedenen Plätzen, wo er in Arbeit trat, auf bit­tere Weise, daß er, um ein tüchtiger Gürtler zu sein, noch manche Lücke auszufüllen habe. Er kehrte nach Köln zurück und fand endlich hier in der Laterneufabrik von F. W. Schmitz eine Stelle, in der er zum ersten Male die ihm verliehenen geistigen Gaben mit Erfolg zur Anwendung bringen konnte. Der Besitzer der Fabrik erkannte sehr bald Blum'ö Fähigkeiten; er schenkte ihm sein volles Vertrauen und nahm ihn mit aus Reisen durch einzelne Staaten des südlichen Deutschlands. Während dieser Reisen verweilte Blum ein halbes Jahr in München, und zum ersten Male erkannte er, daß das Leben, das für ihn bisher ein Dornenpfad gewesen, auch Freuden biete. Der Fabrikant Schmitz ging nach Berlin, Blum folgte ihm dorthin und war hier be­müht, durch unablässiges Selbststudium den bis dahin noch dürftigen Schatz seines Wissens zu vernehmen. Die Erfüllung der Militärpflicht, dann die Reise des Schmitz nach Belgien und Frankreich, störten Blum's Verhältnisse; er ging im August 1830 mit einem dürf­tigen Reisegeld nach Köln, und mußte hier, um seine mit dem bittersten Mangel kämpfenden Eltern unter­stützen zu können, die untergeordnete Stelle eines Thea­terdieners bei dem Direktor Ringelhard annehmen, der ihn jedoch ein Jahr später, nachdem er die Direktion des Leipziger Theaters übernommen, dorthin berief und ihn als Theatersekretär und Hülfskassirer anstellte. Hier hatte B. Gelegenheit, mit Schriftstellern bekannt zu wer­den; er wiederholte daher früher begonnene literarische und poetische Versuche. Er schrieb mehrere Novellen, eine Komödie und nahm an der Herausgabe desThea­ter-Lerikon" von Markgraff und Herloßsohn thätigsten Antheil. Vom Jahre 1837 an widmete er sich aber erst mit besonderem Eifer den politischen Bewegungen der