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Unter haltnngsbtatt

zur Neuen hessischen Zeitung.

,4» 23. Soimlag, len 3. December. 1848.

Altenglifche Feste.

Von H. König.

* (Beichluß.)

Bald genug hinter dem Neujahrsjubel kam das Fest des zwölften Tages.

Wir kennen die Bezeichnung deszwölften Tages" oder derzwölften Nacht" auS einem der reizendsten Stücke Shakspeares, das ih der deutschen Übersetzung gewöhnlich nur den zweiten TitelWas ihr wollt" füh­ret, und ursprünglich wohl zur Aufführung an jenen festlichen Abenden bestimmt war. Es ist der zwölfte Tag nach Christtag gemeint, an welchem die drei Wei­sen des Morgenlandes, dem wunderbaren Sterne fol­gend, in Bethlehem anlangten, das göttliche Kind anzu­beten. Die Bräuche dieses Festtages gingen aus der alten Ansicht hervor, daß jene Magier drei Könige ge­wesen. Daher wählte man, wie es noch heut bei uns nicht abgekommen ist, durch das Loos einer, in einem Stücke Kuchen versteckten Bohne einen König oder eine Königin, die sich dann ihren Hofstaat auszusuchen hat­ten. Spiel und Späße knüpften sich daran, und währ­ten über Mitternacht hinaus.

Der Bohnenkönigskuchen war von dem festlichen Trinkkumpf voll Würzweines, Würzbieres oder Meths begleitet, je nach der Wohlhabenheit des Familienkreises, der diesen Tag feierte. Der Zucker war an diesem Ge­tränke nicht gespart, und überdies pflegte man geröstete Aepfel darin zu schwemmen.

Bei keinem Feste, bei keinem lustigen Gelag jener Zeit durfte dieser gefüllte Kumpen fehlen, dieser umkrei­sende Humpen. Der Name des Getränkes, den wir aus dem englischen wassail mit dem WorteHeiltrank" übersetzen wollen, Heil in der alten Bedeutung von von Gesundheit genommen ward daher gleichbedeu­tend mit Festlichkeit oder Festgelag überhaupt. Und wie dem Tranke selbst eine würzige Blume eigen war, so

behielt der Name einen poetischen Duft uralter Erinne­rungen, mit denen er die Phantasie der Zechenden an­regte. Der Name erinnerte nämlich an die Zusammen­kunft Rovenas mit Vortiger. Novena, die Tochter Hengist's des sächsischen Fürsten, der den Briten das Königreich Kent abkämpfte, kniete bei ihrer Zusammen­kunst mit dem Britenkönig Vortiger nieder und reichte ihm einen Becher Weins mit den Worten: Heil dir, Herr König! Vortiger, der kein Sächsisch verstand, ließ sich die Wortewas-heil von seinem Gefolg er­klären, und brachte ans deren Znflüstern den Gegenspruch: drink-heil and; worauf Rovena dem Könige zutrank, der sodann den Becher aus ihrer Hand nahm, die Spen­derin küßte und ihr Bescheid that.

Und diese schönen Worte begleiteten fortwährend den Festpokal und freisten mit dem Kreisenden. Mit den Worten: Trink Heil! reichte man dem Nachbar den Humpen, und er trank mit dem Gegenspruche: Heil dir! Jin Laufe der Zeit war es Sitte geworden, daß reisende Minnesänger um Christtag und die zwölfte Nacht umher zogen, und beim ^eiltranffuinpen (Wassail- bowl) gastlich empfangen wurden. Ein solcher Kumpf, oft von gediegnem Silber, fehlte in keinem Hause eines Mannes von Adel oder von Bildung bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts. Die Worte:Heil dir!" undTrink Heil!" waren oft auf zwei Seiten desselben eingegraben. Wassail" war ein den Dichtern liebes Wort. Auch bei ShakSpeare kommt es öfter vor, und Ben Jonson personificirt selbst in seiner, im Jahre 1616 bei Ho aufgeführten MaskeradeWeihnacht" den Wassail als eins der zehn Weihnachtökinder, dem ein Page den braunen, mit Bändern und Rosmarin verzierten Hum­pen vorträgt.

Solche Maskeraden schrieb Ben Jonson mehrere, zum Beweis, daß Christtag und zwölfte Nacht bei Hofe nicht weniger prunkvoll gefeiert wurden, als es im gan­zen Lande üblich war. Die Gebräuche des Festes stam­men eigentlich vom Lande, aus den Hallen der Edelsitze,